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Frank Stäbler vor der WM : Die Offenheit der Ringer-Elite

Frank Stäbler „will der beste Ringer der Welt sein, nicht nur in meiner Gewichtsklasse“. Bild: Picture-Alliance

Gemeinsam mit anderen Nationen bereiten sich die Deutschen um Weltmeister Stäbler auf die WM vor. Dabei kommen ungewöhnliche Trainingsmethoden zum Einsatz.

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          Frank Stäbler steht mit einem polnischen Nachwuchsmann auf der Matte. Gestenreich diskutiert er mit dem Trainingspartner nach einer intensiven Technikübung im Heidelberger Olympiastützpunkt über die Verbesserung von dessen Spezialwurf. Der Pole dankt dem Weltmeister mit einer Verbeugung, Stäbler sagt augenzwinkernd: „Es ist gut, wenn die Gegner meine Fans werden.“

          Es steckt jedoch mehr hinter der gemeinsamen Sache auf der Trainingsmatte, die eine bemerkenswerte Besonderheit der Ringer im Vergleich zu den meisten anderen Sportarten darstellt: In Trainingslagern treffen sich beispielsweise die Athleten der deutschen Nationalmannschaft um die Aushängeschilder Stäbler, Denis Kudla oder Pascal Eisele gleich mehrmals im Jahr mit gelegentlich bis zu 15 anderen Nationalteams. Dann trainiert Weltmeister Stäbler durchaus mal mit einem direkten Konkurrenten, dem er bei seinem an diesem Donnerstag (10.30 Uhr) beginnenden Wettkampf in der 72-Kilogramm-Klasse der Weltmeisterschaft in Budapest im Ernstfall wieder begegnen kann.

          Hinter der gemeinsamen Arbeit an der Bestform steht die Überzeugung, dass man nur durchs Kräftemessen mit den Besten besser wird. „Ich habe meine Einstellung gerade nach meinen beiden ersten Weltmeistertiteln mehr und mehr verändert. Ich habe nicht ständig im Kopf, dass ich noch mal Weltmeister werden will, sondern ich will der beste Frank Stäbler sein, der ich sein kann“, sagt der 29 Jahre alte Schwabe. Zu dieser Überzeugung passt der recht offene Austausch mit den Gegnern beispielsweise im vergangenen Trainingslager in Heidelberg vor drei Wochen, zu dem gut zehn Nationen vor allem aus Skandinavien zu Gast waren. „Man kämpft dann immer noch mit voller Kraft, die letzten technischen Finessen lässt Frank dann aber weg“, sagt sein Trainer Andreas Stäbler, nicht verwandt oder verschwägert. Zu früheren Zeitpunkten einer Saison ist das anders: Im August in Saarbrücken arbeiteten die Deutschen ebenfalls mit Spitzenkönnern ihrer jeweiligen Gewichtsklasse. „Dann gibt es natürlich Leute, mit denen man nicht so warm wird. Dann hält man sich mit Tipps zurück. Aber wenn man klarkommt, hilft man sich sehr weitgehend“, sagt Trainer Stäbler. „Das gehört zur Kultur des Ringens.“

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          Hinter der transnationalen Kooperationsbereitschaft steht die tiefsitzende Überzeugung der Ringer, nur durch Austausch besser werden zu können. Die deutschen Griechisch-Römischen, die nach ihren Medaillengewinnen der vergangenen Jahre anders als die bei der WM in den vergangenen Tagen abermals erfolglosen Freistilkollegen fast in Mannschaftsstärke quer durch die zehn Gewichtsklassen auf Weltniveau angelangt sind, haben in ihrem Team auf diese Weise eine Selbstverständlichkeit im Wettstreit mit den Besten erzielt.

          „Wir haben eine riesige Lust an der Herausforderung bei uns im Team geweckt. Das gilt für alle Kaderathleten, aber auch für unsere Top-Leute, die gerade bei diesen Trainingslagern beäugt und analysiert werden“, sagt Bundestrainer Michael Carl. „Das hält einen Frank Stäbler wach für die Notwendigkeit, immer wieder neue Strategien zu entwickeln, um die Gegner bei der WM wieder überraschen zu können. Weltmeister wirst du nicht, wenn du deine Form hältst. Du musst dich von Jahr zu Jahr weiterentwickeln.“

          Die Offenheit in der Trainingsgestaltung passt zur Mentalität, die der seit 41 Kämpfen in Folge ungeschlagene Stäbler entwickelt hat, nachdem er 2015 erstmals Weltmeister wurde. „Ich will der beste Ringer der Welt sein, nicht nur in meiner Gewichtsklasse“, sagt Stäbler, in dessen bizarren Streit mit seinem Heimatverein um Trainingszeiten in der Sporthalle und einem zeitweisen Ausweichen in den elterlichen Kuhstall zumindest vorläufig Burgfrieden eingekehrt ist. „Mein Denken geht dahin, dass ich vor einem Turnier wie der WM nicht hoffe, dass ein schwerer Gegner vielleicht vor dem Duell gegen mich ausscheidet oder irgendwie durch eine Verletzung geschwächt ist. Stattdessen will ich gerade, dass alle in absoluter Bestform antreten, damit ich, wenn ich gewinnen sollte, sagen kann, dass ich wirklich der Allerbeste bin.“ In Budapest kann er seinen Anspruch auf die Probe stellen.

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