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Die NBA-Saison beginnt : Nowitzkis langsamer Abschied

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Dirk Nowitzki will noch mithalten: „Körperlich fühle ich mich gut“ Bild: AP

Für den deutschen Basketballstar Dirk Nowitzki beginnt am Mittwoch mit dem Heimspiel der Dallas Mavericks gegen die Atlanta Hawks das letzte Jahr seines laufenden Vertrags in der NBA.

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          Keiner hat in den vergangenen Wochen darüber geredet, wie es demnächst weitergehen soll. Als hätten die Beteiligten gar keine vernünftige Vorstellung davon, auf welche Weise man eigentlich die Laufbahn eines der besten Basketballspieler in der Geschichte dieses Sports beendet. Wann und wie sie begann, ist bekannt: an einem Abend im Februar 1999 in Seattle mit einem der schlechtesten Spiele, die Dirk Nowitzki jemals gezeigt hat in der nordamerikanischen Profiliga (NBA), als ihn all die Ansprüche und Erwartungen einholten, die man in Dallas mit dem jungen Basketballer aus Deutschland verbunden hatte. Aber wann ist Schluss?

          Mit den Denkmustern anderer lebt er, der wertvollste NBA-Spieler des Jahres 2007 und Meister von 2011, noch immer. Doch inzwischen kokettiert er damit. So wie in einem Video, das sein Klub, die Dallas Mavericks, vor kurzem herausbrachte, um den Fans so etwas wie ein Leitmotiv für die kommende Saison zu bieten. „Glaubst du wirklich, dass ich erledigt bin?“, fragt Nowitzki darin mit einem ungewohnt grimmigen Gesicht direkt in die Kamera. Ist er es?

          Die Frage ist bewusst überspitzt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass er im vergangenen Winter auf den zweitschlechtesten Punkteschnitt seiner NBA-Karriere kam (17,3) und die Mannschaft die Play-off-Spiele verpasste. Aber sie zielt in die richtige Richtung. Für Nowitzki beginnt am Mittwoch im American Airlines Center mit einem Heimspiel gegen die Atlanta Hawks das letzte Jahr seines laufenden Vertrages. Der bringt ihm 22 Millionen Dollar brutto ein und macht ihn zu einem der teuersten Spieler der Liga. Mit inzwischen 35 Jahren und damit in einem Alter, in dem die Leistungskurve selbst der Besten unwiderruflich nach unten zeigt.

          Der Mann am Ball: „Glaubst du wirklich, dass ich erledigt bin?“

          „Körperlich fühle ich mich gut“, sagte Nowitzki vor ein paar Tagen. Aber er deutete auch an, dass er es bei der Arbeit am letzten Schliff mit seinem Mentor und Manager Holger Geschwindner etwas gemächlicher angehen lassen werde als in all den Jahren davor. „Vielleicht gibt er mir den einen oder anderen Abend frei. Ich bin vermutlich zu alt, um jede Nacht in die Trainingshalle zu gehen.“ Und sicher auch zu sehr am Alltag mit seiner Familie interessiert, die mit der Geburt der Tochter Malaika im Juli einen neuen Mittelpunkt bekam.

          Bei ihm ist alles Technik

          Das alles fördert Mutmaßungen, wonach der Kapitän der Mavericks der Mannschaft kaum noch aus dem Leistungstal heraushelfen könne. Doch Klubbesitzer Mark Cuban, der vor einer Weile klipp und klar gesagt hatte, dass sein Spieler nach Gutdünken entscheiden darf, ob er seinen Vertrag um „ein Jahr, drei Jahre, zwanzig Jahre“ verlängern will, möchte davon nichts wissen. In der vergangenen Woche warb er im Lokalradio noch einmal für seinen Superstar: „Du musst ihn einfach spielen sehen. Das hat nichts mit Athletik zu tun. Er springt nicht über Leute hinweg. Er flitzt nicht an Leuten vorbei. Bei ihm ist alles Technik. Und das war schon immer so.“ Und abgesehen davon verfüge Nowitzki über eine enorme Selbstdisziplin. „Ihm geht es nur um den Sport. Es gibt nicht so viele Profis, die das so extrem betreiben wie er.“

          Superstar Nowitzki: Bei ihm ist alles Technik

          Nur eins ist anders. Früher gab der Würzburger nach außen so gut wie nie zu erkennen, wie präzise und vor allem auch wie skeptisch er die Fähigkeiten des Teams einschätzte. Ende September, als Journalisten zum ersten Mal die gesamte Mannschaft mit ihren Verstärkungen, den beiden Guards Jose Calderon und Monta Ellis, befragen konnten, war denn auch von einem Kampf um Meisterehren nicht mehr die Rede. Nowitzki hängte die Latte deutlich tiefer. Er erwartet nicht mehr als „ein anständiges Jahr“ und gestand ein, dass „mit mir, Monta und Calderon drei durchschnittliche, wenn nicht sogar unterdurchschnittliche Verteidiger“ auf dem Platz stehen. Wie schlecht man am eigenen Korb aussehen kann, zeigte er in der vergangenen Woche in einem Vorbereitungsspiel gegen die Houston Rockets, als er seinem zum Dunk abhebenden Gegner Omri Casspi den Ball aus der Hand zu schlagen versuchte, aber dessen Kopf erwischte und den Israeli so zu Fall brachte. Die Schiedsrichter schickten Nowitzki für das unsportliche Foul in die Kabine und entfesselten damit viele Spekulationen. Würde die Liga, die nach solchen Verfehlungen Geldstrafen oder manchmal auch Spielsperren verhängt, dem Aushängeschild der NBA womöglich die Saisonpremiere vermasseln?

          Olympia 2016 im Blick

          Doch eine solche Maßnahme war wohl ernsthaft nicht zu erwarten. Nicht angesichts der Spielansetzung vom Mittwoch gegen die Atlanta Hawks und den jungen Braunschweiger Dennis Schröder, die wie ein fernes Echo auf den ersten Auftritt Dirk Nowitzkis anno 1999 wirkt. Damals hatte die NBA dokumentiert, wie wichtig ihr der PR-Effekt einer Begegnung zwischen zwei deutschen Spielern ist. Auch wenn der Leverkusener Detlef Schrempf den deutschtümelnden Rummel eher überflüssig fand und sichtlich froh war, „dass jemand herübergekommen ist und die Fackel“ übernimmt. „Ich glaube, ich habe sie lange genug getragen“, sagte Schrempf damals.

          Eine derartige Last hat Dirk Nowitzki nie empfunden. Er träumt sogar gelegentlich davon, es mit der deutschen Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen 2016 nach Rio de Janeiro zu schaffen: „Das wäre ganz klar eine tolle Sache.“

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