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Boxer Marco Huck : Abstieg eines Champions

Marco Huck – Der Kampf am Samstag ist vielleicht seine letzte Chance im ganz großen Rampenlicht Bild: Picture-Alliance

Der vorlaute Marco Huck ist in der großen Boxwelt nur noch eine kleine Nummer. Wenn er am Samstagabend gegen den Briten Ola Afolabi wieder verliert, steckt seine Karriere in der Sackgasse.

          3 Min.

          Es war die elfte Runde, und es war ein furchtbarer Knockout. Marco Huck, der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version des Verbandes WBO, kassierte von seinem polnischen Herausforderer Krzysztof Glowacki eine Serie schwerster Schläge, ehe er wie ein gefällter Baum in die Seile fiel und wenig später ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dieser 14. August 2015 im Prudential Center von Newark hat Hucks Karriere eine neue Richtung gegeben. Es war der Abstieg eines Champions. Über Nacht war der immer eine Spur zu vorlaute Weltmeister in der großen Boxwelt eine kleine Nummer. Die verbandsübergreifende Weltrangliste von www.boxrec.com führt ihn seither nur noch an Nummer 13 seiner Gewichtsklasse. Am kommenden Samstag nun steigt Huck erstmals nach dem Niederschlag von Newark wieder in den Ring. Mit gewohnt großem Getöse, aber in einer anderen Liga.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          In Halle/Westfalen ist der Brite Ola Afolabi sein Gegner, gekämpft wird offiziell um eine Weltmeisterschaft, doch dies ist nicht ernstzunehmen. Es geht nur um den Titel eines Verbandes namens International Boxing Organization (IBO), der in einer Reihe steht mit Möchtegern-Boxfirmen wie WBU, WAA, WBB oder UBA. Ernstzunehmen sind nur die vier großen Profiverbände WBA, WBC, IBF und WBO. In ihren Kreis will Huck zurück. Auf dem Weg dorthin ist Halle für ihn ein groß beworbener, von RTL ab 23 Uhr live übertragener Zweitligakampf, den er unter keinen Umständen verlieren darf. Im Falle einer abermaligen Niederlage spräche vieles dafür, dass seine Karriere mit 31 Jahren in einer Sackgasse endet.

          Marco Huck (rechts) und Ola Afolabi trafen im Sommer 2013 schon einmal aufeinander.

          Der Berliner Promoter Wilfried Sauerland hatte Huck 2004 unter Vertrag genommen und den ehemaligen Kickboxer gemeinsam mit Trainer Ulli Wegner in die Weltklasse geführt. Sauerlands Urteil nach Hucks krachender Niederlage gegen Glowacki fiel vernichtend aus. Huck, sagte Sauerland, sei „an seinem Größenwahn gescheitert“. Huck hatte sich als WBO-Weltmeister im vergangenen Jahr mit reichlich Ärger und Pulverdampf von Sauerland getrennt. Er gründete mit seinem Bruder Kenan die Huck Sports Promotion und schloss einen Kooperationsvertrag mit der UFA Sports GmbH. Die Hamburger Agentur fungiert seither als Berater für Fernseh-, Medien- und Marketingrechte. Keinen Einfluss hat die UFA auf die sportliche Planung, was sich als Problem herausstellte. Hucks Bruder war von Insidern schon vorab nicht zugetraut worden, das Sportliche in den Griff zu bekommen. Er war bis dahin lediglich als unermüdlicher Reise- und Selbstdarstellungspartner seines Bruders aufgefallen. Dass die Vorbereitung und der WM-Kampf gegen Glowacki zum Desaster wurden, war das Ergebnis einer stümperhaften Planung. 

          Unter dem Berliner Trainer Ulli Wegner hatte sich Huck regelmäßig in der Sportschule Kienbaum, einer ehemaligen DDR-Anlage mit dem Charme einer Kaserne, vorbereitet, nun bezog er mit seiner Entourage eine protzige Villa in der Sommerhitze von Las Vegas, inklusive Löwenkäfig, Riesenschildkröte und Papagei, und verpflichtete mit Don House einen Trainer, der ihn gewähren ließ. Zu allem Überfluss trat Huck - als Weltmeister, der Ort und Zeit bestimmt - gegen Glowacki in Newark an, gegen einen Polen inmitten der zweitgrößten polnischen Kolonie der Vereinigten Staaten. Er boxte freiwillig in der Höhle des Löwen - und erlebte ein Desaster. So schlecht er boxte, so schlecht war seine Vorbereitung gewesen.

          Vor dem Kampf gegen Afolabi zog Huck die Notbremse. Sein Trainingscamp bezog er in Braunlage im Harz. Als Trainer verpflichtete er den Bayern Conni Mittermeier - eine Verbindung, die vergangene Woche schon wieder in die Brüche ging. In der Ringecke in Halle wird nun Varol Vekiloglu stehen, ein ehemaliger Kickboxer, der als Personal Trainer in Berlin arbeitet.

          Für den Kampf in Halle arrangierte sich Huck mit dem Lager des früheren Schwergewichtsweltmeisters Wladimir Klitschko, gegen den er über Jahre polemisiert hatte. UFA-Sprecher Karsten Mahlmann bestätigte, dass es zwischen Hucks Firma und der Klitschko Management Group (KMG) eine Vereinbarung gebe. Die KMG übernimmt demnach die Vermarktung der nationalen TV-Rechte. Bei Klitschkos Haussender RTL gibt man sich überzeugt davon, mit Huck ein neues Box-Kapitel des Senders aufschlagen zu können, wartet zunächst aber den ersten gemeinsamen Kampfabend ab. Da sollte also nichts schiefgehen. Gegen Afolabi, dem er bereits dreimal gegenüberstand (zwei Siege, ein Unentschieden), steht Huck unter enormem Erfolgsdruck. Einen weiteren Niederschlag kann er sich nicht erlauben.

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