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Handball : Die letzte Mammut-Saison

  • -Aktualisiert am

Für Tobias Karlsson dauert der Kampf um bessere Arbeitszeiten zu lange, denn er hat schon im Sommer aufgehört. Bild: dpa

Tobias Karlsson hat oft die Arbeitszeiten der Handballer kritisiert. Bald soll sich die Situation bessern – doch die nun beginnende Bundesliga-Saison wird es noch einmal in sich haben.

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          Der Kampf um bessere Arbeitszeiten dauert so lange, dass die entscheidenden Arbeitskämpfer schon in Rente sind – oder bald sein werden. Tobias Karlsson beispielsweise hat im Sommer aufgehört. Die Schinderei als Berufs-Handballspieler reichte ihm. Der Abwehrchef der SG Flensburg-Handewitt wird von den Verbesserungen nicht mehr profitieren, die er zusammen mit namhaften Kollegen angeschoben hat. Ein Brief im Winter 2018 war es, unterschrieben von ihm, Andy Schmid und Domagoj Duvnjak, der die Sache ins Laufen brachte. Damals hatten Karlsson und Co. gegenüber der Handball-Bundesliga-Vereinigung (HBL) zum Ausdruck gebracht, dass es mit diesem national und international kaum synchronisierten Terminkalender nicht weitergehen könne: 80 Spiele pro Saison, beginnend mit dem am Mittwoch von Flensburg gegen Kiel im Siebenmeter-Werfen gewonnenen Supercup-Duell  für die Hochbelasteten, dazu nur drei Wochen Sommerurlaub. Sicher: Die Stars der Szene verdienen gutes Geld, aber die strenge Fron hat zuletzt Prominente wie Uwe Gensheimer oder Rasmus Lauge aus der Liga vertrieben.

          Mit Argumenten statt Provokationen stießen Karlsson und seine Mitstreiter ausnahmsweise nicht auf taube Ohren bei Vereinen und Verbänden. Im Februar wurde Besserung gelobt, die pfleglichere Behandlung der Spieler in Aussicht gestellt. Und zwar ziemlich schnell. HBL und der Deutsche Handballbund (DHB) haben seit Jahren auch im Hintergrund getan, was sie konnten, um ihre und die millionenschweren Interessen von internationalem und europäischem Verband zu harmonisieren – das Ergebnis ist überraschend gut. Wenn an diesem Donnerstag die Bundesligasaison 2019/20 beginnt, wird es die letzte Marathon-Spielzeit alter Prägung sein. Allerdings eine, die es noch einmal in sich hat: Nach der EM im Januar, der Olympia-Qualifikation im April, Bundesliga und Champions-League-Finale im Mai/Juni folgt Mitte Juli das olympische Handballturnier. Ende August geht es dann schon weiter mit der Saison 2020/21. Für Olympia können die Handballmacher nichts – im Gegenteil, sie wollen sehr gern Bestandteil der Sommerspiele bleiben.

          Doch im übernächsten Sommer beginnen dann Spielzeiten nach Vorstellung der Vorkämpfer. Die Bundesligaklubs steigen im DHB-Pokal eine Runde später ein, die Champions League wird verkleinert, weniger Spiele also, und wahrscheinlich nehmen nur noch die Meister teil, weniger betroffene Vereine also. Die Saison endet im Mai mit dem Champions-League-Finale, und der unbeliebte Nationalmannschafts-Termin Mitte Juni mit zwei Qualifikationsspielen wird in den April geschoben. Die Sommerpause verlängert sich dadurch enorm.

          Anderes bleibt unverhandelbar. Die Bundesliga mit 18 Klubs, der jährliche Wechsel der Großturniere WM und EM: Daran wird nicht gerüttelt. Irgendwoher muss das Geld ja kommen, so argumentieren schließlich auch seit Jahren die deutschen Spitzenklubs, wenn sie wie der THW Kiel von Montag an vieles auf sich nehmen, um beim sportlich zweifelhaften „Super Globe“, der Vereins-WM in Saudi-Arabien, 400.000 Euro kassieren zu können. Das haben auch die Profis akzeptiert. Aber dass Karlsson und seine Vorkämpfer nun doch noch etwas erreicht haben, ist ein hoffnungsvolles Zeichen für den Handball.

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