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Zufriedenheit nach Radrennen : Gelungene Wiederbelebung der Deutschland-Tour

  • -Aktualisiert am

Willkommen! Nach zehn Jahren gibt es wieder ein deutsches Etappenrennen. Die Fans freuen sich. Bild: dpa

Ein Comeback „oberhalb der Erwartungen“: Die Deutschland-Tour kommt bei den Radsportfans an. Dabei begeistern auch zwei deutsche Fahrer. Den Gesamtsieg verpassen sie nur knapp.

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          Ein zartes Radsportpflänzchen, wurde gemutmaßt, werde da nach zehn Jahren Pause unter dem neuen alten Namen Deutschland-Tour auf die Reise über 738 Kilometer durch vier Bundesländer geschickt. Nach den vier Tagen und vier Etappen des wiederbelebten Rennens stellt sich nun heraus, dass die Veranstaltung schon Wurzeln geschlagen hat. Dass sich der enorme Aufwand – man konnte die Größenordnung des Interesses kaum vorhersehen – gelohnt hat. Für die Städte, die als Start- und oder Zielorte fungierten. Für den Ausrichter, das französische Unternehmen Amaury Sport Organisation (A.S.O.), das in Vorleistung gegangen ist, um den Radsport in Deutschland erst zu beleben und um dann eines Tages vom erhofften Aufschwung zu profitieren. Und für die deutsche Straßensportszene, der eine große Bühne bereitet worden ist.

          „Wir hatten eine gesunde Skepsis vor diesem Comeback. Nach zehn Jahren Pause gab es keine Garantie, dass die Fans, die Profis und die Zuschauer das neue Konzept der Deutschland-Tour annehmen. Aber es ist von A bis Z komplett aufgegangen und hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Deutschland-Tour-Chef Claude Rach von der A.S.O. am Sonntag.

          Politt siegt auf der Schlussetappe

          Mit Tour-Sieger Geraint Thomas und dem Zweiten und Sechsten der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt, Tom Dumoulin und Romain Bardet, war das Peloton mit zugkräftigen Namen gespickt und mit der stolzen Zahl von elf World-Tour-Mannschaften besetzt. Dazu kam die nahezu komplett versammelte deutsche Radsportelite, deren Motivation, sich als offensive Fahrer zu zeigen, sehr groß gewesen ist. Vor allem der Berliner Maximilian Schachmann (Team Quickstep) und der Kölner Nils Politt (Katusha-Alpecin) zeigten sich äußerst aktiv und lieferten nicht nur beherzten, sondern auch erfolgreichen Radsport. Den Gesamtsieg verpassten beide dennoch: Politt jubelte nach seinem Etappensieg zum Tour-Abschluss in Stuttgart zwar so ausgelassen, dass er fast vom Rad gestürzt wäre. Doch die größte Freude dürfte beim gelassen wirkenden Matej Mohoric gewesen sein. Der Slowene verteidigte am Sonntag sein Rotes Trikot gegen Politt und den Superkämpfer Schachmann. Der Berliner hatte zum Abschluss alles auf eine Karte gesetzt, musste aber mit Rang drei zufrieden sein.

          Nils Politt vom Team Katuscha aus Deutschland jubelt im Ziel.

          Nach Veranstalterangaben waren es mehrere Hunderttausend Zuschauer, die sich am Streckenrand eingefunden hatten, was als Zeichen dafür aufgefasst wird, dass der Radsport wieder eine Lobby hat. Dass das professionelle Räderwerk, wenn es in den Stadtzentren für die Zuschauer hautnah zu erleben ist, wieder einen gewissen Reiz ausstrahlt. Zu den Zuschauern an der Strecke kommt das Fernsehpublikum. Als Newcomer-Veranstaltung hat die Deutschland-Tour einen großen Bahnhof bekommen bei den Sendern: Die ARD sowie deren Dritte Programme, ZDF und Eurosport haben täglich live berichtet und in 190 Ländern ein Millionenpublikum erreicht. Die A.S.O. verfügt als Veranstalter der Tour de France über einige Marktmacht und darüber hinaus gute Argumente, ihr Produkt prominent zu plazieren.

          „Wir sind mit dem, was wir gesehen haben mehr als zufrieden – es ist oberhalb der Erwartungen“, sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bund Deutscher Radfahrer (BDR). „Wenn man nach zehn Jahren wieder so anfängt, dann ist das ein hervorragender Aufschlag.“ Der BDR freut sich über die gelungene Zuarbeit – dass ein französisches Unternehmen seinen Job, dem hiesigen Radsport zur Renaissance zu verhelfen, quasi übernimmt und großzügig bezuschusst. Der Verband müht sich dagegen noch auf viel kleineren Baustellen. Beispielsweise war es ihm nicht gelungen, in diesem Jahr einen Ausrichter für die deutschen Meisterschaften zu finden. Bis sich keine vier Monate vor dem Termin ein weit mehr als 70-jähriger Veranstalter erbarmte und das Event mit alten Mitstreitern im südhessischen Ort Einhausen stemmte. Derselbe Veranstalter war es auch, der den Deutschland-Tour-Machern aus der Patsche half und den Start der Schlussetappe im südhessischen Lorsch mitorganiserte. Denn leicht tat sich auch die A.S.O. nicht, Städte zu gewinnen.

          Das mag im nächsten Jahr einfacher werden. Die Bilder vom Peloton vor dem Deutschen Eck in Koblenz, der Porta Nigra in Trier oder dem Stuttgarter Schlossplatz waren einprägsam. Auf neun Etappen, so wie einst in den Jahren von 1999 bis 2008, soll das Event wohl noch nicht ausgebaut werden. „Es muss erst einmal eine gesunde Basis da sein. Wir schauen auf die Qualität und nicht die Quantität“, sagte A.S.O.-Mann Rach. Der Termin Ende August habe sich bewährt, so der Luxemburger.

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