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Basketball-Euroleague : Im Rausch der großen Würfe

Gelingt der große Wurf: Die Basketbal-Euroleague hat Ambitionen Bild: AFP

Das „Final Four“ in Berlin bot großen Sport. Nach dem Sieg von ZSKA Moskau in der Basketball-Euroleague wollen die Top-Klubs in Europa dem Vorbild der NBA nacheifern.

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          Was soll nach so einem berauschenden Spiel noch kommen? Der Beginn eines neuen Zeitalters. Die reichsten und besten Mannschaften Europas standen sich im Endspiel der Euroleague in Berlin gegenüber. ZSKA Moskau führte zwölf Minuten vor Schluss mit 21 Punkten. Seine Spielmacher, die besten Point Guards in Europa, Nando de Colo und Milos Teodosic, ließen den Zuschauern mit ihren waghalsigen Pässen und ihren sicheren Würfen den Atem stocken - und dann kam, im letzten Viertel, Fenerbahce Istanbul zurück, mit ungeheurer Macht und geführt vom erfolgreichsten Trainer Europas, dem schlauen Zeljko Obradovic.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In zehn Endspielen mit fünf verschiedenen Teams hat er diesen Wettbewerb acht Mal gewonnen, und der amerikanische Trainer Gregg Popovic verriet, als er mit seinen San Antonio Spurs Meister der NBA geworden war, dass er die Spiele von Obradovic minutiös studiere und die besten Strategien hemmungslos klaue. Eine Minute vor Schluss führte das Team von Obradovic. De Colo zitterte die Hand, als er mit einem Drei-Punkte-Schuss den Sieg erzwingen wollte: daneben.

          Moskauer Sieg im Drama

          Die Überlegenheit der einen, die formidable Reaktion der anderen - da schöpften zwei Trainer Möglichkeiten aus, von denen andere nur träumen. Die Basketball-Budgets von „Ceska“, wie der einstige Armeesportklub in der Welt des Sports heißt, und des reichsten Sportklubs der Türkei belaufen sich auf zusammen mehr als 70 Millionen Euro. Das entspricht gut 70 Prozent dessen, was die 18 Vereine der Basketball-Bundesliga zusammen pro Jahr ausgeben können; jeder Finalist verfügt über etwa drei Mal so viel Geld wie der deutsche Branchenführer Bamberg.

          Als ZSKA zum siebten Mal seit 2008 zu scheitern drohte, als die türkischen Fans Luft holten, um den Sieg ihres Teams zu bejubeln, griff sich der Moskauer Veteran Viktor Chrjapa ruhig den Abpraller und legte, ohne Anstrengung, wie es schien, den Ball zum 83:83 in den Korb. Sein Team war gerettet. De Colo, vor zwei Jahren aus der NBA in Amerika zurückgekehrt und als wertvollster Spieler der Saison und des Schlussturniers ausgezeichnet, sorgte mit zehn Punkten (von 52 in Halbfinale und Finale) für das souveräne 101:96.

          Neue Ära

          „Dies ist das Ende einer Ära“, hatte Jordi Bertomeu schon zuvor versprochen. „Nun beginnt eine neue.“ Der spanische Präsident und Vorstandsvorsitzende der Euroleague will aus dem einstigen Europapokal eine europäische Liga machen: mit 16 statt wie bisher 24 Teilnehmern; jeder spielt gegen jeden, dann gibt es Play offs und Final Four.

          Mehr Glitzer: Die Euroleague will noch glamouröser werden

          „Wir hatten jetzt schon Tage, da sind wir fünf Stunden zum Spiel in Barcelona geflogen und fünf Stunden zurück und spielten dann in Krasnodar, in einer Zone mit fünf Stunden Zeitunterschied“, sagt Dimitrios Itoudis, der Trainer von ZSKA. „Das ist widersprüchlich: eine normale Saison und dann Pokal-Modus. Man muss das erst mal ausprobieren. Aber mir scheint, wir brauchen ein größeres Team und ein Flugzeug.“

          Mit solch einer Ausstattung folgte die Euroleague wirklich dem Vorbild NBA. „Wir brauchen das neue Format“, sagt Obradovic. „Wir müssen einen Wettbewerb schaffen, mit dem wir die besten europäischen Spieler hier behalten, statt sie nach Amerika gehen zu lassen.“

          Bertomeu warb in Berlin offensiv um Sponsoren. „Wir sind kein traditioneller Wettbewerb“, sagte er. „Wir vertreten Marken, Städte, Klubs.“ Investoren versprach er die Präsenz in dreißig Spielen, mindestens. Dass er es ernst meint, beweist die Wild Card für Darussafaka. Vor zwei Jahren noch in der zweiten Liga, ist der Istanbuler Klub in den nächsten beiden Spielzeiten gemeinsam mit Fenerbahce und Anadolu Efes, die beide gesetzt sind, sowie Galatasaray, das sich als Gewinner des Euro-Cup qualifiziert hat, in der Euroleague dabei. Dank des Investors Dogus, eines türkischen Mischkonzerns, wird ein Viertel der Euroleague in Istanbul spielen.

          Den Streit mit dem internationalen Verband Fiba darüber, ob die nächstbesten Teams im Euro-Cup antreten, den ebenfalls die Euroleague organisiert, oder in der Champions League, welche die Fiba auf die Beine stellen will, sieht Bertomeu gelassen - trotz der Drohung, Nationalmannschaften zu sperren. „Wenn jemand behauptet, die Werte des Sports zu vertreten, ist es schwer zu verstehen, warum er Spanien und Litauen, die Finalisten der Europameisterschaft, nicht bei Olympia spielen lassen will“, sagt er über die Fiba und ihre Sanktionen. „Wir bereiten die nächste Saison vor und können uns nicht mit diesen Dummheiten beschäftigen.“

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