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Didi Thurau : „Ich ziehe das mit meinen Jungs durch“

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Lebt in der Schweiz als alleinerziehender Vater: Dietrich Thurau Bild: picture-alliance/ dpa

Der 10. September ist ein erfolgreicher Sonntag für Didi Thurau gewesen. Die Söhne des einstigen deutschen Tour-Radhelden belohnten den Doppelstress des Vaters, der sich nach Schicksalsschlägen auf seinen Nachwuchs konzentiert.

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          Der 10. September ist ein erfolgreicher Sonntag für Didi Thurau gewesen. Die Söhne des einstigen deutschen Tour-Radhelden (1977 fünfzehn Tage im Gelben Trikot) belohnten den Doppelstress des Vaters. Der elfjährige Urs, der sich nicht mehr den Papa, sondern Roger Federer zum sportlichen Vorbild genommen hat, gewann vormittags wieder einmal ein Tennisturnier des Verbandes Aargau. Der 18 Jahre alte Björn beendete nachmittags in Möhlin bei Basel eines der bedeutendsten internationalen Radrennen der Junioren (U 19) als Gesamtsieger. Nach vier Etappen und 356 Kilometern der zum „Challenge Coupe de Monde“ zählenden Schweizer Rundfahrt „Grand Prix Rüebliland“ rettete Thurau junior dank seiner Sprintqualitäten den Vorsprung von einer Sekunde vor dem Italiener Giorgio Brambilla ins Ziel.

          Thurau, der mit seinen beiden Jungs in einem Haus in Remetschwil lebt, einem Dorf zwischen Aarau und Zürich, muß den Kleinen zum Tennisplatz und den Großen zur Rennstrecke bringen und beide auch wieder abholen. Denn seit kurzem ist der einstige Radprofi aus Frankfurt alleinerziehender Vater. Seine zweite Frau Birgit hat nach achtzehn Jahren Ehe die Familie verlassen.

          Vater nach Ausfahrt gelähmt

          Das ist nicht der einzige Schicksalsschlag, der Thurau nach letztlich verkorkster Radkarriere und einer Pleite vor Jahren als Immobilien-Kaufmann nun in jüngster Zeit traf. Sein auch mit 78 Jahren radsportlich noch aktiver Vater wurde nach einer hundert Kilometer langen Ausfahrt kurz vor der Haustür in Schwanheim von einem Mädchen mit dem Fahrrad umgefahren. Helmut Thurau, der gegen den dringenden Rat seines Sohnes stets ohne Helm radelte, stürzte so unglücklich, daß er seitdem querschnittsgelähmt ist und in einem Pflegeheim liegt. Und Didi Thuraus einstiger Jugendtrainer und väterlicher Freund Siegfried Meinecke wurde beim Radfahren - ebenfalls ohne Helm - von einem Auto gerammt, brach sich buchstäblich sämtliche Knochen, lag fünf Wochen im künstlichen Koma, kam aber glücklicherweise ohne bleibende Gesundheitsschäden davon.

          „Ich habe wieder viel einstecken müssen in letzter Zeit. Aber ich ziehe das mit meinen Jungs durch“, sagt der 51 Jahre alte Dietrich Thurau, der auch in der Schweiz weiterhin in der Immobilien-Branche tätig ist . „Was bleibt mir auch anderes übrig?“ Der sportlichen Entwicklung seiner Buben zum Tennis- beziehungsweise Radprofi gelten seine ganze Hingabe und sein ganzer sportlicher Ehrgeiz. Thurau hat Urs schon viermal für zwei Wochen ins Tenniscamp von Klaus Hofsäss nach Elvira bei Marbella geschickt. Der Kleine, habe ihm der einstige Trainer des deutschen Damen-Teams mit Steffi Graf versichert, besitze großes Talent.

          Suche nach Team für seinen Sohn

          Beim Großen, mit 1,94 Meter dem Vater bereits über den Kopf gewachsen, ist die Aussicht auf eine Profikarriere realistisch geworden. „Ich habe Björn deutlich gemacht: ,Es reicht nicht, wenn du nur gut fährst. Wichtig ist, daß du auch mal gewinnst, damit dich ein U-23-Team nächstes Jahr nimmt.'“ In den vergangenen vier Wochen hat Björn Thurau gleich drei bedeutende Rennen gewonnen, den 54. Großen Silber Preis in Bellheim in der Pfalz (13.8.), sein erstes Bundesliga-Rennen in Queidersbach (Pfalz) am 27. August und am vergangenen Sonntag nun den GP Rüebliland im Kanton Aargau. Thurau junior fährt mit Schweizer Lizenz für die GS Schumacher Sulz und startet in der Bundesliga für die RSG Nürnberg und den Landesverband Bayern.

          Didi Thurau sucht nun für die nächste Saison „ein U-23-Team mit Perspektive“ für seinen Sohn, steht mit der Nachwuchsmannschaft von Milram in Gera in aussichtsreichen Verhandlungen und hofft, daß Bundestrainer Peter Weibel Björn in den U-23-Kader beruft. Der Vater konnte den Sohn auch überzeugen, es nicht beim Grundschulabschluß zu belassen, sondern sich in der Handelsschule weiterzu- bilden und in den Wintermonaten einen Job zu suchen. Das aktuelle Brandthema Doping sieht der einstige Radprofi, selbst zweimal positiv erwischt, als Rennfahrer-Vater nun ganz anders. „In meiner Generation ist auch keiner nur mit Zuckerwasser die Berge hochgeklettert. Doch was heute passiert, das ist der helle Wahnsinn“, sagt er.

          Sponsorenbetreuer bei Drei-Länder-Rundfahrt

          Thurau begrüßt demonstrativ strikte Maßnahmen gegen Doping und vor allem die Aufklärung in den Vereinen und Verbänden. „Sonst wäre es von den Eltern heutzutage gegenüber ihren Kindern nicht mehr zu verantworten, sie diesem Sport zuzuführen.“ Was Doping letztlich für gesundheitliche Schäden anrichten könne, sei ihm als jungem Rennfahrer nie erklärt worden. „Ich bin da reingeschlittert“, sagt er. Daß Björn Thurau ein sauberer Radrennfahrer ist und bleibt, darüber will Dietrich Thurau als strenger Vater nun persönlich wachen.

          Der Name Thurau ist immer noch ein Begriff im Radsport. Für die an diesem Mittwoch in Erfurt beginnende Drei-Länder-Rundfahrt durch Thüringen, Hessen und Baden nach Frankfurt wurde der zweimalige WM-Zweite, sechsmalige Tour-Etappen- und mehrmalige Klassiker-Sieger eingeladen, die Sponsoren zu betreuen.

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