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Diamond League : Weltmeister im Schatten

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Katharina Molitor: Nur auf Platz drei. Bild: dpa

Schwanitz, Molitor und die schnellen Schönen: Die Kugelstoß-Weltmeisterin veredelt die beste Saison ihrer Karriere. Die Speerwurf-Weltmeisterin wird im Letzigrund Dritte.

          Nein, rechtfertigen mochte sich Christina Schwanitz für das ganze Geld nicht auch noch. „A zahle ich Steuern“, sagte die Weltmeisterin. „B: Welcher Fußballer würde sich über diese Summe freuen?“ Knapp zwei Wochen nach ihrem Triumph in Peking hat die Kugelstoßerin beim Diamond-League-Meeting am Donnerstagabend in Zürich zwar abermals einen großen Zahltag erlebt, fühlte sich aber mal wieder ins Abseits gestellt. Schwanitz siegte zwar mit 19,91 Metern, doch die Kugelstoßerinnen fanden zu Beginn von „Weltklasse Zürich“ vor 25.000 Zuschauern im Letzigrund-Stadion kaum Beachtung. „Ich wurde viermal erwähnt, die anderen gar nicht“, klagte Schwanitz.

          Dabei hatte die 29-Jährige vom LV 90 Erzgebirge innerhalb von zwölf Tagen insgesamt 110.000 US-Dollar (98.750 Euro) Prämien eingenommen: 60.000 als Weltmeisterin, 40.000 für den Diamond-League-Gesamterfolg und dazu 10.000 Dollar Bonus für den Tagessieg.

          Starker Auftritt von Christina Schwanitz

          So viel wird Schwanitz möglicherweise nie wieder an Prämien in einem Jahr verdienen. Was sich durch den WM-Titel finanziell verändern wird? „Nichts“, sagte Schwanitz. „Ja, okay, die Sporthilfe unterstützt mich mehr.“ Sie ärgere sich, dass sie sich „jedes Mal verbeugen“ müsse, wenn sie mal anständig bezahlt werde. „In anderen Ländern kriegen sie als Weltmeister ein Haus oder eine Rente.“ Sponsoren? „Ich hoffe“, sagte sie, „aber wenn ich in der Zeitung lese, dass Deutschland wieder laufen lernt... Die Werfer sind halt da, um die Quote zu halten.“

          Schwanitz spielte damit auf die überraschenden WM-Medaillen von Gesa Felicitas Krause über 3000 Meter Hindernis und Hürdensprinterin Cindy Roleder an, die in der Öffentlichkeit einigen Widerhall fanden. „Ich will deren Leistungen nicht schlechtreden, um Gottes willen. Mir geht es eher um die Gleichberechtigung, wenn andere hübscher und schneller sind.“

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          Speerwerferin Katharina Molitor, die zweite deutsche Goldmedaillengewinnerin bei der Weltmeisterschaft, die in Zürich mit 62,43 Metern Dritte beim Triumph der Olympiasiegerin Barbora Spotakova aus Tschechien (64,31) wurde, macht sich ebenfalls keine Illusionen, „dass ich plötzlich im Geld schwimmen werde. Ein paar Termine mehr halt. Ich hoffe, dass ich mich selbst nicht verändere.“ Und Sponsoren? „Da müsste ich mich selbst darum kümmern“, sagte die Lehramtsstudentin und Zweitliga-Volleyballspielerin.

          Und Molitor weiß um die mäßige Popularität ihrer Disziplin. „Der Speerwurf ist und bleibt eben kein 100-Meter-Sprint. Aber ich denke, dass der Verein mein Monatsgehalt aufstocken wird.“ Christina Schwanitz stand dann doch noch im Mittelpunkt, als der Stadionsprecher ankündigte, das sei heute „wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag“. Da winkte die Kugelstoßerin lächelnd ins Publikum – und dann ging es irgendwie doch noch mal ums große Geld: „Mein Mann ist zum ersten Mal hier, das ist unbezahlbar.“

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