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Bizarre Regel im Weitsprung : Warum 8,09 Meter besser sind als 8,13

Nicht fair: Ruswahl Samaai springt 8,09 Meter und gewinnt, obwohl sein Konkurrent 8,13 schaffte. Bild: AFP

Wenn sich sogar der Profiteur der Regeländerung dagegen ausspricht, kann sie nicht gut sein. „Können wir bitte aufhören, Dinge zu reparieren, die gar nicht kaputt sind“, fordert Weitspringer Ruswahl Samaai.

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          „Dies ist nicht fair!“, funkte der Weitspringer Ruswahl Samaai in die Welt, nachdem er selbst am Sonntagabend den Weitsprung der Diamond League in Stockholm gewonnen hatte. „Dies sorgt nicht für Spannung. Es bringt nur Enttäuschung.“ Samaai, Dritter der Weltmeisterschaft aus Südafrika, war im sechsten und letzten Durchgang 8,09 Meter weit gesprungen und hatte damit, Wunder der Modernisierung, den Schweden Thobias Montler übertroffen, der im Wettbewerb zweimal 8,13 Meter erreicht hatte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In Stockholm galt die Neuerung „Best of Three“, die Fernsehzuschauer fesseln soll: Nach fünf Durchgängen dürfen nur die besten drei weitermachen. Wie in einem Stechen entscheiden nicht die bisherigen Leistungen, sondern allein das Resultat dieses sechsten Versuchs. Montler kam auf 8,06 Meter. Der Finne Kristian Pulli, zuvor 8,02 Meter weit gesprungen, trat über und wurde Dritter.

          „Ich bin glücklich mit meinen vier Sprüngen über acht Meter“, kommentierte Montler. „Aber ich bin nicht so glücklich mit der neuen Regel.“ Samaai twitterte: „Ich habe den Wettbewerb nach einem Format gewonnen, das demjenigen mit der größten Weite gegenüber nicht fair ist.“ Den Weltverband World Athletics forderte er auf: „Können wir bitte aufhören, Dinge zu reparieren, die gar nicht kaputt sind.“ Er verbreitete einen Tweet, in dem stand: „Wenn du ein wahrer Wettkämpfer bist, wird sich diese Art von ,Sieg‘ stets hohl anfühlen.“ Genau so fühle er sich, schrieb Samaai.

          Der Weitsprung machte damit fast mehr Schlagzeilen als Welt- und Europameister Karsten Warholm, der über 400 Meter Hürden in 46,87 Sekunden dem Weltrekord so nahe kam wie noch niemand. Seit den Olympischen Spielen von Barcelona 1992 hält der Amerikaner Kevin Young die Bestzeit von 46,78 Sekunden, so lange schon wie kein anderer Läufer auf einer olympischen Distanz. Anderthalb Stunden nach seinem Sieg gewann Warholm die 400 Meter, in 45,05 Sekunden.

          Auch im Weitsprung der Frauen veränderte die neue Regel das Resultat. Die Ukrainerin Maryna Bekh-Romantschuk siegte mit 6,85 Meter vor der kolumbianischen Dreisprung-Olympiasiegerin Caterine Ibargüen mit 6,61 Meter. Dritte wurde die Schwedin Khaddi Sagnia; sie hatte zwar im zweiten Durchgang 6,83 Meter erreicht, die zweitbeste Weite, kam bei der Entscheidung aber nur auf 5,73 Meter.

          Gegenüber der BBC verteidigte der deutsche Geschäftsführer der Diamond League, Petr Št’astný, die Regeländerung. „Dieses Format belohnt Athleten, die ihre Leistung unter dem größten Druck bringen können“, sagte er. „Wir glauben, dass es mehr Spannung in die Wettbewerbe bringt, da bis zum allerletzten Versuch nichts entschieden ist.“

          Weitsprung-Olympiasiegerin Tianna Bartoletta kritisierte: „Dies ist keine Innovation, sondern ein Durcheinander.“ Athleten und ihre Anstrengungen würden der Hoffnung geopfert, dass Zuschauer sich mehr für einen spannenden Moment interessierten als für den gesamten, spannenden Wettbewerb. Die Leichtathleten-Gewerkschaft Athletics Association, von Dreisprung-Olympiasieger Christian Taylor gegründet, als neben anderen dessen Disziplin aus dem Programm der Diamond League gestrichen wurde, gab an, dass 87 Prozent der befragten Leichtathleten gegen das Konzept der „Final Three“ seien; es sei respektlos gegenüber dem Wettbewerb.

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