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DFB fordert Kindertraining : Spielen zum Selbsterhalt

Lasst die Kinder kicken: Der DFB fordert einen bundesweiten Trainingsbetrieb für Minderjährige. Bild: Getty

Der Lockdown für den Amateursport trifft die Kleinen. Der Deutsche Fußball-Bund fordert deshalb einen bundesweiten Trainingsbetrieb für Minderjährige. Der Gewinn könnte groß sein: Denn Bewegung streichelt nicht nur die Seele.

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          Kinder sind unsere Zukunft. Das heißt nicht, dass sich alles um sie drehen muss. Dass das gesamte Familienleben 24 Stunden am Tag siebenmal in der Woche auf sie auszurichten ist, wie es mitunter geschieht. Liebevoll erdrückt in der elterlichen Corsage. So wirkt manche Bemutterung oder Bevaterung, wenn man an schreiende Hampelmänner entlang der Seitenlinien etwa beim Fußball oder überhaupt beim Sport der Kleinen denkt. Die Armen. Allen schönen Ideen vom gleichen Talent zum Trotz. Nicht jeder Sprössling hat das Zeug zum Weltstar. Manche wollen nur spielen. Lasst sie.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das ist in diesen Tagen doppeldeutig gemeint. Denn der Lockdown für den Amateursport trifft die Kleinen. Es war schon kinderfreundlich, dass der organisierte deutsche Fußball vor Jahren zu Distanz ging auf Eltern, die sich in ihren Zöglingen verwirklichen wollten, wenn sie schon nicht selbst geschafft hatten, was ihnen erstrebenswert erschien. Dem Abstandsgebot für Erziehungsberechtigte bei manchen Jugendspielen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch eine nicht minder wichtige Umarmung seiner Jüngsten folgen lassen. Er fordert einen bundesweiten Trainingsbetrieb für Minderjährige, so wie es in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin unter gewissen Auflagen im Moment möglich ist.

          Das Ansteckungsrisiko in der frischen Luft auf vergleichsweise großen Spielflächen ist bei leicht einzuhaltenden Hygieneregeln gering. Abertausende Vereine bis in die Kreisliga hinein haben bewiesen, dass sie vernünftige, von der Wissenschaft formulierte Konzepte umzusetzen in der Lage sind. Der Gewinn könnte also groß sein: Bewegung in Zeiten des nervenden Stillstands streichelt nicht nur die Seele. Sie stärkt Herz und Hirn, mithin das Immunsystem. Irgendwann wird jedes Kind die Kraft brauchen, das Virus erfolgreich zu bekämpfen.

          Von einem Verband dieser Größe und angesichts seines Selbstverständnisses, ein Big Player für das Gemeinwohl dieser Gesellschaft zu sein, darf man einen solch sportpolitisch heiklen Vorstoß erwarten. Immerhin positionierte sich der DFB teilweise gegen die grundsätzliche Vereinbarung von Bund und Ländern. Umso wichtiger ist seine rechtzeitige wie maßvolle Bemühung um eine Differenzierung der Vorgaben. Zumal der DFB als größter Fußball-Verband der Welt mit seiner potentiellen Durchsetzungskraft anderen Verbänden in Deutschland als Orientierung dient.

          Tritt er mit guten Argumenten aus der Deckung, wagen es andere auch. Sein Motiv ist ein ureigenes: Den Sport treffen Fehler im Umgang mit den Kleinen sehr schnell und sehr schmerzhaft auf allen Ebenen, innerhalb weniger Jahre. Insofern dient die Initiative des DFB im besten Sinne seiner Selbsterhaltung. Andernfalls hätte er schon versagt, bevor es zur Sache geht. Denn sein Wert für seine jüngsten Mitglieder hängt davon ab, ob er sich überzeugend durchsetzt.

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