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Deutschland im EM-Viertelfinale : Volleyball mit Gänsehaut

Auf dem Weg nach Berlin: Die deutschen Volleyballerinnen hoffen auf das Halbfinale Bild: dpa

Das deutsche Frauenteam ist vor dem Viertelfinale bei der Volleyball-EM an diesem Mittwoch (20.00 Uhr) gegen Kroatien mutig. Mit einer Vollgas-Mentalität wollen die Spielerinnen Berlin näher kommen.

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          So eine Europameisterschaft ist ja immer auch eine Reise durch viele Emotionen. Man muss da nur Volleyball-Bundestrainer Giovanni Guidetti verfolgen. „Ich probiere immer ruhig zu bleiben“, sagt er, weil er weiß, so eine EM bietet auch ohne sein Zutun schon Aufgeregtheiten genug. „Ich kann das aber nicht.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Sonntagabend, beim Spiel des deutschen Teams gegen die Türkei, wurde er einmal fuchsteufelswild, im zweiten Satz, als seine Frauen die Punkte reihenweise hergaben, „ohne dass die Türkei sie sich verdient hätte“. Aber sie holten den Sechs-Punkte-Rückstand dann auch wieder auf, gewannen 3:0 und zogen als Gruppensieger ins Viertelfinale am Mittwoch (20.00 Uhr / Live auf Sport1) ein. Dort geht es gegen Kroatien.

          “Sport ist Emotion“, sagt Guidetti, „wegen der Emotionen machen wir ja Sport.“ So gesehen erlebten die deutschen Volleyball-Frauen drei erfüllte erste Tage der Heim-EM. „Mir haben richtig die Beine gezittert“, sagte Margareta Kozuch nach dem Auftakt gegen Spanien, „im fünften Satz hatte ich nur noch Gänsehaut“, sagte Mittelblockerin Corina Ssuschke-Voigt nach dem umkämpften 3:2-Sieg gegen die Niederlande; „so eine Energie in der Halle habe ich noch nie gespürt“, sagte Margareta Kozuch nach dem Türkei-Spiel, als knapp 6000 lautstarke Fans in Halle/Westfalen die deutsche Auswahl zum Erfolg getragen hatten.

          Das war für viele eine neue Dimension. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Zuschauer in Deutschland beim Volleyball so mitgehen“, sagte die 22 Jahre alte Libera Lenka Dürr. „Da ist man schon sehr stolz.“ Mit der Leistungssteigerung gegen die Türkei haben die deutschen Frauen nach anfänglichem Nervenflattern zurück zu den eigenen Stärken gefunden. Es ist das erste große Turnier des Teams in Deutschland, Anspannung und Nervosität seien da anfangs groß gewesen, sagte Lenka Dürr. „Aber wir haben gesehen: Die ganze Halle steht hinter uns. Das gibt einem Ruhe.“

          „Das ist schon sehr viel wert“

          Und es gibt Selbstvertrauen, die innere Sicherheit, die nötig ist, um auf höchstem Niveau zu spielen. „Wir wissen, wir können in jedem Moment Risiko gehen, wir haben dafür auch den Rückhalt des Trainerstabs“, sagt Kozuch. Und sie haben das gegenseitige Vertrauen innerhalb der Mannschaft, in der sie sich auch dann bestärken, wenn mal eine Aktion schiefgeht: „Das ist schon sehr viel wert.“

          Denn diese Überzeugung braucht die Mannschaft, sie lebt von ihrer Vollgas-Mentalität, vom Kampfgeist, vom Willen, nie aufzugeben. Gegen die Türkei drehte sein Team den schon verloren geglaubten zweiten Satz noch und wehrte im dritten erst zwei Satzbälle ab, ehe es den zweiten Matchball nutzte.

          „Bisher war das Antipasti“

          Diesen Willen habe sich das Team im Training erarbeitet, sagt Guidetti. „Sie kämpfen im Training fast noch mehr als im Spiel. Das ist eine unglaubliche Qualität.“ Auf die wird es auch in den K.-o.-Spielen ankommen. „Jetzt fängt die EM erst richtig an, jetzt ist die Frage: Leben oder Tod?“, so Guidetti. „Bisher war das Antipasti.“

          Bange ist ihm deshalb nicht, auch wenn er einen „sehr schweren Gegner“ im Viertelfinale erwartet. „Ich kenne diese Mannschaft gut“, sagt er. „Diese Mannschaft hat noch nie in einem wichtigen Spiel schlecht gespielt.“ Der Auftritt gegen die Türkei scheint auf die deutschen Volleyball-Frauen wie eine Befreiung gewirkt zu haben. Berlin, wo Halbfinale und Finale steigen, ist deutlich näher gerückt, wenn schon nicht geographisch, so doch emotional: „Berlin ist in Sicht“, sagte Lenka Dürr.

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