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Umbruch im Deutschland-Achter : Jugend rudert

Der neue Deutschland-Achter auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Bild: dpa

Das deutsche Paradeboot stellt sich neu auf und verpasst sich eine Verjüngungskur. Das soll kein Hindernis für künftige Triumphe sein. Die ersten Bewährungsproben sind nicht mehr weit.

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          Wird der größte Umbruch im Deutschland-Achter seit über zehn Jahren glücken oder nicht? Das Wetter taugte jedenfalls nicht als gutes Omen. Bei der Vorstellung des deutschen Parade-Bootes auf dem Ems-Kanal wechselten sich Regen und Sonnenschein ab. Bundestrainer Uwe Bender stellte fest, dass seine Ruderer derzeit noch ein Stück weit vom gewünschten Optimum entfernt seien.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Aber das kann auch gar nicht anders sein. Mattes Schönherr, Wolf-Niclas Schröder, Julian Garth, Benedict Eggeling, Jasper Angl und Steuermann Jonas Wiesen: Insgesamt sechs Neue nehmen künftig im deutschen Ruder-Flaggschiff ihren Platz ein.

          Viel Geduld nötig

          Die Umbesetzung ist gleichbedeutend mit einer Verjüngungskur. Garth ist, 2,04 Meter groß und 95 Kilogramm schwer, mit gerade mal 20 Jahren das „Küken“ der Truppe, deren Durchschnittsalter nur drei Jahre darüber liegt. Jugend soll kein Hindernis für künftige Triumphe sein.

          Der Nachwuchs nimmt sich vor, wie ihre Vorgänger regelmäßig Podestplätze bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zu belegen. Aber Bender weiß, dass es auch viel Geduld erfordern wird, bis die einzelnen Athleten als Team optimal aufeinander abstimmt sind und die erhoffte Leistung gemeinsam erbringen können.

          „Stehen noch am Anfang“

          „Das braucht schon ein Paar tausend Kilometer im Boot und dafür braucht man die entsprechende Zeit“, sagte der 63-Jährige. „Wir stehen da noch am Anfang, haben aber auch immer wieder positive Signale“. Die jungen Athleten seien wissbegierig, motiviert und ehrgeizig. Die Präsenz so zahlreicher Talente, die es an die Spitze geschafft haben, sei auch das Ergebnis einer hervorragenden Nachwuchsförderung in Deutschland. Woran es aber derzeit noch fehle für ein Weltklasseniveau, sei die Konstanz.

          Profitieren sollen die Neuzugänge von der Erfahrung von Torben Johannesen und Olaf Roggensack, die 2020 bei den Olympischen Spielen Silber holten und nun im Alter von 27 und 25 die Veteranen sind. Roggensack, der in Tokio noch zu den Jüngeren zählte, kann sich in die Situation der aufstrebenden Kollegen gut hineinversetzen: „Natürlich bringen Torben und ich mit der Olympiateilnahme eine besondere Erfahrung mit. Sowas ist schon etwas Einmaliges“, sagte er.

          Aber auch die Neuen seien durch ihre Erfolge bei den Junioren kein unbeschriebenes Blatt und wüssten, wie man unter Wettkampfdruck Leistung erbringe. Dennoch setzt Bender auf die stabilisierende Wirkung des älteren Jahrgangs: „Torben und Olaf sind nun diejenigen, die mit ihren Medaillen die größten Vorbilder sind“, sagte er. „Die haben nun den großen Einfluss, die Jungen bei der Hand in die richtige Richtung zu nehmen.“

          „Gemeinsamen Stil“ erarbeiten

          Es gelte so schnell wie möglich eine „gemeinsame Sprache“ und einen „gemeinsamen Stil“ zu erarbeiten, so Bender. Rund zwei Jahre hat er dafür noch für das Ziel Olympia 2024 in Paris Zeit. Die Aufgabe wurde in den vergangenen Wochen für den Bundestrainer erschwert. Covid-Ausfälle und Schwierigkeiten einiger Ruderer, Beruf und Studium zu verbinden, behinderten die Kaderzusammenstellung.

          Nun aber steht das Team und die ersten Bewährungsproben sind nicht mehr weit entfernt: In knapp zwei Wochen geht es nach Polen zum Weltcup, am 8. Juli folgt bereits der nächste Weltcup in Luzern und im August ein Heimauftritt bei den European Championships in München. Dort wird sich zeigen, ob für den Deutschland-Achter sportlich schon die Sonne scheint oder er noch im Regen steht.

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