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Deutschland-Achter bei EM : Schuss ins Schwarze

Souverän gewonnen: der Deutschland-Achter bei der EM Bild: dpa

Der Deutschland-Achter rudert bei der Europameisterschaft in Posen eindrucksvoll zum Titel. Das jedoch bleibt die einzige Goldmedaille. Besonders Oliver Zeidler ist am Ende enttäuscht.

          2 Min.

          Siegerehrungen haben eine traurige Komponente in diesen exzeptionellen Monaten. In Posen, am Rande des Maltasees, standen die Ruderer ganz allein auf dem Steg, um gefeiert zu werden. Die Medaillen, die sie bei den Europameisterschaften gewonnen hatten, mussten sie einander selbst umhängen. Und sie mussten einander auch gegenseitig gratulieren, weil keiner der üblichen Honoratioren erscheinen durfte, um sie zu ehren. Im Fall des Deutschland-Achters übernahm Martin Sauer die Rolle des höchsten Funktionärs und verteilte das Gold. Schließlich trat Schlagmann Hannes Ocik aus der Reihe, schüttelte dem Steuermann die Hand und überreichte auch ihm seine Trophäe. Erst jetzt, da sie fehlen, offenbart sich der wahre Wert der gewohnten Rituale.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Haben die Achter-Ruderer gelächelt? Masken bedeckten ihre Gesichter, die auf dem kompletten Regattagelände getragen werden mussten. Man sah nicht, ob sie erschöpft aussahen oder fröhlich. Oder gar erleichtert nach diesem Titelgewinn in Polen, bei der einzigen Regatta über die olympische 2000-Meter-Distanz, die das Coronavirus den Ruderern in diesem Jahr gelassen hat. Zum achten Mal nacheinander wurde das deutsche Großboot am Sonntag Europameister. Einen solchen Stellenwert hatte eine Europameisterschaft noch nie.

          Zweiter Platz für Frauen-Achter

          „Ein Schuss ins Blaue“, hatten sie vorher gesagt, sei dieser Titelkampf, weil nach den langen Monaten, in denen es extrem schwer geworden war, sich aufs Training zu fokussieren, niemand so genau wusste, wie er im internationalen Vergleich steht. Es wurde ein Treffer ins Schwarze. Der Deutschland-Achter führte vom Start weg deutlich, nach einem souveränen Rennen kam er eine halbe Bootslänge vor den zweitplazierten Rumänen ins Ziel. Der Weltmeisterschaftszweite aus den Niederlanden, von den Deutschen eigentlich als stärkster Gegner eingeschätzt, wurde in der zweiten Rennhälfte von Rumänien abgefangen und gewann Bronze. Was nichts daran ändert, dass die Niederländer mit sechs Titeln in 14 olympischen Bootsklassen die dominante Mannschaft dieser Europameisterschaft waren.

          Für den Deutschen Ruderverband brachte der Achter-Sieg die einzige Goldmedaille. Zweite Plätze erkämpfte sich in einem Feld mit nur vier Booten der Frauen-Achter. Außerdem zwei Boote, die als Titelverteidiger am Start waren: der Frauen-Doppelvierer mit Schlagfrau Franziska Kampmann und der Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer mit dem angehenden Radprofi Jason Osborne und Jonathan Rommelmann.

          Enttäuscht musste Weltmeister und Titelverteidiger Oliver Zeidler von dannen ziehen. Zum ersten Mal, seit er vor vier Jahren vom Schwimmen ins Ruderfach gewechselt ist, zeigt seine Leistungskurve nach unten. Der Ingolstädter gab im Finale zwar alles, setzte sich früh ab, führte zwischendurch mit mehr als einer Länge Vorsprung, doch im Finish konnte er den Angriffen der Konkurrenz nicht widerstehen. Erst zog der Däne Sverri Nielsen an ihm vorbei, dann der Pole Natan Wegrzycki-Szymczyk. Und schließlich wurde nach der Auswertung des Zielfotos auch noch der Norweger Kjetil Borch vor Zeidler auf den dritten Platz gesetzt. Schon im umkämpften Halbfinale hatte Zeidler sich mit knapper Not mit Platz drei ins Finale gerettet. Auch dieses Rennen gewann bereits Nielsen. „Ich hab ein bisschen die Corona-Krise und bin nicht bei 100 Prozent“, sagte er. Kein Wunder. Als Einer-Ruderer hat er keine Mannschaft um sich, an der er sich in der langen Wettkampfpause hätte orientieren können, wie das dem Achter am Stützpunkt in Dortmund möglich war.

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