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Deutsches Volleyball-Team : Nur die Medaille zählt

Blick nach oben: Lukas Kampa führt auch bei dieser Europameisterschaft im Team von Bundestrainer Andrea Giani wieder die Regie am Netz. Bild: Imago

Spielmacher Lukas Kampa und das Volleyball-Nationalteam haben sich für die EM hohe Ziele gesetzt. Besser sein als beim vergangenen Turnier ist die Devise. Damals waren sie Zweite.

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          Mit falscher Bescheidenheit vor einem großen Turnier verschwendet Lukas Kampa keine Zeit mehr: „Ich habe keine anderen Ziele als eine Medaille“, sagt der Kapitän des deutschen Volleyball-Nationalteams vor der Europameisterschaft, die für das deutsche Team an diesem Freitag mit dem Spiel gegen Serbien (15 Uhr) in Brüssel beginnt. Es ist die Neuauflage des EM-Halbfinales von 2017. Seinerzeit gewann Deutschland in Krakau mit 3:2-Sätzen, wurde dann nach einer 2:3-Finalniederlage gegen Russland Zweiter.

          „Wir kommen von der Silbermedaille, da können wir nicht das Erreichen des Viertelfinales als Ziel ausgeben“, sagt Kampa und zieht eine gedankliche Linie zwischen 2017 und heute. Ein dezentes „in meinem Alter“ schiebt er bei seiner Ziel-Formulierung noch hinterher, doch das ändert nichts an der Klarheit der Aussage. „Den Druck will ich haben“, sagt der Kopf des Teams vor seiner fünften EM. Der in Bochum geborene, aber längst in den europäischen Topligen in Russland, Italien und Polen gestählte Zuspieler ist mittlerweile 32 Jahre alt und vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Vater geworden. Mit Nebensächlichkeiten wie der reinen Freude am Dabeisein bei einem großen Turnier hält er sich nicht mehr auf.

          Nach Ansicht von Bundestrainer Andrea Giani gehört Deutschland zu einem von acht Teams, die Chancen auf den Titel haben. Mit seiner Mannschaft glaubt er den Zenit des Leistungsvermögens noch nicht erreicht zu haben. „Die Reise ist noch nicht zu Ende“, sagt der Italiener, der einst als bester Spieler der Welt galt, mehrmals Welt- und Europameister wurde und nach 474 Länderspielen nicht nur in die „Volleyball Hall of Fame“ aufgenommen wurde, sondern auch mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik ausgezeichnet wurde.

          Als Trainer des deutschen Nationalteams würde es ihm schon reichen, an den Olympischen Spiele 2020 teilnehmen zu dürfen. Um am Reiseziel Tokio anzukommen, muss Deutschland freilich so etwas wie Europameister werden, allerdings nicht bei der nun anstehenden EM, sondern bei einer zusätzlich ausgespielten Qualifikationsrunde im Januar in Berlin. An dieser „Quasi-EM“ dürfen die acht besten europäischen Teams teilnehmen. Nur Weltmeister Polen, Russland sowie Italien sind von der zusätzlichen Tortur befreit, denn diese drei Teams haben sich bei interkontinentalen Qualifikations-Turnieren im August ihre Startberechtigungen gesichert. Der kommende Europameister wird dagegen kein Olympia-Platz bekommen, eine Tatsache, die Giani mit dem Wort „unglaublich“ kommentiert, was für den höflichen 49-Jährigen schon ein hohes Maß an Missbilligung ausdrückt.

          Die permanente Überlastung der Spitzenspieler wird auch im Volleyball immer wieder wortreich beklagt, das hindert den internationalen Verband allerdings nicht, sich immer neue Turnierformen auszudenken, die Terminpläne weiter zu verdichten und die Teilnehmerfelder zu vergrößern. Dass die 2019er Europameisterschaft zum ersten Mal mit 24 Nationen in vier Ländern ausgetragen wird, dient möglicherweise der Buntheit, aber wohl kaum der Qualität des Gebotenen. Nach einer Vorrunde mit vier Sechsergruppen qualifizieren sich 16 Teams für das K.o.-System. Weil den vier Gastgebernationen Belgien, Holland, Slowenien und Frankreich aber Heimrecht im Achtelfinale zugesichert wurde, wird das K.o-System nicht nach dem simplen Überkreuzsystem ausgespielt, sondern noch „angepasst“. Eine Regel, die nicht nur Giani als „seltsam“ bezeichnet, da es offenbar „nicht reicht, nur die Spiele zu gewinnen“, um einen guten Weg durchs Turnier zu finden.

          Der Riesenanführer: Georg Grozer hat das Potential, eine Mannschaft zu verändern

          Anstrengend wird das Turnier so oder so, denn wer den Titel gewinnen will, muss neun Partien binnen 17 Tagen durchstehen, und dazu noch die Reisen zwischen den Gastgeberländern bewältigen. Lukas Kampa bekennt, kein Fan dieses Formats zu sein: „Eine simple Turnier-Struktur ist mir am liebsten.“ Doch da die Spieler nicht gefragt wurden, konzentriert er sich lieber auf das Naheliegende: erfolgreich spielen.

          Giani kündigte bereits an, seinen Topspielern in den weiteren Vorrundenpartien gegen Belgien, Österreich, die Slowakei und Spanien Auszeiten zu gewähren, damit ihre Kräfte bis zum Finale in Paris reichen. Zwölf der 14 Spieler des Erfolgsteams von 2017 sind noch oder wieder dabei, darunter Georg Grozer, der nach einer Auszeit ins Team zurückkehrte. Grozers Anwesenheit gehört zu den wichtigen Argumenten, um das Medaillenziel zu untermauern. „Er hat das Potential, die Art einer Mannschaft zu verändern“, sagt Giani über den „Riesenanführer.“ Und auch Kampa ist froh, dass sein alter Weggefährte wieder mitspielt, schließlich ist der schon 35 Jahre alt und hat auch keine Zeit mehr zu verschwenden.

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