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Volleyball-EM : Ziemlich liebste Gegner

Rechtzeitig wieder überragend: Deutschlands Diagonalangreifer Georg Grozer (r.) Bild: dpa

Die deutschen Volleyballer treffen im EM-Viertelfinale auf Weltmeister Polen – und ihren ehemaligen Trainer. Der erwartet bei aller Liebe zu seinen früheren Jungs eine „große Schlacht“.

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          Die Wiedersehensfreude vor dem EM-Viertelfinale ist groß und scheint nicht gespielt – doch zumindest eine Partei muss als Verlierer aus dem Volleyball-Match mit besonderer Brisanz hervorgehen. Die deutsche Nationalmannschaft trifft nach ihrem überzeugenden 3:1-Erfolg im Achtelfinale von Apeldoorn über Ko-Gastgeber Niederlande nun an diesem Montag an gleicher Stelle auf Weltmeister Polen – und damit auf die Mannschaft ihres ehemaligen Erfolgstrainers Vital Heynen, mit dem sie 2014 WM-Bronze gewann.

          Zuspieler und Kapitän Lukas Kampa, der damals schon die Strippen im deutschen Team zog und seitdem in Polen sein Geld verdient, freut sich auf das Kräftemessen und sieht neben dem Einzug in die Medaillenrunde gleich mehrere Extra-Anreize: Es gelte natürlich, „unseren Ex-Trainer zu besiegen“. Doch das größte private Vergnügen würde für ihn sein, nach seiner Rückkehr in den polnischen Alltag „mit einem Lächeln durchs Land laufen zu können“.

          Der bisherige Turnierverlauf spricht allerdings eher nicht dafür, dass Kampa nach dem Spiel noch viel zu lachen hat, denn schließlich sind die Polen mit bislang sechs Siegen in sechs Spielen bei 18:1 Sätzen geradezu durchs Turnier geflogen. Bundestrainer Andrea Giani fand eine interessante Metapher dafür: „Polen ist die Business Class im Volleyball. Wir müssen es schaffen, mit Business Class zu fliegen“, sagte der Italiener, dessen Team bislang eher in der „Holzklasse“ durchs Turnier rumpelte. Sie mussten schon drei Niederlagen hinnehmen, darunter als negativer Höhepunkt gegen Außenseiter Spanien.

          Nur dank des fragwürdigen Turniermodus mit vier Sechsergruppen, von denen jeweils die ersten vier Teams weiterkamen, blieben sie im Wettbewerb. Doch das Schöne an K.-o.-Spielen ist nun mal, dass sie bei null beginnen. „Im Volleyball ist alles machbar“, behauptet deshalb auch Georg Grozer mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein vor dem Viertelfinale. Der erfahrene und durchschlagkräftige Diagonalangreifer ist seit Jahren der kongeniale Abnehmer von Kampas Zuspielen, und nach verletzungsbedingt mühsamer Vorrunde nähert er sich rechtzeitig zur entscheidenden Turnierphase auch wieder seiner Bestform. Beim hart erkämpften Vier-Satz-Sieg (25:17, 25:22, 30:32, 25:23) gegen die Niederlande war er mit zwanzig Punkten endlich mal wieder herausragender deutscher Angreifer.

          „In dem Moment, wo ich bemerkt habe, dass wir als Mannschaft funktionieren, habe ich keine Zweifel gehabt, dass wir das Spiel gewinnen“, sagte der 34-Jährige danach. Damit hatte offenbar eine Maßnahme Wirkung gezeigt, die sich die Spieler überlegt hatten. Jeder einzelne sollte nach der Spanien-Pleite darüber nachdenken, was schiefgelaufen war und wie es besser werden könnte, hatte Grozer im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Danach habe man sich zusammengesetzt, die Gedanken nicht nur sortiert, sondern auch ausgesprochen und sich als Team quasi neu erfunden.

          Erwartet eine „große Schlacht“: Polens Nationaltrainer Vital Heynen

          Um gegen den Weltmeister zu bestehen, wird allerdings eine weitere Steigerung nötig sein. „Polen ist auf allen Positionen doppelt auf Weltklasse-Niveau besetzt“, sagt Kampa. Als Maßnahme gegen die starken Angreifer auf allen Positionen müsse man mit Raffinesse und Spielintelligenz Situationen kreieren, bei denen der Ball so oft wie möglich weit entfernt vom Netz ist, um den Angriffen die Schärfe zu nehmen.

          Heynen wiederum gibt nicht viel auf die schwachen Vorleistungen der Deutschen, sondern erwartet, dass seine ehemaligen Spieler, vor allem Kampa und Grozer, hochmotiviert sein werden. Und spricht voller Wärme von ihnen: „Natürlich sind sie immer noch mein Team. Das kann man nicht einfach ablegen“, sagte der Belgier in einem polnischen Nachrichtensender. Sein Wirken als deutscher Nationaltrainer bezeichnete er als „menschlich schönste Zeit“. Gleichwohl prophezeit er für das Viertelfinale eine „große Schlacht“.

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