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Basketball-EM : Nun soll es Bronze sein

Enttäuschung im Moment der Halbfinal-Niederlage Bild: dpa

Nach dem verlorenen Halbfinale gegen Spanien geht der Blick des deutschen Basketball-Teams voraus auf das Spiel um Platz 3. Unterstützung kommt von Nowitzki. Und Neuigkeiten gibt es zu Schröder.

          3 Min.

          Lob mochten die deutschen Basketball-Profis nicht hören nach ihrer Niederlage. „Die Deutschen sind ein faszinierendes Team“, kommentierte Trainer Sergio Scariolo nach dem 96:91 seiner spanischen Auswahl im Halbfinale: „Ein großartiger Gegner.“ Lorenzo Brown, amerikanischer Spielmacher der spanischen Nationalmannschaft, gab sich noch Minuten nach der Partie beeindruckt: „Es war eine faszinierende Energie in der Halle. Und Schröder hat unglaublich gespielt.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der mit 30 Punkten und 6 Assists überragende Dennis Schröder und seine Mannschaftskameraden wussten nur zu gut, dass sie die große Chance auf das Endspiel um den Gewinn der Europameisterschaft am Sonntag in Berlin in der Hand hatten und verspielten. Dort spielen am Sonntagabend die Spanier gegen Frankreich, die Mannschaft, die das deutsche Team im ersten Vorrundenspiel der Europameisterschaft in Köln besiegte. „Wir haben alles gegeben, wir hatten die Option, das Spiel zu gewinnen“, sagte Schröder.

          „Wir haben uns ein Loch gegraben“

          Mit acht Punkten führte sein Team kurz vor dem letzten Viertel (71:63), doch dann mussten die 14.000 Zuschauer mit ansehen, wie passierte, was Bundestrainer Gordon Herbert so beschrieb: „Wir haben uns ein Loch gegraben.“ 31 Punkte machten in den abschließenden zehn Minuten die Spanier, deren erfolgreichste Brown mit 29 Punkten sowie die Brüder Willy und Juancho Hernangomez mit 16 und 13 Punkten waren. Lediglich zwanzig gelangen den Deutschen; zu 17 Fehlwürfen aus den ersten drei Vierteln kamen allein in den letzten zehn Minuten 18 weitere (bei 33 Treffern, 49 Prozent).

          Bundestrainer Gordon Herbert über das vierte Viertel: „Wir haben uns ein Loch gegraben.“
          Bundestrainer Gordon Herbert über das vierte Viertel: „Wir haben uns ein Loch gegraben.“ : Bild: AFP

          Schröder wurde von zwei oder gar drei Verteidigern bedrängt. „Wenn mehrere Spieler auf mich drauf sind, dann müssen natürlich die anderen was machen“, kommentierte Schröder: „Im Endeffekt haben die Spanier mich gut verteidigt und mich langsamer gemacht. Aber dafür haben wir so viel Qualität in der Mannschaft, dass jeder etwas machen kann.“

          Die Qualität ist offensichtlich. Sobald zu den NBA-Profis Schröder, Franz Wagner (15 Punkte) und Daniel Theis (10), zu den Euroleague-Spielern Andreas Obst (15), Maodo Lo (9), Johannes Thiemann (6) und Johannes Voigtmann (2) die derzeit verletzten Moritz Wagner und Isaac Bonga zurückkehren, werden die Aussichten auf ein erfolgreiches Abschneiden bei der Weltmeisterschaft 2023 und den Olympischen Spielen von Paris 2024 vielversprechend.

          Doch daran mochte am Freitagabend keiner der Spieler denken, obwohl sie sich gegenseitig versprochen haben, für diese Kampagne zusammen zu bleiben. „Natürlich wollten wir das Spiel heute gewinnen“, sagte Schröder: „Ich als Kapitän und die Jungs wollen eine Medaille holen. Wir würden Geschichte schreiben. Das ist Motivation für alle.“

          Am Sonntag steht die dritte Europameisterschaftsmedaille für die deutsche Mannschaft auf dem Spiel. Vor 31 Jahren, 1993, wurde Deutschland als Gastgeber des Turniers Europameister, vor 17 Jahren, 2005 in Belgrad, erreichte das Team um Dirk Nowitzki das Endspiel. „Kopf nicht hängen lassen, Jungs! Holt Euch Bronze!“, schrieb Nowitzki auf Twitter.

          Um Platz drei, um den angestrebten Platz auf dem Podium und die Bronzemedaille wird die Nationalmannschaft am Sonntag (17:15 Uhr, übertragen von MagentaSport und RTL) gegen die Auswahl von Polen spielen. Das Team um Aufbauspieler Mateusz Ponitka kam am Freitagabend in der Partie gegen Frankreich unter die Räder. Zwei Tage nach dem Überraschungssieg über Europameister Slowenien mit Luka Doncic erzielten die Polen lediglich 54 Punkte – 31 weniger als die Franzosen. „Die werden auch motiviert kommen und eine Medaille abgreifen wollen ", kommentierte Andreas Obst; man dürfe die Mannschaft nicht unterschätzen. „Gegen Polen haben wir in der WM-Qualifikation zwei Mal gewonnen“, erinnerte Herbert: „Die Entscheidung fiel beide Male in letzter Minute.“

          Optimistisch gab sich Schröder. „Die Leute haben gesagt, dass wir nicht mal die Vorrunde überstehen. Wir hatten eine sehr, sehr toughe Runde und haben das überstanden“, sagte er: „Mit diesen Jungs in der Kabine nehme ich jeden Gegner. Ich liebe die Jungs, wir haben alles gegeben.“

          Mit hängendem Kopf ging Franz Wagner in die Kabine. „Ich bin sehr enttäuscht. Wir hätten das heute besser gestalten können als Team“, sagte er: „Aber das gehört dazu. Das müssen wir abhaken. Wir können immer noch eine Medaille holen. Insofern freue ich mich auf Sonntag.“ Und auch bei Johannes Thiemann zeigte sich so etwas wie Optimismus. „Heute tut’s weh. Wir hätten sie schlagen können. Aber der Traum von der Medaille lebt immer noch“, sagte er: „Ab morgen werden wir uns fokussieren.“

          Schröder zurück zu den Lakers

          Noch in der Nacht wurde unterdessen bekannt, dass Schröder sich mit den Los Angeles Lakers auf einen Vertrag für die kommende Saison geeinigt hat. „Wir freuen uns sehr, Dennis Schröder wieder bei den Lakers begrüßen zu dürfen“, sagte Vizepräsident Rob Pelinka am späten Freitagabend (Ortszeit) laut Vereinsmitteilung. Einzelheiten des Vertrags wurden nicht veröffentlicht. Medienangaben zufolge soll es sich um einen Einjahres-Vertrag handeln, der mit 2,64 Millionen Dollar dotiert ist. Das berichtete unter anderem ESPN unter Berufung Schröders Agenten.

          Schröder spielte 2020/21 bereits bei den Lakers und wird nun zurück an die Seite von Superstar LeBron James kehren. „Es ist eine Ehre, für die @Lakers zu spielen. Kann es kaum erwarten, anzufangen!“, schrieb Schröder auf Instagram. Im vergangenen Jahr hatte der Aufbauspieler eine mit 84 Millionen Dollar dotierte Verlängerung seines Vertrages mit den Lakers um vier Jahre abgelehnt und in der Folge in Boston und Houston gespielt. Das letzte Jahr habe sich nicht richtig angefühlt, schrieb Schröder nun. Er habe sich missverstanden gefühlt und niemand habe die Geschichte wirklich gekannt. Er komme nun zurück zur größten Organisation, um alles richtig zu machen. „Ich werde alles geben, was ich habe, jeden einzelnen Tag!!“

          Gute Quote beim Halbfinale

          Die deutschen Basketballer haben RTL bei ihrem EM-Halbfinale gegen Spanien abermals eine starke TV-Quote beschert. Bis zu 4,15 Millionen Zuschauer verfolgten die 91:96-Niederlage gegen den Weltmeister am Freitag, wie der Sender mitteilte. Im Schnitt schalteten 3,02 Millionen ein, der Marktanteil lag bei 11,9 Prozent. (sid)

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