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Deutsches Hockey-Debakel : Ganz schlechte Zahlen

  • -Aktualisiert am

Vergeblicher Einsatz: Deutschlands Mats Grambusch müht sich gegen Belgien Bild: Picture-Alliance

Das Schöne an einer Randsportart wie Hockey ist, dass sich die Aufregung selbst nach einer 0:8-Schlappe in Grenzen hält. Doch die geringe Zahl an Augenzeugen sollte die Verantwortlichen nachdenklich stimmen.

          Über welche Zahlenkombination die Hockeyspieler erschrockener waren am Mittwochabend, hing davon ab, wie sie die Dinge betrachteten: sportlich oder wirtschaftlich. Niederschmetternd wirkte das Ergebnis aus jeder Perspektive. Denn zum einen ging das Heimspiel in der neu geschaffenen Pro League gegen Weltmeister Belgien 0:8 (sicherheitshalber in Worten: null zu acht) verloren – die höchste Niederlage einer deutschen Herren-Nationalmannschaft seit dem 9. November 1913, dem 1:9 gegen England. Und es war auch kein Trost, dass es nur wenige Augenzeugen gab. Die vom Welt-Hockeyverband (FIH) mit viel Marketinggetöse angekündigte und für die Veranstalter mit vielen Auflagen verbundene Pro League, die das weltweite Interesse an Hockey ankurbeln soll, zündet noch nicht wie gewünscht: In Krefeld waren 689 Zuschauer beim Desaster auf dem Spielfeld dabei.

          Auch aus einem Spiel, das sich niemand so recht erklären konnte, müsse und könne man lernen, sagte Bundestrainer Stefan Kermas – und das trifft für beide Seiten zu. Das Unheil kam so unverhofft wie ein plötzlicher Wolkenbruch über die deutsche Mannschaft – die vergangenen fünf Spiele in der Pro League waren gewonnen worden, darunter auch das Hinspiel in Belgien nach Penaltyschießen. Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel kam es nach dem Führungstreffer des Weltmeisters allerdings zu einer sehr unangenehmen Entwicklung: Den Deutschen gelang nichts mehr, den Belgiern alles. Dazu gehörte auch die taktische Variante des Bundestrainers, nach dem 0:4 seinen Torhüter gegen einen zusätzlichen Feldspieler zu tauschen. Auch in Überzahl änderte sich nichts an der deutschen Fehlerquote – nach dem 0:6 machte Kermas diesen Schritt rückgängig.

          Das Schöne an Randsportarten ist, dass sich die Aufregung selbst nach einer solchen Niederlage in Grenzen hält. So wie das deutsche Team muss aber auch die FIH Lehren aus dem ersten Jahr Pro League ziehen. Überzogene Forderungen etwa führten dazu, dass in Deutschland, das über keine echten Hockeystadien verfügt, nur in der für die WM 2006 errichteten Arena in Mönchengladbach und im 25 Kilometer entfernten Krefeld, wo gerade die deutsche Endrunde stattgefunden hatte und deshalb noch eine große Tribüne aufgebaut war, gespielt wurde.

          Die Übersättigung an Spitzenhockey war dort deshalb absehbar – in Frankfurt etwa schauten bei einem U-21-Testspiel kürzlich mehr als 1000 Besucher zu. Die FIH sollte bei ihren Ansprüchen einen Schritt zurückgehen, um zwei vorwärtszukommen. Für das deutsche Team gilt das nicht: Am Sonntag wartet Australien im letzten Heimspiel, im August die Europameisterschaft in Antwerpen. Belgien spielt allerdings in der anderen Gruppe.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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