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Deutsches Galopp-Derby : Vier Eisen im Feuer von Henk Grewe

Wettrennen zu Pferde: In Hamburg steht der Saisonhöhepunkt an. Bild: dpa

Galopper-Trainer Henk Grewe greift beim Deutschen Derby in Hamburg mit mehreren Pferden und Erfolgsreitern an. Für die Zukunft seines notleidenden Sports hofft er auf mehr Wetten.

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          Wonderful Moon – was für ein poetischer Name. Schon der Gedanke an ein Pferd in romantischer Mondnacht könnte empfindsame Wetter dazu bewegen, an diesem Sonntag beim 151. Deutschen Derby in Hamburg (live auf Sport1) ein kleines Sümmchen auf den Hengst zu setzen. Aber das ist nicht der alleinige Grund, warum er auf der Favoritenliste ganz oben steht. Die meisten Glücksritter schauen sich penibel die Vorleistungen der Rennpferde an, bevor sie ihre Wette via Smartphone plazieren, und da hat Wonderful Moon unter anderem als Sieger des Kölner Union-Rennens, eines wichtigen Derby-Tests, einen guten Klang.Dazu ist sein Vater Sea The Moon der Derby-Sieger von 2014.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Außerdem kommt er aus dem Stall von Henk Grewe, dem Champion-Trainer 2019, der in diesem Jahr schon mehr als doppelt so viel Preisgeld gewonnen hat wie die nächste Konkurrenz. Und zudem hat sich Grewes Stalljockey Andrasch Starke, der unter vier Pferden wählen konnte, für Wonderful Moon entschieden. Starke ist der erfahrenste und erfolgreichste Derby-Reiter im Feld. Er hat diesen Zucht-Klassiker schon siebenmal gewonnen, kennt die Bahn in Hamburg-Horn wie seine Westentasche und weiß genau, wann er sich wohin bewegen muss, um das Optimum herauszuholen.

          Aber auf dem Papier werden Pferderennen nicht gewonnen, wie gerade die Experten unter den Wettern aus leidvoller Erfahrung wissen. Die Konkurrenz schläft nicht. Hoch eingeschätzt wird auch der Hengst Dicaprio, Wonderful Moonsgv Stallkollege. Der zweite Mann im Stall Grewe, der Franzosen Clément Lecoeuvre, hat sich für ihn entschieden. Ein Stück dahinter rangieren der Schimmel Adrian – noch nie hat ein Schimmel das Derby gewonnen, es wäre langsam Zeit – und Only the Brave. Vier Eisen also hat der Stall Grewe im Feuer, man könnte sagen, der Kölner lässt Attacke reiten.

          Hofft auf mehr Wetten: Trainer Henk Grewe

          „Die Anspannung ist groß“, sagt Grewe: „Das ist ein großes Rennen, das jeder gewinnen will. Und wir haben es noch nie gewonnen.“ Mit seinem ersten Derby-Sieg würde er gerne seinen erfolgreichen Aufstieg in die deutsche Spitze krönen – sein Unternehmen gibt es erst seit sechs Jahren. Und seine Kasse aufbessern: 390 000 von den insgesamt 650 000 Euro Preisgeld gibt es für den Sieger, der Trainer erhält zehn Prozent. Zwölf Pferde hat Grewe vergangenen Oktober für das Derby genannt, vier sind gesund und stark genug, um am Sonntag dabei zu sein. Auch das zeigt: Der Mann will’s wissen.

          „Es müsste mehr gewettet werden“

          In die Vorfreude und die Spannung mischt sich aber auch bei Grewe angesichts der aktuellen Lage die Sorge. „Um meinen Stall mache ich mir die nächsten zwei, drei Jahre eigentlich keinen großen Kopf. Eher um die komplette Branche“, sagt er. Der Galopprennsport hat hierzulande schon seit längerem dramatisch an Anziehungskraft verloren. Der Ausschluss von Zuschauern wegen der Corona-Krise führt dazu, dass Renn-Sponsoren aussteigen, weil sie ihre Kunden nicht mehr auf die Tribüne einladen können.

          „Es müsste viel mehr gewettet werden“, sagt Grewe. „Und dieser spannende und beeindruckende Sport braucht viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit.“ Sollte sich die Lage in Deutschland in den nächsten Jahren nicht bessern, sieht er seine Chancen, vorwärtszukommen, darum im Ausland. Hongkong vielleicht oder Australien, wo im Rennsport viel mehr Geld umgesetzt wird als hier. „Ich bin 37 Jahre alt und weit von der Rente weg“, sagt er. „Und ich habe noch nicht ausgesorgt.“

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