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Hoeneß und der Basketball : Warum künftig ein Bayern-Alleingang droht

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Großer Förderer des Basketballs beim FC Bayern: Vereinspräsident Uli Hoeneß Bild: dpa

Berlin und München sind dem Rest der Liga enteilt – und stehen sich verdientermaßen im Playoff-Finale gegenüber. Doch bald schon könnten die Kräfteverhältnisse noch mehr verschieben.

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          Keine Frage: Das an diesem Sonntag (18.00 Uhr live auf magenta sport) beginnende Titelduell in der Basketball-Bundesliga zwischen Bayern München und Alba Berlin ist ein Traumfinale. Seit dem Ende der Bamberger Meisterschaftsära 2017 haben sich diese beiden Klubs als die unumstrittenen Platzhirsche etabliert. Zudem sind beide Finalisten bislang ungeschlagen durch die Play-off-Runden spaziert, was ihre Dominanz unterstreicht, obwohl Experten zumindest den vom dritten Hauptrunden-Platz gestarteten Berlinern im Halbfinale gegen Oldenburg mehr Schwierigkeiten prognostiziert hatten. Letztlich bestreiten nun die beiden Mannschaften, die die mit Abstand höchsten internationalen Belastungen hinter sich haben, die anstehende Finalserie.

          Einerseits dienten die europäischen Wettbewerbe als Stahlbad, um sich Wettkampfhärte für den Saisonabschluss zu holen. Andererseits war dieses Pensum aber auch nur zu leisten, weil die Tiefe der Kader die bisherigen 72 (München) beziehungsweise 68 (Berlin) Pflichtspiele zuließ. In der nächsten Spielzeit dürften es noch mehr werden. Beide Teams haben bereits ihre Teilnahmeberechtigung für die Euroleague in der Tasche. 2019/2020 wird die Königsklasse erstmals 18 Klubs umfassen, so dass München und Berlin ohne Pokalwettbewerb und Play-off-Runden schon 68 Partien absolvieren müssen.

          Eine bereits begonnene Entwicklung

          Dieser Umstand beschleunigt die bereits begonnene Entwicklung. Die beiden besten Teams benötigen qualitativ und quantitativ weitere Verstärkungen, was wiederum die entsprechenden materiellen Mittel voraussetzt. Aber mit der Euroleague als Zugpferd ist sowohl eine Aufstockung des Etats möglich als auch eine sportliche Grundlage gegeben, um Topspieler zu binden. Den Bayern soll für die nächste Saison ein Etat von 25 bis 30 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit könnten die Münchner die Play-off-Runde im besten europäischen Vereinswettbewerb erreichen. Berlin dürfte von solchen Beträgen ein gutes Stück weit entfernt sein.

          Aber in dieser Woche gelang es den Verantwortlichen, Luke Sikma für vier weitere Jahre an den Verein zu binden. Der Schlüsselspieler hatte nach seinen Auszeichnungen als wertvollster Spieler der Bundesliga (2018) und wertvollster Akteur im Eurocup (2019) hochdotierte Angebote europäischer Spitzenklubs vorliegen. Sein langfristiger Verbleib in Berlin ist ein klares Signal und spricht dafür, dass auch dort der Etat gesund wächst.

          Umkämpftes Duell: Berlins Luke Sikma (links) und Bayerns Derrick Williams im BBL-Pokal-Viertelfinale im Dezember 2018

          Diese Entwicklung wird von der Mehrheit der Bundesligavereine kritisch gesehen. Es wird befürchtet, dass die Schere materiell und sportlich immer weiter auseinandergeht. München und Berlin fordern schon seit Jahren eine Verkleinerung der Bundesliga, um die Belastungen ihrer Spieler zu reduzieren. Die Mehrheit der Vereine hat diese Bestrebungen bislang erfolgreich abgewehrt. Letztlich könnte der Saisonverlauf 2018/2019 eine Blaupause für die nähere Zukunft sein. Die Euroleague-Teilnehmer lassen in der Hauptrunde aufgrund ihres immensen Programms punktuell Federn, sind aber in den Play-off-Runden aufgrund ihrer extremen personellen Tiefe und der im qualitativ hochwertigen internationalen Wettbewerb gemachten Erfahrungen unantastbar. Spannung birgt dann nur noch das direkte Duell der Besten.

          Aber auch das könnte fraglich sein. Während die Berliner sich über die Rückkehr in der Euroleague freuen, geht es für die Bayern um mehr als nur das Dabeisein. Mittelfristig könnten die Münchner angesichts der Möglichkeiten, die sich ihnen eröffnen, das Final Four anstreben. Es besteht die Gefahr, dass nicht nur die Diskrepanz zum Rest der Liga wächst, sondern auch zwischen den beiden Hauptdarstellern. Manche Beobachter glauben, dass die Berliner deshalb in diesem Jahr ihre letzte Meisterschaftschance für absehbare Zeit vor Augen haben.

          Seit vor zwei Jahren die spanische Trainer-Legende Aíto García Reneses bei Alba übernahm, haben die Berliner enorm attraktiven Basketball präsentiert, aber noch keinen Titel gewonnen. Viermal erreichte man ein Finale, viermal unterlag man. 2018 zog Berlin sowohl im Pokal als auch in der Meisterschaft gegen München den Kürzeren. Entsprechend nachvollziehbar ist es, wenn der Kapitän Niels Giffey formuliert, dass es „ein krasser Wunsch“ sei, die Meisterschaft zu gewinnen. Damit verbunden wäre die Revanche für die Niederlagen des Vorjahres und die Ansage, dass im deutschen Basketball in den nächsten Jahren doch eine Doppelspitze möglich sein könnte.

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