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Populärer „E-Sport“ : Segler auf der Suche nach dem großen Gaming-Glück

Auf dem Sofa zum erfolgreichen Skipper werden? Mit „E-Segeln“ soll das künftig möglich sein. Bild: Screenshot Youtube

Immer mehr Sportarten suchen ihr Glück im Gaming: Nach Fußball und Basketball soll nun Segeln als „E-Sport“ populär werden. Gibt es bald auch digitale Tour-de-France-Etappen oder Golfrunden beim Ryder Cup?

          Je nachdem, ob man das Segeln mag oder nicht, verbindet man mit dem Sport etwa reiche Unternehmer oder Rentner, die, ganz in weiß gekleidet und etwas hochnäsig, ihre Jolle über Starnberger See oder Mittelmeer steuern. Oder aber waghalsige Männer und Frauen, die Wind und Wetter trotzen und ihre Boote in spektakulären Rennen über die Ozeane jagen und über das Wasser fliegen lassen. Dass aber auch das Drücken weniger Tasten reichen kann, um sich auf dem heimischen Sofa wie ein erfolgreicher Skipper fühlen und Preisgelder einstreichen zu können, ist für viele ein neuer Aspekt im Segelsport.

          Erst kürzlich kündigte der Deutsche Segler-Verband (DSV) an, sich künftig in der virtuellen Segel-Welt engagieren und erstmals eine Deutsche Meisterschaft im „E-Segeln“ ausrichten zu wollen. Eingebettet in die Qualifikation zur „E-Sailing“-Weltmeisterschaft, die im September auf Bermuda stattfinden soll, sucht der DSV nun jene Menschen, die ihr Boot vom PC oder Tablet am schnellsten in einer Bucht um die Bojen oder quer über den Atlantik steuern – ohne dabei Wind zu spüren, Wellen zu fühlen und Seeluft zu atmen.

          Großes Zuschauerinteresse, riesige Werbeeinnahmen

          Der DSV greift damit eigenen Worten zufolge ein „Trendthema“ auf und schließt sich dem Bestreben des Weltsegelverbandes an, gemeinsam mit einem Spielebetreiber den Segelsport auch in der digitalen Welt populärer zu machen. Nach Angaben des Herstellers sind derzeit weltweit mehr als 175.000 Menschen in dem Spiel aktiv, zudem gibt es einen eigenen Streaming-Kanal, auf dem virtuelle Regatten in Echtzeit über das Internet verfolgt werden können.

          Der DSV folgt damit dem Beispiel zahlreicher anderer deutscher Sportverbände, Vereine und Agenturen, die das Potential des sogenannten „E-Sports“ schon seit längerer Zeit ausschöpfen wollen: Vor allem im Fußball und Basketball ist hierzulande angesichts des großen Zuschauerinteresses und damit verbundenen Werbeeinnahmen die Ablehnung gegenüber dem Gaming auf ein Minimum gesunken. Mehr als die Hälfte aller Profiklubs der ersten und zweiten Bundesliga haben bereits digitale Kicker unter Vertrag, die ihren Verein in Fußball-Simulationen bei Turnieren oder in der von der Deutschen Fußball Liga organisierten „Virtuellen Bundesliga“ zum Sieg schießen sollen.

          Erst vor wenigen Wochen nominierte zudem der Deutsche Fußball-Bund seine erste E-Nationalmannschaft – und musste direkt eine herbe Niederlage einstecken: Bei der offiziellen „E-Football-WM“ der Fifa in London scheiterten die beiden DFB-Zocker in der Vorrunde. Und im Basketball nehmen sich Klubs wie der FC Bayern oder die Frankfurt Skyliners ein Beispiel an dem Erfolg der NBA2k-Liga in den Vereinigten Staaten und versuchen ihrerseits ebenfalls virtuelle Teams zu etablieren.

          Gestritten wird in Deutschland – auch auf politischer Ebene – derzeit hauptsächlich darüber, ob Gaming als Sportart bezeichnet werden darf und, wenn ja, welche Spiele überhaupt unter den Sportbegriff fallen könnten. So startet in Köln Anfang Juli mit der ESL Cologne bereits zum fünften Mal eines der größten „E-Sport“-Events in Europa. Zwanzigtausend Fans in der Arena sowie eine Million Menschen vor dem Livestream werden dann zusehen, wie sich zwei Teams in einem virtuellen Szenario des Spiels „Counter Strike: GO“ gegenseitig jagen und schließlich beschießen und umbringen. Insgesamt geht es um 300 000 Dollar Preisgeld. In den Augen deutscher „E-Sport“-Befürworter soll auch das Sport sein. Unterdessen finden in den Vereinigten Staaten oder Asien bereits Turniere im Traktor fahren, Flugzeug fliegen oder Freizeitpark bauen unter dem Label des „E-Sport“ statt.

          Während sich der Deutsche E-Sportverband vorerst nicht auf ein genaues Portfolio an zu fördernden Disziplinen festlegen will und sich um generelle Anerkennung des sportlichen Gamings bemüht, hat sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Anfang des Jahres darauf geeinigt, nur digitale Simulationen „echter“ Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Autorennen als „E-Sport“ bezeichnen zu wollen. Die Simulation einer Segel-Regatta müsste demnach dazugehören. Ebenso wie das virtuelle Absolvieren einer Tour-de-France-Etappe oder das Spielen einer digitalen Golfrunde beim Ryder Cup. Ob das im Sinne des DOSB ist?

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