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Deutscher Schwimm-Verband : Machtkampf um den Leistungssport

Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen wurde vor die Tür gesetzt. Bild: dpa

Die sportlichen Aussichten der deutschen Schwimmer sind derzeit gut wie lange nicht. Doch rund um die Olympia-Qualifikation gibt der Verband ein trauriges Bild ab. Es gleicht einer Selbstzerstörung.

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          Selbstsabotage nennt es Britta Steffen. Sie ist zwar die jüngste deutsche Olympiasiegerin im Schwimmen. Doch 13 Jahre wird der Gewinn ihrer beiden Goldmedaillen zurückliegen, wenn es im Sommer in Tokio um Gold, Silber und Bronze gehen soll. Seither waren stets andere besser. Und in diesem Jahr? Sind die sportlichen Aussichten gut wie lange nicht, vor allem dank Weltmeister Florian Wellbrock. Aber: „Wir brauchen gar keine Konkurrenz in der Welt“, sagt Britta Steffen vor den Qualifikationswettkämpfen in Berlin an diesem Wochenende, „wir zerstören und sabotieren uns in solchen Fällen selbst.“

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          So präsentiert sich der Deutsche Schwimm-Verband im Frühjahr 2021 – nicht nur in den Augen seiner erfolgreichsten Schwimmerin der vergangenen zwanzig Jahre. Das im November 2020 neu gewählte Präsidium hat Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen im Februar vor die Tür gesetzt und Anfang März eine Lösung binnen zwei Wochen angekündigt. Vor knapp drei Wochen scheiterte der Versuch mit dem früheren Wasserball-Nationalspieler Dirk Klingenberg kläglich.

          Vergangene Woche forderten Wellbrocks Magdeburger Trainer Bernd Berkhahn, Athletensprecherin Sarah Köhler und andere von DSV-Präsident Marco Troll die Wiedereinstellung Kurschilgens oder als Interimslösung das Engagement von Michael Groß, sollte sich das Comeback Kurschilgens, der sich gerichtlich mit dem DSV auseinandersetzt, nicht so schnell realisieren lassen. Doch das erbetene Gespräch zur Frage, ob es in den Monaten vor Tokio einen Leistungssportdirektor geben soll und welchen, hat bislang nicht stattgefunden.

          Plädoyer für die Autarkie

          Die Bruchlinien dieses Konfliktes waren spätestens mit der Wahl des neuen Präsidiums zu erkennen, das sich als Verfechter der Interessen des Breitensports präsentierte. Bei der Frage, wer nun die Aufgaben des Leistungssportdirektors übernimmt, geht es im Kern nicht zuletzt um den Zugriff auf den Leistungssport und die Kontrolle seiner Ressourcen.

          Berkhahn sagte am Donnerstag, die Trainer wünschten einen „starken“ Leistungssportdirekor, eine „wirklich gute Lösung für den Leistungssport“ – es ist ein Plädoyer für die Autarkie, die es unter Kurschilgen gab. Ohne diese Freiheit wird es mit dem dreimaligen Olympiasieger Michael Groß kaum zu einer Einigung kommen.

          Die besten deutschen Schwimmer kämpfen um ihre letzte Chance zur Qualifikation für Tokio, ohne zu wissen, ob sie ein Leistungssportdirektor zum Karrierehöhepunkt begleitet. Kommende Woche soll gesprochen werden, Ausgang offen. Dass Britta Steffen trotzdem schon klingt, als habe sie ein Fazit gezogen, bringt die Lage auf den Punkt. Ihr helfe nicht mal Galgenhumor, sagt sie, letztlich mache die Situation sie – traurig.

          Christoph Becker
          (chwb.), Sport

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