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Deutscher Olympischer Sportbund : Präsident Thomas Bach bleibt an Bord

  • -Aktualisiert am

Thomas Bach will und wird den deutschen Sport weiter anführen Bild: dpa

Weiter wie bisher: Thomas Bach will und wird den deutschen Sport auch in Zukunft anführen. Aus dem DOSB-Präsidium wird nur der stets umstrittene Vizepräsident Eberhard Gienger nicht mehr antreten. Christa Thiel soll ihm folgen.

          Erst am vergangenen Sonntag seien alle Gespräche über eine neuerliche Kandidatur beendet gewesen, sagte Thomas Bach, seit Mai 2006 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DSOB), am Dienstagmorgen. Nun steht fest, dass der 56 Jahre alte Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim den deutschen Sport weiterhin anführen will – und wird.

          Aus dem DOSB-Präsidium wird nur der für den Leistungssport zuständige, stets umstrittene Vizepräsident Eberhard Gienger nicht mehr antreten; Grund sei die Belastung aus seiner politischen Tätigkeit als CDU-Bundestagsabgeordneter. Auf Gienger soll Christa Thiel folgen, die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes und Sprecherin der 61 Spitzenverbände im DOSB.

          „Es liegt bei den Fachverbänden, einen Vorschlag zu machen. Aber in der Frage der Neubesetzung des Amtes verrate ich kein Geheimnis, dass es mich freuen würde, wenn der Bedeutung des Amtes dadurch Ausdruck verliehen würde, wenn sich die Sprecherin der Spitzenverbände zu einer Kandidatur bereit erklären würde“, sagte Bach in einer Telefonkonferenz. Frau Thiel, wie Bach 56 und Anwältin, will sich der Wahl stellen, aber auch Schwimmpräsidentin bleiben. Sie sieht diese Doppelrolle als Vorteil.

          Münchner Olympiakandidatur spielt wichtige Rolle

          Bevor Bach sich zur Fortführung des Amtes bereit erklärte, wollte er sich Gewissheit darüber verschaffen, ob und wie eine andere Arbeitsverteilung im Präsidium zu erreichen sei – und wie sich für ihn persönlich dadurch die terminliche Belastung reduzieren lasse. „Es wird so sein, dass ich mich weniger zeigen kann, auch weniger zeigen muss“, sagte Bach.

          Wichtige Schritte beim Aufbau des 2006 gegründeten DOSB seien bewältigt, so dass ihn andere Präsidiumsmitglieder leichter entlasten könnten. „Wenn ich weniger Präsenz habe und Kollegen die Vertretung übernehmen, wird das akzeptiert werden“, sagte Bach. Das hätten seine Sondierungsgespräche im DOSB und mit Partnern des Sports aus Politik und Wirtschaft ergeben. In seinen persönlichen Überlegungen habe auch die Münchner Olympiakandidatur für die Winterspiele 2018 eine herausgehobene Rolle gespielt, sagte der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

          Bei einem Verzicht auf die Wiederwahl, so konnte man Bach am Dienstag verstehen, wären unter Umständen die internationalen Chancen Münchens gesunken. Bis zum 6. Juli 2011, wenn das IOC in Durban in Südafrika die Olympiastadt 2018 wählt, wird sein Hauptaugenmerk auf der Olympia-Kampagne liegen. Letztlich sind mit einem deutschen Erfolg oder Misserfolg auch seinen eigenen Ambitionen verknüpft, 2013 IOC-Präsident zu werden.

          Geringer Organisationsgrad „in einigen Landstrichen“

          Beim Rückblick auf die ersten vier Jahre des DOSB wollte Bach sich und dem Vorstand keine Noten ausstellen. Man habe dem Sport eine große gesellschaftliche Akzeptanz verschafft. Als Schwerpunkt der künftigen Arbeit nannte er die Sicherung der Finanzen, vor allem für den Breiten-, aber auch für den Spitzensport.

          Gedanken machen müsse man sich über den zu geringen Organisationsgrad der Menschen in Sportvereinen „in einigen Landstrichen“ – Bach umging damit die direkte Nennung der neuen Bundesländer – sowie über die noch immer ungenügende Rolle der Frauen in Führungspositionen des Sports. Mit dem Wahlvorschlag Christa Thiel geht Bach ja mit gutem Beispiel voran. Die Neuwahlen des Präsidiums sind wichtigster Programmpunkt der DOSB-Mitgliederversammlung am 4. Dezember in München.

          Der DOSB (mit 27 Millionen persönlichen Mitgliedschaften) hat in den vergangenen vier Jahren trotz wachsender internationaler Konkurrenz seine führende Position im olympischen Leistungssport behauptet, die Unterstützung durch den Staat liegt auf einem Rekordniveau. Bisher nicht gelungen ist es Bach und seinem Generaldirektor Michael Vesper, dem früheren Grünen-Minister, die Politik zu überzeugen, den Sport als ein Staatsziel im Grundgesetz zu verankern.

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