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Deutscher Handball-Bund : Die üppigen Zahlungen der Tochter

  • -Aktualisiert am

Mittlerweile sehr diskret: Der frühere DHB-Chef Ulrich Strombach (l., mit Bundestrainer Heuberger) schweigt zu den HMG-Verträgen. Bild: picture alliance / dpa

Das neue Handball-Präsidium überprüft die Geschäftspraktiken des DHB-Vermarkters. Es geht um Zahlungen an die ehemaligen DHB-Funktionäre Ulrich Strombach und Horst Bredemeier.

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          Die beiden Neuen, lobt Hans Artschwager, Präsident des Handballverbandes Württemberg (HVW), leisteten in diesen Wochen „übermenschliche Arbeit“. Gemeint sind damit der neue Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Bernhard Bauer, und der Vizepräsident Leistungssport, Bob Hanning. Sie bilden die intellektuelle Spitze des neuen Präsidiums, das Ende September in Düsseldorf gewählt wurde. „Ein Riesenschnitt“ für den ganzen Verband sei dies, sagt Artschwager. Und wenn diesem Duo nun geradezu titanenhaftes Tun nachgesagt wird, heißt dies: Beim DHB, dem mitgliederstärksten Verband der Handballwelt, gibt es eine Menge zu tun.

          Eine der vielen Baustellen: die Vermarktungstochter des DHB, die HMG Handball Marketing GmbH. Details zu den ökonomischen Aktivitäten haben die Landesverbände in der Ära unter DHB-Präsident Ulrich Strombach (1998 bis 2013) angeblich nicht zu sehen bekommen. „Daraus wurde immer ein Riesengeheimnis gemacht“, sagt Helmut Bündgen, der ehemalige Präsident des Landesverbandes Rheinland. Selbst als Mitglied der DHB-Finanzkommission habe er keinen Zugriff darauf bekommen. „Es war ein ständiges Fordern und Nichtgeben“, so beschreibt es Bündgen. „Es wurde nie offengelegt“, bestätigt Artschwager.

          Recherchen der „Handball Time“

          Nun legt das Magazin „Handball Time“ in seiner neuen Ausgabe einige pikante Details aus HMG-Verträgen offen. Demnach schloss DHB-Präsident Strombach im Januar 2003 mit dem HMG-Geschäftsführer Strombach einen Vertrag über eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 1400 Euro. Aufgeschlüsselt war das dem Vernehmen nach in Bürokosten (400 Euro), Reisekosten (mindestens 500 Euro) und eine „allgemeine Aufwandsentschädigung“ (500 Euro). So kamen in den zehn Jahren als HMG-Geschäftsführer rund 150.000 Euro zusammen; Strombach wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

          Noch mehr Aufregung unter Handballfunktionären dürfte ein zweiter Vertrag verursachen, den HMG-Geschäftsführer Strombach im Juli 2008 mit der MPS Master Promotion Sportwerbung GmbH abschloss. Denn Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter dieser Firma ist Horst Bredemeier, der zwischen 2002 und 2013 das Ehrenamt des DHB-Vizepräsidenten für Leistungssport bekleidete. Im Vertragswerk wird ausgegangen von einer „2-kalendertätigen Tätigkeit des Herrn Bredemeier pro Arbeitswoche“, in der er „die sich aus den schon abgeschlossenen und neuen Sponsorenverträgen ergebende Abwicklung, insbesondere die Betreuung der Sponsoren während aller DHB-Maßnahmen“ zu erledigen hatte. Hinzu kam „die Planung und Durchführung aller Länderspielmaßnahmen von HMG/DHB“.

          Bredemeier rechtfertigt Tätigkeit

          Dafür erhielt die MPS jeden Monat eine üppige Pauschalvergütung in Höhe von 6545 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Bredemeier sagt, dass dieser Vertrag schon „vor mehreren Monaten“ gekündigt worden sei; insgesamt dürften aber auf diese Weise rund 400.000 Euro auf das Konto seiner Firma geflossen sein. Das habe alles seine Ordnung gehabt, sagt Bredemeier. „Ich habe keine Gelder eingesteckt, die ich nicht für den DHB akquiriert habe.“ Der 61-Jährige berichtet, dass die Zusammenarbeit zwischen HMG und seiner Firma im Jahr 2002 anfing. „Da habe ich für die HMG die CMA als Sponsor akquiriert. Dann hat man mich gefragt, ob ich das nicht mehr machen will“, sagt er. Das sei überhaupt der Grund gewesen, warum er im Oktober 2002 zum DHB-Vizepräsidenten gewählt worden sei.

          Bis 2008 sei er ausschließlich für die Akquise von DHB-Sponsoren mit Provisionen bezahlt worden, sagt Bredemeier. So habe er Gerry Weber als Trikotsponsor für die Frauen-Nationalmannschaft organisiert und den Versicherer Hamburg-Mannheimer (heute Ergo) als Sponsor für die damals von Heiner Brand trainierte Auswahl. Nach 2008, das ergibt sich in der Tat aus dem Vertrag, war Gegenstand „nicht mehr die Akquisition von Sponsorenverträgen“.

          Aufgebracht sind die Landesverbandschefs indes, weil im Jahr 2008 der Rechtehändler Sportfive die gesamten DHB-Vermarktungsrechte kaufte und fortan vermarktete - der DHB erhält dafür seither eine jährliche Garantiesumme in Millionenhöhe. Dass die Sportrechteprofis nun Bredemeier tatsächlich zur Sponsorenbetreuung benötigten, bezweifeln viele Funktionäre. Gegen Provisionen sei nichts einzuwenden, sagt Kurt Hochstuhl, Präsident des Südbadischen Handballverbandes. „Aber wir wussten nicht, dass das eine Dauerzahlung ist.“

          Der neue Präsident Bauer will sich zur Vergangenheit der DHB-Tochter nicht äußern. Er hat aber bei der letzten Sitzung des DHB-Bundesrats am vergangenen Wochenende in Berlin erläutert, dass ein drei Personen umfassender Aufsichtsrat installiert werden soll, um über die Aktivitäten der HMG zu wachen. Es ist keine verwegene Interpretation, diese Maßnahme als Korrektur der bisher intransparenten Geschäftsaktivitäten zu werten. Bredemeier hingegen versteht die Kritik nicht. Er sagt, die HMG-Bilanz könne sich sehen lassen. „Ich glaube, dass die HMG in den letzten Jahren gut vermarktet war.“ Die Vertreter der Landesverbände könnten, sagt er, „ja auch mal fragen, wie viele Millionen der Bredemeier für den DHB geholt hat“.

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