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Deutscher Ironman-Sieger Kienle : Der beste Moment seines Lebens

Sebastian Kienle nach der Ankunft: erschöpft, aber glücklich Bild: dpa

Durch seinen Sieg beim berühmtesten Triathlon der Welt wird Europameister Sebastian Kienle zum König von Kona. Gemeinsam mit dem Drittplatzierten Jan Frodeno könnte er nun eine neue deutsche Ironman-Epoche begründen.

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          Es war kein Traum, als Mike Reilly mit viel Pathos den neuen König von Kona begrüßte. „You are an Ironman World Champion“ – Du bist Ironman-Weltmeister. Triathlet Sebastian Kienle konnte sein Glück kaum fassen, dass er, der 30 Jahre alte Badener, tatsächlich als Erster den Zielstrich auf dem legendären Alii Drive in der Hafenbucht von Kailua-Kona überquert hatte. „So tief und schön, wie ich jetzt träume, braucht es schon ein Erdbeben, damit ich wieder aufwache.“

          Das Erdbeben auf Big Island blieb aus. Für eine sportliche Erschütterung der besonderen Art aber hatte Kienle schon gesorgt, als er seinem Achtstundentag nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen die Krone aufsetzte. „Bis ganz zum Schluss habe ich die Scheuklappen aufgehabt“, sagte der Profi aus Mühlacker. Fokussiert auf den größten aller Triathlon-Siege, hatte Kienle auf den Laufkilometern zuvor nicht nur seinen Trainer, sondern auch seine Freundin mit schneidigem Ton mehrmals um Unterstützung gebeten. „Abstände.“

          Rad-Defekt und Zeitstrafe

          Es war ein Wort nur, das der Ausdauerspezialist herauspresste. Latent war die Sorge da, einer der Verfolger könnte ihm auf der finalen Marathonstrecke doch noch den großen Traum verderben. Doch weit gefehlt. Der Amerikaner Ben Hoffman (8:19:23 Stunden) konnte Kienle (8:14:18) ebenso wenig gefährden wie Jan Frodeno (8:20:32). Der Olympiasieger von 2008 machte das Glück der Deutschen perfekt, denn als Rookie, als Hawaii-Neuling, schaffte er auf Anhieb den Sprung unter die besten drei. Dabei wäre für den 33 Jahre alten Frodeno sogar ein Sieg möglich gewesen, wenn er nicht wegen eines Rad-Defekts sowie einer Zeitstrafe mehr als sechs Minuten eingebüßt hätte. „Ich freue mich für Sebi“, sagte Frodeno. „Er ist ein wahrer Champion.“

          Das war sein Tag: Sebastian Kienle im Ziel, am Ziel Bilderstrecke

          Deutschland hat nicht viele Champions, die beim prestigeträchtigen Klassiker im Pazifik von Reilly, der Stimme des Ironman, in der 36-jährigen Geschichte ganz besonders gefeiert wurden. Sebastian Kienle ist erst der Vierte, dem das Kunststück glückte, den wirklich perfekten Tag gehabt zu haben. Thomas Hellriegel 1997, Faris Al-Sultan 2005, Normann Stadler 2004 und 2006 – und nun also Kienle 2014: „Es ist Wahnsinn“, sagte Kienle. „Erst war es ein Traum und dann ein Ziel.“ Eines, das lange unerreichbar schien, denn niemals zuvor in der Geschichte des Ironman ist es dem Sieger von Frankfurt geglückt, knapp drei Monate später auch in Hawaii zu triumphieren. Kienle hat bewiesen, dass es geht. Dass es möglich ist, die körperlichen und mentalen Strapazen auf eine Weise zu kanalisieren und zu kontrollieren, um sowohl Europameister als auch Weltmeister zu werden. In einer Mischung aus Demut und Dankbarkeit über das Erreichte in seinem ganz persönlichen Triathlon-Traumjahr 2014 sagte Kienle: „Beurteile dein Leben nicht nach einem schlechten Tag. Beurteile es nach dem besten Tag.“

          Der beste Tag, das war dieser 11. Oktober auf der größten aller Hawaii-Inseln. Kenner der Szene hatten nicht vergessen, dass Kienle, der zweimalige Weltmeister über die 70.3 genannte Halbdistanz, bei den diesjährigen 70.3.-Weltmeisterschaften eine Art Waterloo erlebte hatte. Achtzehnter nur wurde er vor gut einem Monat in Mont-Tremblant in Kanada. Geschenkt, mag sich Kienle jetzt sagen, der zarte Anflüge von Selbstzweifel in der vierwöchigen Vorbereitungsphase auf Hawaii zerstreute und die richtige Balance und das richtige Rezept fand, um beim wirklich wichtigsten Rennen des Jahres sein großes Potential abzurufen.

          Dies hat der „halbe“ Physiker, der seine Studien wegen seines sportlichen Engagements ruhenlässt und stattdessen parallel versucht, für die berufliche Zeit nach dem Triathlon ein Fernstudium Internationales Management zum Abschluss zu bringen, punktgenau getan. Dass er nach dem Schwimmen im Ozean mit einigem Rückstand auf die Führenden aus dem Wasser kommen würde, hatte Kienle selbst, der 54:38 Minuten benötigte, erwartet. So, wie er auch wusste, dass ihm auf dem Rad niemand würde folgen können. 4:20:46 Stunden – keiner im Feld der 54 professionellen Triathleten vermochte Kienle da auch nur ansatzweise gefährlich zu werden. Und so wurde aus der Solofahrt ein finaler Sololauf, bei dem es sich Kienle erlauben konnte, etwas von seinem knapp zehnminütigen Rad-Vorsprung einzubüßen.

          „Irgendwann aber musst du das Ding auch wirklich machen“

          Es war Jan Frodeno, der mit 2:47:46 Stunden einen famosen Marathonlauf zeigte und sich mit der besten aller Laufzeiten noch auf Rang drei vorschob. Seinem Freund Kienle aber, der 2:54:36 Stunden benötigte, um körperlich und mental unbeschadet auch das gefürchtete Energy Lab hinter sich zu bringen, konnte Frodeno nicht mehr den größten Moment seines Lebens nehmen. „Ich habe so oft daran gedacht und davon gesprochen“, sagte Kienle über das Ziel, König von Kona zu sein. „Irgendwann aber musst du das Ding auch wirklich machen.“

          Mit erst 30 hat er es gemacht – und der Konkurrenz zugleich eine Botschaft übermittelt: Kienle, im scheinbar besten Ironman-Alter, hat noch viele Jahre vor sich und damit die Chance, den Atem großer Hawaii-Ikonen zu spüren. So verfügen die Amerikaner Mark Allen und Dave Scott über Pfunde, mit denen sich auch lange nach Karriereende noch immer prächtig wuchern und Geld verdienen lässt: Beide haben den Ironman zwischen 1980 und 1995 dominiert und jeweils sechs Mal gewonnen. Erfolge für die Ewigkeit? Man sollte auch in den kommenden Jahren gezielt nach Hawaii schauen, wo sich Kienle und Frodeno anschicken, herausragende Eckpfeiler einer möglichen neuen deutschen Ironman-Epoche zu werden.

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