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Deutscher Eishockeybund : Kampfabstimmung um die Macht

Will seinen Job behalten: Uwe Harnos Bild: dpa

Amtsinhaber Uwe Harnos oder Herausforderer Franz Reindl? Beim Deutschen Eishockey-Bund steht an diesem Samstag hinter verschlossenen Türen eine richtungsweisende Wahl an. Der eine Kandidat erfährt viel Unterstützung, der andere schweigt.

          3 Min.

          Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat die Wahl. An diesem Samstag entscheiden die Delegierten auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt, wer künftig den Kurs des Verbandes vorgeben soll: Der bisherige Präsident Uwe Harnos oder sein Herausforderer Franz Reindl. Erstmals in der wechselhaften Historie des DEB kommt es zu einer Kampfabstimmung um die Macht.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Harnos trägt die Verantwortung seit sechs Jahren. Reindl, der frühere Nationalspieler, war bis vor kurzem als Sportdirektor und  Generalsekretär einer seiner engsten Mitarbeiter. Doch es existierte kein Vertrauensverhältnis zwischen beiden, so dass Harnos, der Jurist aus Kaufbeuren, für die Entmachtung des Garmisch-Partenkircheners sorgte, der 1976 bei Olympia die Bronzemedaille gewann. Reindl ist aktuell nur noch Chef des Organisationskomitees der Weltmeisterschaften, die in drei Jahren  zusammen in Köln und Paris ausgetragen werden.

          „Ein Sechser im Lotto“

          Doch er will mehr. „Wir müssen bei einer glaubhaften zeitlichen Perspektive das Ziel setzen, endlich dauerhaft um Medaillen mitspielen zu können“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „Eishockey News“. Außerdem ließ er dabei kein gutes Haar an der bisherigen Arbeit des DEB-Präsidiums: „Persönliche Profilneurosen, Machterhalt um der Macht Willen, Intransparenz, das alles hat im Eishockey nichts zu suchen.

          Der 59-Jährige gehört zu den bekanntesten Vertretern einer Sportart, die früher die unangefochtene Nummer zwei hinter Zuschauerkrösus Fußball war und aktuell nur regional aus der Nische der Schattengewächse herausragt. Für Reindl haben sich in den zurückliegenden Wochen, seit er seine Kandidatur angekündigt hat, zahlreiche Vertreter aus den Erstligaklubs wie Peter-John Lee, der Manager der Berliner Eisbären, oder Karl-Heinz Fliegauf, der Sportdirektor der Grizzly Adams Wolfsburg. Hans Zach, der ehemalige Bundestrainer, sprach davon, dass die Wahl Reindls „ein Sechser im Lotto“ für das deutsche Eishockey wäre.

          Uwe Krupp, der Chefcoach der Kölner Haie, bezeichnet ihn als „als Glücksfall für das deutsche Eishockey“. Nationalspieler Marcel Goc (Pittsburgh Penguins) argumentierte ähnlich: „Für mich kann es nur einen Kandidaten aufs Präsidentenamt geben: Reindl. Wenn sich einer im deutschen Eishockey auskennt, und es vorantreiben kann, dann der Franz.“

          Hopp im Reindl-Team

          Doch aus den Profi-Reihen wird der DEB-Präsident eben nicht bestimmt. Zur Mitgliederversammlung in der Zentrale des Hessischen Landessportbundes sind einzig die Abgesandten der 55 im Verband organisierten Amateurvereine plus die Bevollmächtigten der 15 Landeseissportverbände zugelassen. Wie ihr Votum ausfällt, ist schwer zu prognostizieren. Reindl gab sich vor der Abstimmung zuversichtlich, dass er aus diesem Kreis, der zuletzt Harnos trotz zahlreicher Misserfolge die Treue hielt, eine Mehrheit erhält.

          „Die Stimmungslage ist gut. Ich wünsche mir, dass sich das auch in den Stimmen ausdrücken wird.“ Zu seinem Kandidatenteam, mit dem er den DEB „grundlegend reformieren und zukunftsfähig aufstellen möchte“, wie er es ausdrückte, gehört auch Daniel Hopp, der Geschäftsführer des sechsmaligen Meisters Adler Mannheim. Reindl sieht speziell seine Nominierung als „ein Signal“. Er möchte die Interessen der in der Vergangenheit oft uneins argumentierenden Klubs aus der Deutschen Eishockey Liga mit denen der Amateurvereine besser in Einklang bringen. Das Ziel für den DEB müsse sein, „weltklasse zu werden“, wie es Reindl formulierte; und dies sei nur durch eine Bündelung der Kräfte zu erreichen.

          Will den Job übernehmen: Franz Reindl
          Will den Job übernehmen: Franz Reindl : Bild: dpa

          Harnos steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem weil er Reindl als Sportdirektor entmachtete und sich gegen eine Weiterbeschäftigung Uwe Krupps nach der erfolgreichen Heim-WM entschied. Seitdem fällt die Bilanz des Nationalteams dürftig aus. Die Qualifikation für Olympia in Sotschi wurde verpasst, und bei der WM im Mai in Minsk wurde sie nur noch Vierzehnter – die schlechteste Plazierung seit fünf Jahren.

          Seine Gegner aus den Reihen des DEB werfen Harnos außerdem vor, dass er aus der üblicherweise ehrenamtlichen Präsidentschaft einen wirtschaftlichen Gewinn erzielt. Er erhält demnach ein regelmäßiges Honorar als Rechtsvertreter des Verbandes. Nach Veröffentlichungen des „Kölner Stadtanzeigers“ sind es 5000 Euro im Monat. Außerdem stünden ihm zusätzliche Bezüge zu, die sich an den Streitkosten bemessen, wenn er den DEB vor Gericht, vertritt, was in den vergangenen Jahren regelmäßig vorkam; besonders bei juristischen Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht.

          „Vielfache Rechtsprobleme“

          Diese Regelung gilt dem Vernehmen nach seit zehn Jahren, als Harnos unter Hans-Ulrich Esken noch als Stellvertreter im DEB-Präsidium saß. Als Harnos 2008 nach Eskens Erkrankung zunächst kommissarisch an die Spitze des Verbandes rückte und 2010 auf diesem Posten bestätigt wurde, lief die Regelung fort, ohne dass die Mitglieder dazu befragt wurden und darüber abstimmen konnten. Die Bundesrechtsanwaltskammer sieht in dem Sachverhalt auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Konfliktpotential: „Die rechtliche Vertretung eines Vereins durch einen Rechtsanwalt, der zugleich dessen Präsident und damit Organ ist, kann vielfache Rechtsprobleme aufwerfen – rechtlich verboten wäre die Vertretung bei vereinsinternen Streitigkeiten“, sagte Rechtsanwalt Otmar Kury (Hamburg), ihr Sprecher des Ausschusses für Berufsrecht.

          Harnos, der sich seit Wochen zurückgezogen hat, lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab. Er teilte stattdessen mit, dass er vor den Mitgliedern in Frankfurt seinen Rechenschaftsbericht abliefern werde: hinter verschlossenen Türen. Die Pressestelle des Verbandes gab bekannt, dass die Versammlung komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird. Auch das gab es beim DEB in der Vergangenheit in dieser Form nicht.

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