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Deutsche Volleyball-Männer : Problem des Kopfes

Durchlässig im Block: Grozer (l.) und Brehme gegen Spanien Bild: AP

Nach einer schwachen EM-Vorrunde hadern die deutschen Volleyballer mit sich. Vor dem Achtelfinale gegen Holland hat Star-Spieler Grozer einen Gedanken, wie es besser laufen könnte.

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          Die Strecke von Antwerpen nach Apeldoorn misst gerade mal 200 Kilometer, und die Frage im deutschen Bus lautete, ob die geringe Distanz zwischen den Spielorten reicht, um die betrübliche Vorrunden-Bilanz bei dieser Volleyball-Europameisterschaft nach drei Niederlagen in fünf Spielen vor dem Achtelfinale gegen die Niederlande an diesem Samstag zu vergessen? Reisen von A nach B sollen ja dazu gut sein, einen Neuanfang zu schaffen. Doch wird dies auch von A nach A gelingen, nachdem es in Gruppe B so gar nicht lief?

          Der letzte Eindruck von Antwerpen war der eines dysfunktionalen deutschen Teams, dem nichts gelingen wollte, vor allem nicht im Zusammenspiel. Das 1:3-Debakel gegen die zweitklassigen und bereits ausgeschiedenen Spanier änderte zwar nichts am glücklich erreichten dritten Platz in der Sechsergruppe, kratzte aber erheblich am Selbstverständnis einer Mannschaft, die angetreten war, mindestens eine Medaille zu gewinnen, wenn nicht gar die Meisterschaft. „Das Problem ist, wir wissen nicht, woran es liegt“, sagte Georg Grozer im Gespräch mit dieser Zeitung. Noch in der Vorbereitung auf die EM habe man gegen Frankreich „unglaubliche Leistungen“ gezeigt. „Wir waren bereit“, sagt Grozer, „aber jetzt sind wir es nicht.“

          Auch der 34 Jahre alte Starspieler, der in seiner bunt schillernden Karriere als weltweit operierender Diagonalangreifer schon chinesischer Meister, russischer Pokalsieger und Klubweltmeister war, konnte bislang nicht so aufspielen, wie er es gewohnt ist. Grozer stieß nach einer dreimonatigen Auszeit im Sommer erst verspätet zum Nationalteam, Rückenprobleme brachten den Zwei-Meter-Mann aus dem Gleichgewicht – und dann zwickte auch noch die Wade, so dass er zwei EM-Spiele aussetzen musste und gegen Spanien nur einen Satz lang mitwirkte. „Das schafft auch der weltbeste Spieler nicht“, sagt der gleichermaßen selbstsichere wie mannschaftsdienliche Angreifer über die Summe seiner Probleme. „Ich bin nicht so für die Mannschaft da, wie ich es gewohnt bin. Das ist schwer für mich.“

          Georg Grozer: „Die Niederlande hat eine starke Mannschaft, aber eigentlich sollte sie für uns kein Hindernis sein.“

          Nun könnte diese Malaise als Einzelschicksal eines alternden Stars abgetan werden, sofern sich von den Akteuren im Schatten einer aufschwingen würde, die Lücke auszufüllen. Doch da war nicht viel. „Es war erschreckend, wie wir auf dem Feld von unserem Niveau weg waren“, rätselte Außenangreifer Christian Fromm nach dem Spanien-Spiel. Bundestrainer Andrea Giani war so verärgert, dass er sich sicherheitshalber gar nicht zu der Leistung äußern wollte. „Am Trainer liegt es nicht“, stellt Grozer klar. „Es liegt irgendwo in unseren Köpfen.“ Vor zwei Jahren, als die Deutschen überraschend EM-Silber gewonnen hatten, sei jeder einzelne der damals eher unbekannten Akteure in jedem Spiel über sich hinausgewachsen. Nun hätten sich die meisten einen Namen gemacht, seien aber auf dem Feld mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem großen Ganzen, so Grozer, der verletzungsbedingt genügend Zeit hatte, sich das verunsicherte Agieren von außen anzuschauen – und nun doch den Versuch einer Erklärung wagt.

          Als Vorteil des anstehenden K.o.-Spiels gegen Holland hat er ausgerechnet die vermutlich gut gefüllte Halle in Apeldoorn ausgemacht, nachdem in Belgien „tote Hose“ herrschte. „Traurig“ sei das gewesen. Grozer tritt lieber vor großer Kulisse an, „auch wenn sie alle gegen uns sind. Das ist anders im Kopf.“ Trotz des bisherigen EM-Verlaufs bleibt er siegesgewiss: „Die Niederlande hat eine starke Mannschaft“, sagt er, „aber eigentlich sollte sie für uns kein Hindernis sein.“ Doch seine eigene Selbstsicherheit hat doch ein wenig gelitten: „Ich werde da sein“, kündigt er an, um nachzuschieben: „Wenn ich kann. Wenn ich darf.“

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