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Deutsche Volleyball-Frauen : Ein cooler Sommer

  • -Aktualisiert am

Der Spielbestimmer: Bundestrainer Felix Koslowski Bild: Conny Kurth/DVV

Trainer Koslowski will die Schmetterlinge zum Fliegen bringen: Deutschlands Volleyball-Frauen frischen ihre Profilbilder auf und gehen voll motiviert in die WM-Qualifikation.

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          „Eins, zwei, drei“, ruft die Fotografin, „yeah“, rufen die Mädels, springen in die Luft, ballen die Fäuste, strahlen ihr schönstes Lächeln. Die „Schmetterlinge“ posieren für Mannschaftsbilder, machen Gruppenfotos, Einzelporträts. Mit Ball, ohne Ball. Auch mal mit offenen Haaren. Das Volleyball-Nationalteam gönnt sich im Trainingslager ein paar Stunden Klassenfahrt-Atmosphäre. Foto-Shootings fürs Teambuildung und die Instagram-Profile.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Ansonsten geht es durchaus hart zur Sache unter der Führung von Felix Koslowski. Der selbst noch jugendliche Bundestrainer, gerade mal 33 Jahre alt, bereitet die Volleyball-Nationalspielerinnen, die sich „Schmetterlinge“ nennen, auf einen intensiven Sommer vor. Er will sie zum Fliegen bringen. Tokio ist das große Ziel: Olympia 2020. Und auch das Nahziel heißt Japan: Die WM 2018 findet ebenfalls im fernen Osten statt. Der Weg dorthin führt über Portugal. Er ist kurz, aber heftig: fünf Spiele an fünf Tagen, von diesem Mittwoch an. Slowenien, Estland, Portugal, Finnland und Frankreich sind die deutschen Gegner in der WM-Qualifikation. Nur der Gruppensieger kommt weiter, der Zweite erhält zumindest eine zweite Möglichkeit.

          Gut eingespieltes Team: die neuen deutschen „Schmetterlinge“
          Gut eingespieltes Team: die neuen deutschen „Schmetterlinge“ : Bild: Conny Kurth/DVV

          Doch damit ist Koslowskis Ferienprogramm noch lange nicht zu Ende: Am Ende der bundesligafreien Zeit wartet die Europameisterschaft in Aserbaidschan als zweiter Saisonhöhepunkt. Und dazwischen wird beim Traditionsturnier in Montreux und beim Grand Prix mit Stippvisiten in Bulgarien, Kasachstan und Kanada mitgemischt. Harte Aufgaben, weshalb Koslowski froh ist, dass er sich im neu sortierten Team auf einige Etablierte verlassen kann. „Es ist sehr hilfreich, dass Maren Brinker noch mal mitspielt“, sagt Koslowski, der die 30-Jährige sogleich zu seiner Kapitänin machte.

          In der vergangenen Saison, nach der verpassten Olympia-Chance, hatte sie ein Jahr Auszeit gebraucht. „Doch ich habe gemerkt, dass was fehlt“, sagt Maren Brinker jetzt. Die Angreiferin will es noch einmal wissen, ist sich dabei ihrer Verantwortung als Anführerin bewusst. „Ich bin definitiv jemand, der vorneweg geht“, sagt sie. „Die Führungsspielerinnen stehen in der Pflicht“, sagt Koslowski über die Verbliebenen aus der „silbernen Generation“.

          „Sie weiß, wie verrückt ich bin“

          Die deutschen Volleyball-Frauen waren 2011 und 2013 jeweils EM-Zweite geworden, doch die Olympischen Spiele haben sie seit Athen stets verpasst. Nun beginnt ein neuer Zyklus. Koslowski, der für den Volleyballsport lebt und als Vereinstrainer des SSC Schwerin im Frühjahr erstmals deutscher Meister wurde, steht nach eigener Aussage „24 Stunden täglich unter Strom“.

          Eingeschworene Gemeinschaft: zum Team gehören mehr als die sechs, die gerade auf dem Feld stehen.
          Eingeschworene Gemeinschaft: zum Team gehören mehr als die sechs, die gerade auf dem Feld stehen. : Bild: CEV

          Ihn erwartet eine sehr intensive Zeit mit seinen knapp 20 Frauen, zumal er im August auch noch zum dritten Mal Vater wird. Seine Ehefrau ist sich darüber im Klaren, worauf sie sich eingelassen hat. Die Rollenverteilung ist abgesprochen. „Sie weiß, wie verrückt ich bin“, sagt Koslowski.

          Seine Sportlerinnen wissen es auch. Ein halbes Dutzend der Nationalspielerinnen trainiert auch im Klub mit ihm zusammen. „Ein cooler Typ“, sagt Louisa Lippmann über den Chef. Gleichwohl bezeichnet sie die erste Woche der Vorbereitungszeit als „gefühlt das Anstrengendste des ganzen Jahres“. Sie selbst könnte so etwas wie die kommende Chefin auf dem Feld werden.

          Die große Blonde gehört zur neuen Generation, sie ist erst 22 Jahre alt und wurde in dieser Saison schon zur wertvollsten Spielerin der Bundesliga gewählt. Ein Titel, der der 1,90 großen Athletin sehr schmeichelt, wie ihr Strahlen verrät, wenn sie darauf angesprochen wird, auf dem sie sich aber keinesfalls ausruhen will. „Es geht um den Teamspirit“, sagt die Diagonalangreiferin: „ich möchte mich da nicht hervorheben.“

          Wiederholen, was die „Großen“ geschafft haben

          Von ihrer großen Vorgängerin auf der Königinnenposition, Margareta Kozuch, hat sie sich Tipps geholt und in gemeinsamen Zeiten im Nationalteam auch einiges abgeschaut. Nun ist Kozuch an den Beach abgewandert, und Lippmann hat sich „vom Backup zum ersten Haudrauf“ entwickelt. „Ich freue mich“, sagt sie über die kommenden Prüfungen und hegt durchaus hohe Ambitionen: „Wir wollen wiederholen, was die ,Großen‘ geschafft haben.“

          Die „Großen“: Deutschlands Team um Margarate Kozuch (Mitte) holte bei der EM 2013 Silber
          Die „Großen“: Deutschlands Team um Margarate Kozuch (Mitte) holte bei der EM 2013 Silber : Bild: Picture-Alliance

          Eine der „Großen“, Maren Brinker, gibt sich nach dem Trainingslager in Heidelberg zuversichtlich, dass es mit den „verrückten, jungen Hühnern“ gelingen könnte: „Wir haben schon ein gutes Teamgefühl aufgebaut.“ Es gebe keinen Stress zwischen Jung und Alt, keinen Neid zwischen Schwerinerinnen und den anderen. „Wir müssen als Team funktionieren.“ Ohne Stars, dafür mit Spaß. Zum Höhepunkt der Fotosession posiert Koslowski wie ein Heilsbringer in der Mitte seiner Auserwählten. Die Mädchen stehen um ihn herum. Gucken aber auf ihre Smartphones, betrachten sich im Spiegel, ziehen sich die Lippen nach, spielen mit ihren Zöpfen.

          Auch Maren Brinker hat nicht nur Volleyball im Kopf: Am 24. Juni heiratet sie. Ob die Kapitänin danach auch bei der Grand-Prix-Weltreise an Bord ist oder sich vor der EM eine Auszeit gönnt, ist noch unklar. Ihr künftiger Ehemann wird sicherlich Verständnis haben: Christian Fromm ist ebenfalls Volleyball-Nationalspieler. So oder so blickt Maren Brinker voller Vorfreude voraus: „Das wird ein cooler Sommer.“

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