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Reitturnier in Aachen : Erfolg über Eck beim CHIO

  • -Aktualisiert am

Blieb auch beim Geländeritt im Sattel: Michael Jung beim CHIO in Aachen Bild: dpa

Ingrid Klimke und Michael Jung beweisen in den Aachener Wiesen, was Linientreue in der Vielseitigkeit einbringt: Platz eins und zwei beim CHIO. Und auch die deutschen Dressurreiter haben Grund zur Freude.

          Problem? Welches Problem? Als Ingrid Klimke mit ihrem Pferd Hale Bob an das Hindernis mit der Nummer 7 b kam, eine im Wasser stehende Ecke mit Bürste oben drauf, erschrak niemand. Hopp– schon waren die beiden an der sich zuspitzenden Seite drüber gesprungen, und weiter ging es im Galopp. Sie hatte, sagte sie nach dem Geländeritt in der Aachener Soers, vorher die Runde von Michael Jung angeschaut, der durch die Landschaft gehuscht war, als wäre das alles ein Kinderspiel, diese fast sieben Minuten Konzentrations- und Formtest unter Zeitdruck.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Nachdem ich das gesehen hatte, war mein Plan fertig“, sagte die Europameisterin aus Münster. Und damit fuhr sie nicht schlecht: Ingrid Klimke gewann zum dritten Mal die Vielseitigkeit in Aachen, den Ausflug des CHIO aus dem Stangenwald und dem Dressurviereck in die umliegende Wiesenlandschaft.

          Vorbild Michael Jung wurde Zweiter mit seinem neuen Pferd Chipmunk, was zwar nicht zur Mannschaftswertung zählte, weil dafür sein Zweitpferd Star Connection gemeldet war. Doch auch diese Leistung, nämlich Platz sieben, dazu die Sicherheitsrunde von Andreas Dibowski mit Corrida, reichten zum Mannschaftssieg vor Neuseeland und Australien. Die vierte deutsche Reiterin, Josefa Sommer, war nach dem dritten Sprung ausgestiegen. Dort hatte sie zusehen müssen, wie eines der Hufeisen ihres Wallachs Hamilton durch die Luft flog. Auf der anschließenden Strecke kam das Pferd so ins Rutschen, dass sie es nicht verantworten konnte, weiter zu reiten. In solchen Momenten ist das Pferd wichtiger als das Ergebnis. Die Tatsache, dass jede Mannschaft ein Streichresultat frei hat, machte den deutschen Sieg trotzdem möglich.

          Erfolgreiches Duo beim CHIO: Ingrid Klimke und Hale Bob

          Zurück zu Sprung 7 b. Immer wieder mussten Handwerker mit Schraubern und Sägen ausrücken, um das mit Buschwerk gefüllte Holzgestell in Ordnung zu bringen, weil es von Pferdehufen malträtiert worden war. Ganz isoliert betrachtet sah die Ecke eigentlich aus wie viele. Bei dieser Aufgabe wird vom Pferd verlangt, über das letzte Stückchen eines Hindernisses zu springen, obwohl es eigentlich viel einleuchtender wäre, an so einer Ecke vorbeizulaufen. Aber das ist der Witz in der Geländereiterei: Um zu verhindern, dass halsbrecherische Riesensprünge die Prüfung entscheiden, werden technische Aufgaben gestellt. Die Guten springen ohne Diskussion drüber, wenn der Reiter es will. Fehlt die klare Aufgabenstellung, muss das Pferd sich behelfen.

          Im Fall von Sprung 7 b kamen die Pferde aus einer Senke und konnten die Ecke erst sehr spät sehen. Hatte der Reiter nicht genau seine Linie geplant und kam ein wenig weiter links zum Sprung, glaubten die Pferde, sie müssten nicht über die spitze, sondern über breite Seite des Winkels springen, auf dem die Bürste zudem auch noch viel längere Borsten hatte. „Pferde sind eben endlos mutig“, sagte Bundestrainer Hans Melzer und gab einen kleinen Eindruck, was in ihren Köpfen dann vorgeht: „Drüber da!“ Nur schade, dass die Pferde dann außerhalb der Markierung sprangen und das Hindernis als nicht überwunden galt. Im besten Fall, wie bei der ehemaligen Weltmeisterin und deutschen Einzelreiterin Sandra Auffarth mit Viamant du Matz, ohne Crash.

          Der Deutsche Peter Thomsen landete im Wasser. Und der Amerikaner Philip Dutton verließ in einem Salto vorwärts den Sattel, das Pferd blieb im Hindernisgestänge hängen und kam erst nach einer Weile wieder frei. Für die Gestürzten war die Prüfung zu Ende. Sie bleiben unverletzt, so, wie das komplette Starterfeld von 41 Paaren. „Wenn alle Reiter und alle Pferde unversehrt sind“, sagte Veranstalter Frank Kemperman aufatmend, „dann sind wir glücklich.“ Auch Melzer war bester Laune nach dem Erfolg seines Teams.

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