https://www.faz.net/-gtl-xult

Deutsche Tennisspieler : Keine Besserung im Boris-Becker-Land in Sicht

  • Aktualisiert am

Gescheitert in Melbourne: Philipp Petzschner und die deutschen Tennisherren Bild: dpa

Bei den Australian Open sind die deutschen Männer wieder früh gescheitert. Ein Nachfolger für Becker oder Stich fehlt. Haas, Kiefer und Schüttler verpassten den Durchbruch. Und auch die neue Generation hat den Schlüssel zum Erfolg noch nicht gefunden.

          2 Min.

          Als Patrick Kühnen zu Beginn dieser Woche über die Tennis-Anlage im Melbourne Park schlenderte, wusste der Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft kaum wohin. Gleich 14 seiner Spieler hatten sich für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres qualifiziert. Wenn die Australian Open in den kommenden Tagen richtig Fahrt aufnehmen, wird Kühnen aber viel Zeit haben.

          Erstmals seit sieben Jahren hat in Melbourne nicht ein einziger deutscher Profi den Sprung in die dritte Runde geschafft - die Talfahrt des einst so stolzen deutschen Herren-Tennis hält unvermindert an. „Das ist natürlich sehr schade“, sagte Kühnen, nachdem sich am Donnerstag in Benjamin Becker sein letzter Schützling verabschiedet hatte.

          „Man darf aber nicht vergessen, dass wir erstmals seit langer Zeit keinen gesetzten Spieler mehr hatten. Da ist es zwangsläufig, dass man schnell auf starke Gegner trifft“, meinte Kühnen und versuchte wieder einmal das schlechte Abschneiden zu erklären. Während bei den Damen in Andrea Petkovic und Julia Görges zwei Spielerinnen kurz vor dem Durchbruch in die erweiterte Weltspitze stehen, herrscht bei den Herren Flaute.

          Wieder eine Niederlage: Benjamin Becker verabschiedete sich frühzeitig aus Melbourne
          Wieder eine Niederlage: Benjamin Becker verabschiedete sich frühzeitig aus Melbourne : Bild: REUTERS

          „Das Niveau ist einfach verdammt eng“

          Ein Nachfolger von Boris Becker oder Michael Stich ist weit und breit nicht in Sicht. „Wir sind quantitativ sehr gut aufgestellt, mit zehn Spielern in den Top 100“, sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard. „Aber natürlich fehlt uns jemand, der bei den Grand Slams in der zweiten Woche noch dabei ist.“ Als letzter Deutscher erreichte Thomas Haas 2009 in Wimbledon das Halbfinale, der letzte in einem Grand-Slam-Finale war Rainer Schüttler 2003 in Melbourne.

          Doch Haas hat seit fast einem Jahr kein Spiel auf der Tour mehr bestritten. Der 32-Jährige arbeitet derzeit in den Vereinigten Staaten an seinem Comeback. Ob Haas überhaupt noch einmal zurückkehrt oder wie Nicolas Kiefer seine Karriere auch bald beendet, ist aber ungewiss. Haas, Kiefer und Schüttler: Ihnen hatten die deutschen Tennis-Fans den Durchbruch noch zugetraut, die nachfolgende Generation hat dagegen niemand mehr auf der Rechnung.

          Philipp Kohlschreiber kommt seit Jahren in der Rangliste nicht richtig voran, Florian Mayer, Benjamin Becker und Philipp Petzschner lassen immer mal wieder aufhorchen, doch in die Top 20 schafft es niemand. Was fehlt, ist die Konstanz. Auch in Melbourne zeigten die deutschen Herren zum Teil ansprechende Leistungen. Doch zwei Tage nach Mayers Triumph gegen den Russen Nikolai Dawydenko ging der Bayreuther sang- und klanglos gegen den Japaner Kei Nishikori ein.

          Becker schlug zunächst den an Nummer 24 gesetzten Letten Ernests Gulbis, um dann gegen den Ukrainer Alexander Dolgopolow zu verlieren. „Das Niveau ist einfach verdammt eng. Da ist es egal, ob man gegen einen aus den Top 20 spielt oder gegen die Nummer 50“, sagte Becker am Donnerstag zerknirscht. „Wenn ich wüsste, woran es liegt, dass wir die Konstanz nicht hinbekommen, würde ich es zu allererst bei mir abstellen“, sagte der Mettlacher. Doch auf der Suche nach dem Schlüssel zum Erfolg tappen die deutschen Herren schon lange im Dunkeln. Und auf Sicht scheint niemand da, der das Licht anknipst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wollen keine Spaltung: Biden und Harris am 1. Dezember in Wilmington

          Joe Biden gegen Spaltung : Die Botschaft lautet Zuversicht

          Biden glaubt, dass Kompromisse zwischen Demokraten und Republikanern möglich sind – trotz aller Polarisierung. Ein Einlenken beim Abzug der Soldaten aus Deutschland scheint ein erstes Zeichen dafür zu sein.
          Wie am Wahltag: Testzentrum in einer Turnhalle in Hildburghausen

          Angst vor der Wahrheit? : Kaum einer kommt zu den Massentests

          In den Corona-Hotspots in Sachsen und Thüringen versuchen die Behörden, das Infektionsgeschehen mit Massentests unter Kontrolle zu bringen – bisher mit wenig Erfolg.
          Pfizer stellt den Impfstoff in Belgien und den Vereinigten Staaten her.

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.