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Weltreiterspiele : Deutsche Springreiter vorerst auf WM-Platz drei

  • -Aktualisiert am

Glänzende Vorstellung: Simone Blum auf Alice Bild: EPA

Die stärkste Leistung der deutsche Equipe bringt diesmal nicht der erfahrene Anführer Marcus Ehning mit Pret a Tout, sondern ein WM-Neuling: Simone Blum glänzt mit ihrer Stute Alice.

          Die deutschen Springreiter, abwechselnd als Experimental-Quartett angesehen und dann wieder mit großen Erwartungen konfrontiert, haben die Chance auf eine Mannschafts-Medaille bei den Weltreiterspielen in Tryon. Sie gehen nach zwei Runden als Drittplatzierte in den letzten Durchgang. In Führung liegen die Schweizer mit 11,64 Strafpunkten vor Gastgeber Vereinigte Staaten mit 12,59. Deutschland (18,09) liegt umgerechnet knapp zwei Hindernisfehler hinter dem Silberrang. Allerdings beträgt der Abstand zum Vierten, Schweden, umgerechnet nur knapp einen Abwurf.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die stärkste Leistung der Equipe brachte diesmal nicht der erfahrene Anführer Marcus Ehning, der mit seinem Fuchswallach Pret a Tout mit zwei Abwürfen der heiklen Schlusslinie Tribut zollen musste. WM-Neuling Simone Blum glänzte mit ihrer Stute Alice als erste Starterin der Mannschaft mit einer exzeptionellen Runde: Sie gehörte zu den nur fünf von 122 Reitern, die den schweren Parcours ohne jeden Strafpunkt überwanden. Die 29 Jahre alte Amazone aus Bayern mit ihrer ehrgeizigen Stute liegt in der individuellen Wertung mit 2,47 Punkten auf Rang vier. Vor der Vergabe der Einzel-Medaillen stehen allerdings noch drei schwere Parcours.

          Einige andere Reiter hinter Blum, die Abwürfe vermeiden konnten, schafften das, indem sie sich mehr Zeit ließen als erlaubt und lieber einen Strafpunkt in Kauf nahmen. Die Bayerin mit ihrer schnellen Stute aber blieb in der Zeit von 85 Sekunden. Dieses Pferd, das Hindernisse, auf die es zuläuft, unbedingt fehlerfrei überwinden will, bewies auch diesmal seine Klasse. Der Aussprung der dreifachen Kombination stellte die beiden vor eine schier unlösbare Aufgabe. „Sie war so eng, dass ich viel zu dicht an den Steilsprung herankam. Jedes andere Pferd würde wahrscheinlich nicht abspringen oder einen Fehler machen“, sagt Simone Blum. Alice aber kämpfte sich hinüber. „Ich bin so dankbar, dass sie so sehr für mich fightet“, sagte die 29 Jahre alte Reiterin, die schon am Mittwoch im Zeitspringen eine Runde ohne Fehler vorgelegt hatte.

          Anders als am Vortag schaffte es die zweite Starterin aus dem deutschen Springreiter-Jugendklub, die 24 Jahre alte Laura Klaphake aus Mühlen, mit ihrer Stute Catch me if you can, Blums Vorgabe anzunehmen. Auch diese beiden überwanden den Parcours ohne Hindernisfehler. Allerdings verloren sie auf der schwierigen Schlusslinie ein wenig Zeit, die einen Strafpunkt kostete. Diese Linie hatte Laura Klaphake vorher mit Pferdebesitzer Paul Schockemöhle besprochen, außerdem telefonisch mit Trainer Franke Sloothaak. Im Parcours entschied sie sich schließlich dafür, auf dem Weg zur zweifachen Kombination den Schwung zu dämpfen und einen zusätzlichen Galoppsprung einzubauen. „Ich habe sechs Galoppsprünge gemacht. Andere haben nur fünf gemacht, aber dafür Fehler.“ Das erwies sich als gewinnbringend. Es sollte sich zeigen, dass diese Linie auch so manchem Star den Zahn zog. Altmeister Schockemöhle, auch als Trainer der Japaner in Tryon, legte zufrieden Daumen und Zeigefinger aufeinander wie ein Spitzenkoch: Erste Sahne.

          Maurice Tebbel, der dritte WM-Rookie im deutschen Quartett, hatte weniger Glück mit der Schlusslinie, die sowohl das Springvermögen und die Geschmeidigkeit der Pferde als auch die strategischen Fähigkeiten der Reiter testete. Nach einer bis dahin gelungenen Runde mit dem neunjährigen Hengst Don Diarado schlug dem 24 Jahre alten Tebbel hier die Stunde. Mit einem Fehler an der Triple-Barre zu Beginn, noch einem Abwurf im Aussprung der zweifachen Kombination, dazu einem Strafpunkt für Überschreiten des erlaubten Zeit summierte sich sein Ergebnis auf neun Strafpunkte. Wie am Vortag lieferte er das Streichergebnis zum deutschen Team-Resultat. „Ich hätte gerne mehr für die  Mannschaft beigetragen“, sagte Tebbel traurig. Sofort nach seiner Runde studierte er das Video seines Rittes, aber da war nichts mehr zu machen.

          „Schade ist noch dezent ausgedrückt“, sagte der 44 Jahre alte Kopf des Teams, Marcus Ehning. Er war mit Pret a Tout glänzend unterwegs gewesen, bevor auch er zweimal auf der Schlusslinie patzte. „Ein Fehler wäre noch gut gewesen“, sagte er. „Zwei sind einer zu viel.“ Bundestrainer Otto Becker fasste das Motto für die Schlussrunde zusammen: „Wir kämpfen weiter.“

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