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Olympia-Schützin Engleder : Der goldene Schlusspunkt

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Die deutschen Olympia-Schützen um Barbara Engleder begeistern auch die Fans bei den nationalen Titelkämpfen. Für einen der Medaillengewinner war es jedoch der letzte große Auftritt.

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          Nach knapp zwei Stunden musste ein fleißiger Helfer einen neuen Stapel Autogrammkarten herbeischaffen. Die linke Hand tat da längst weh, aber Barbara Engleder gab noch immer nicht auf. Geduldig schrieb sie Autogramme, bis auch der letzte Wunsch erfüllt war. Sie ließ sich zusammen mit Fans, Jungschützen und alten Schützenmeistern fotografieren, und das alles bei hochsommerlichen Temperaturen von mehr als 30 Grad. Das Zelt, unter dem sie saß, bot zwar Schatten, aber irgendwann war der jungen Frau die Anstrengung anzusehen. Als dann auch noch ihre Goldmedaille vom Tisch verschwunden war, weil die sich eine junge Mutter ausgeliehen hatte, um ihrem Kleinkind das schwere Edelmetall um den Hals zu hängen und diesen Augenblick mit der Handykamera festzuhalten, schritt Engleder ein und protestierte. Am Ende wusste sie nicht mehr, was anstrengender war: der olympische Wettkampf um die Goldmedaille gut zwei Wochen zuvor in Rio de Janeiro oder die Autogrammstunde bei den deutschen Meisterschaften. „Das hält sich ziemlich die Waage“, sagte sie.

          Barbara Engleder hat in Brasilien mit dem Sportgewehr das erste Olympia-Gold für die deutschen Schützen seit Ralf Schumanns Sieg 2004 in Athen gewonnen, zwei Tage nachdem Pistolenschützin Monika Karsch mit Silber für die erste Medaille seit acht Jahren gesorgt hatte. Anschließend polierten noch Henri Junghänel im Liegendschießen und Christian Reitz mit der Schnellfeuerpistole ebenfalls mit Gold sowie die Bogenschützin Lisa Unruh mit der zweiten Silbermedaille die Bilanz auf. Noch nie waren deutsche Schützen bei Olympischen Spielen so erfolgreich gewesen wie in Rio de Janeiro. Fast traditionell treffen sich die Schützen nach dem Großereignis noch zu den deutschen Meisterschaften.

          Goldener Schlusspunkt: Barbara Engleder holt in Rio den Titel

          Die Wettkämpfe auf der Olympia-Schießanlage Hochbrück sind immer so etwas wie Familientreffen. Die besten Schützen aus den vielen Vereinen des Landes versammeln sich an den drei Tagen, und mittendrin sind die erfolgreichen Olympioniken. Vermutlich könnte Barbara Engleder trotz ihres Triumphes noch ziemlich unerkannt durch die Fußgängerzone einer deutschen Stadt spazieren, aber auf der Anlage in Hochbrück kennt sie jeder. Trotzdem wusste sie nicht genau, worauf sie sich einließ, als die Anfrage für die Autogrammstunde kam. „Die letzte, die ich hier gemacht habe, war nach zwanzig Minuten beendet.“ Aber damals war sie eben noch keine Olympiasiegerin. „Was so eine Goldmedaille ausmacht, ist schon enorm.“ Den vier Kollegen, die in Rio de Janeiro zusammen mit Engleder für den historischen Medaillensegen gesorgt haben, erging es nicht viel anders.

          Der Stress hat Spuren hinterlassen

          Die Niederbayerin war wegen ihres dreijährigen Sohnes bereits eine Woche vor den meisten deutschen Olympia-Teilnehmern zurückgekehrt. „Von Rio habe ich deshalb relativ wenig mitbekommen.“ Zwischen dem Athletendorf und der Schießanlage im nicht besonders reizvollen Norden mit vielen Favelas vor allem die Autobahn bei der gut halbstündigen Fahrt. Daheim hatte es dann schon am Flughafen einen großen Empfang gegeben, und in ihrem Heimatort Triftern, einer kleinen Marktgemeinde mit gut 5000 Einwohnern nahe der österreichischen Grenze, warteten mehr als 1000 Fans auf sie. „Das war schon eine coole Sache.“ Einerseits, aber der Stress hat auch Spuren hinterlassen. „Zwischendrin“, sagte sie im schönsten Niederbayerisch, sei sie „kritisch beinand“ gewesen. Aber rechtzeitig zu den deutschen Meisterschaften hat sie sich aufgerappelt. Sich dafür nach dem Höhepunkt Rio noch einmal zu motivieren, „war schon superschwierig“, gab sie zu. Aber die 33 Jahre alte Schützin will ihrem Sport etwas zurückgeben. „Ich wusste ja, was für ein Andrang hier herrschen wird. Deshalb war mir klar, dass ich das noch mache.“

          Der Auftritt in Hochbrück, den sie mit dem zweiten Platz beendete, war für Barbara Engleder der Schlusspunkt ihrer Karriere. „Ich werde das jetzt alles noch in vollen Zügen genießen - und dann endlich heimkommen und nur noch bei meinem Mann und meinem Sohn sein. Die haben viel zu lange auf ihre Frau und ihre Mama gewartet.“

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