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Deutsche Leichtathletik : Das Team der jungen Hüpfer

Auf dem Sprung: Die Siebenkampf-Vierte Carolin Schäfer Bild: dpa

Die deutschen Leichtathleten haben bei den Europameisterschaften in Zürich zwar ihre Medaillenprognose deutlich verfehlt, aber die junge Mannschaft hat etwas, was für Olympia 2016 mehr zählt: Zukunft.

          Wenn ich mir in den nächsten Tagen klarmache, dass ich im Finale Siebter war, werde ich wahrscheinlich total happy sein“, redete sich Timo Benitz ein. Er kam von der Bahn, auf der er erschöpft und enttäuscht liegen geblieben war. Dafür trainiert er, den Endlauf solcher Meisterschaften zu erreichen – und damit gibt er sich selbstverständlich doch nicht zufrieden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der junge deutsche Meister aus dem Nordschwarzwald, gerade 22 Jahre alt, ist Teil einer Jugendbewegung, die sich bei der EM in Zürich voller Selbstbewusstsein gezeigt hat: bei der Erneuerung der deutschen Leichtathletik. Von der in den vergangenen Jahren immer wieder besungenen Laufkrise keine Spur; Springer, Werfer und Läufer mit besten Perspektiven.

          Kommen die Talente vielleicht sogar in Gruppen? Benitz ist einer von drei Läufern, die es in den Endlauf über 1500 Meter schafften: vor ihm auf Platz fünf Homiyu Tesfaye, hinter ihm an Position zehn Florian Orth.

          Richtung ist deutlich

          Am Vorabend war es ein Trio von Diskuswerferinnen gewesen, das zeigte, mit wem Olympiasiegerin und Weltmeisterin Sandra Perkovic aus Kroatien in Zukunft wird rechnen müssen. Shanice Craft, 21 Jahre alt, gewann die Bronzemedaille, auf die Plätze vier und fünf kamen Anna Rüh, 21, und Julia Fischer, 24. „Wenn es eine Mannschaftswertung gäbe, müssten wir Gold bekommen“, sagte Anna Rüh.

          Die Unerfahrenheit der Sprinterin Rebekka Haase mag sich noch im gescheiterten Staffel-Wechsel auf Tatjana Pinto und dem Ausscheiden der Deutschen gezeigt haben. Doch die Richtung ist deutlich: an die Spitze. „Mir ging es bei meinem ersten internationalen Einsatz genauso“, urteilte die ehemalige Europameisterin Verena Sailer voller Nachsicht.

          Den Bogen nach Rio spannen: Stabhochspringer Dilla

          Die 22 Jahre alte Gesa Krause im Hindernis-Endlauf mit der acht Jahre älteren neuen Europameisterin Antje Möldner-Schmidt am Sonntag, Richard Ringer Vierter über 5000 Meter, Matthias Bühler und Erik Balnuweit im Halbfinale über 110 Meter Hürden, die zwanzigjährige Weitspringerin Malaika Mihambo gleichauf mit der Dritten auf Platz vier, Felix Franz Fünfter und Varg Königsmark Siebter im Endlauf über 400 Meter Hürden, Martin Grau und Steffen Uliczka im Hindernis-Finale auf den Plätzen acht und vierzehn, U-23-Europameister Kai Kazmirek nur vom verpatzten Stabhochsprung am Gewinn einer Medaille im Zehnkampf gehindert, die Siebenkämpferinnen angeführt von der 22 Jahre alten Carolin Schäfer, die Platz drei um zwei Sekunden verpasste, Cindy Roleder auf Platz drei im Hürdensprint, Nadine Hildebrand und die Jüngste der Mannschaft, die 19 Jahre alte Chemnitzerin Franzisca Hofmann, ebenfalls über die Hürden im Halbfinale – Beispiele für den Aufschwung im Team.

          Ein Viertel der Mannschaft von 93 Athleten ist 22 Jahre alt und jünger, da zählt die Perspektive mehr als die Gegenwart.

          Sportdirektor Thomas Kurschilgen will deshalb Kritik an der vermeintlich geringen Medaillenausbeute bei der Europameisterschaft in Zürich – bis zu zwanzig waren teilweise prognostiziert worden – nicht akzeptieren. Die Komplexität des Spitzensports sei nicht dadurch abzubilden, dass man Gold-, Silber- und Bronzemedaillen zählt. „Unglückliche vierte und fünfte Plätze gibt es nicht“, erwidert er auf die Vorhaltung eines Medaillenspiegels, der das schlechteste Ergebnis seit der deutschen Einheit ausweist: vier – eins – drei.

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