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Deutsche Handballfrauen : Mehr Mut!

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Mit Zug zum Tor: Xenia Smits belebt das deutsche Spiel Bild: dpa

Die deutschen Handballspielerinnen können „mehr, als sie sich zutrauen“. Xenia Smits macht es vor: Sie ist der einzige Profi. Ihre Übersicht könnte das Team ans Halbfinale heranführen.

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          Vor einem Jahr und drei Tagen saß Xenia Smits weinend auf der Bank in der Magdeburger Getec-Arena und verbarg das Gesicht in der hochgezogenen Trainingsjacke. Was half es noch, dass sie ordentlich gespielt hatte gegen Dänemark und mit sechs Toren aus acht Versuchen die einzige Deutsche auf passablem Niveau gewesen war? Die erste Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) hatte 17:21 gegen Dänemark verloren und war bei der Weltmeisterschaft daheim schon im Achtelfinale ausgeschieden.

          Dem Katzenjammer folgte die Rücktrittswelle. Smits blieb dabei. Ihre Saison entwickelte sich nach dem Tiefschlag von Magdeburg ausgesprochen erfreulich: Mit dem französischen Klub Metz Handball gewann sie die Meisterschaft und erreichte das Viertelfinale der mit starken osteuropäischen Mannschaften besetzten Champions League.

          Als einziger Auslandsprofi ist Xenia Smits nun mit den Kolleginnen nach Frankreich zur Europameisterschaft gereist, man könnte auch sagen als einziger Profi, denn alle Mitspielerinnen studieren oder arbeiten nebenbei. Für Bundestrainer Henk Groener lag es nahe, Smits zu einer Anführerin der jungen deutschen Gruppe zu machen.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Diese Rolle füllt die 24 Jahre alte Rückraumspielerin gerade beeindruckend aus. Als es am Mittwochabend bei den Deutschen im rechten Rückraum klemmte, übernahm die Rechtshänderin Smits den Posten, der ja eigentlich für eine Frau vorgesehen ist, die mit links wirft. Smits ist groß und schnell, sie kann kraftvoll ins Eins-gegen-Eins gehen und hat auch einen guten Wurf, dank respektabler Größe. Aber auf der „falschen“ Seite waren eher ihre Qualitäten als Anspielerin gefragt. Verlässlich versorgte sie den Kreis und die rechte Außenposition.

          Das war ziemlich klug, nahm dem deutschen Spiel die Hektik und führte neben guter Abwehrarbeit dazu, dass sich Groeners Team auf 24:20 absetzte und am Ende 30:28 gewann. Es war die starke Seite einer Mannschaft, die den Fünf-Tore-Rückstand aus der ersten Halbzeit verdaut und ein Spiel gedreht hatte, in dem es um den Einzug in die nächste Runde ging.

          Jetzt stehen eine sehr gute Partie gegen Titelverteidiger Norwegen (33:32), eine wechselhafte gegen Rumänien (24:29) und ebendieses erkämpfte 30:28 gegen Tschechien im Turnierzeugnis, wobei man sagen muss, dass den Deutschen die Verletzung der besten Tschechin sehr half – Iveta Luzumova spielte nach ihrer Blessur am linken Arm in der 17. Minute nicht mehr in der Abwehr und war auch vorn eingeschränkt.

          Für Xenia Smits geht das Turnier an diesem Freitag (18 Uhr) mit der ersten Hauptrundenpartie gegen Spanien nicht nur weiter, sondern sie nähert sich auch ihrer sportlichen Heimat. Aus Brest ist die deutsche Reisegruppe am Donnerstag nach Nancy geflogen. Das liegt nur 60 Kilometer von Metz entfernt. Sie hoffe auf ein paar Fans, die nun sie und die deutsche Mannschaft unterstützen werden, sagte Xenia Smits gut gelaunt.

          Sie ist in Wilrijk in Belgien geboren und kam über das Leistungszentrum in Bad Wildungen zum deutschen Handball. Den deutschen Pass hat sie seit 2014 und spielt nach fünf Jahren bei der HSG Blomberg-Lippe nun im vierten Jahr in Metz. „Meine Eltern haben Volleyball gespielt, ich war auch beim Volleyball, beim Tennis, beim Kinderturnen, beim Fußball und beim Reiten. Als Kind war ich ständig in Bewegung“, hat sie dem Magazin „Handball Inside“ verraten. Als beim Handball-Training eines Freundes ein Spieler fehlte, half die kleine Xenia aus, die aber erst mal wegen fehlender Fachkenntnisse ins Tor musste. Wegen ihrer Größe (und Fähigkeiten) rückte sie bald in den Rückraum auf. Dort ist sie geblieben.

          Auch beim Jubeln im Mittelpunkt: die in Belgien geborene Xenia Smits führt die deutschen Frauen an.
          Auch beim Jubeln im Mittelpunkt: die in Belgien geborene Xenia Smits führt die deutschen Frauen an. : Bild: dpa

          Die weiteren Möglichkeiten in den Partien gegen Ungarn am Sonntag und den Weltmeisterschaftsdritten Niederlande am Mittwoch will im deutschen Tross keiner so recht beziffern. Genießen und lernen, hatte Bundestrainer Groener als Motto für die Hauptrunde vorgegeben. „Ich hoffe, dass die Spielerinnen jetzt merken, dass sie mehr können, als sie sich momentan zutrauen“, sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir gehen jetzt in jedes Spiel, um es zu gewinnen.“ Groener hat als Fernziel die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ausgegeben, allerdings auch verdeutlicht, dass sich die beste Frauenmannschaft des weltgrößten Handballverbandes bei der kontinentalen Messe nicht verstecken dürfe. Nur einmal im Jahr hat der deutsche Frauenhandball die Chance, wahrgenommen zu werden in der Sportöffentlichkeit – ein Ausscheiden in der Vorrunde hätte das zarte Pflänzchen Hoffnung gleich wieder zertreten, das mit dem Engagement des erfahrenen und erfolgreichen Groener gesprossen ist.

          Mit zwei Punkten startet sein Team nun in der Hauptrunde. Eine Art Endspiel gegen die Niederländerinnen um einen Platz im Halbfinale ist zumindest vorstellbar. Allerdings wird dann Xenia Smits wieder in gewohnter Rolle im linken Rückraum benötigt. Dort haben die Deutschen mit Smits und Emily Bölk ein Kraftzentrum, das noch mehr eingebunden werden müsste im deutschen Spiel.

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