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Überraschung bei WM : Der Schlussschwimmer schlägt einen Olympiasieger

  • -Aktualisiert am

Endspurt: Schlussschwimmer Rob Muffels sichert der deutschen Freiwasser-Staffel in einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Goldmedaille. Bild: dpa

Die Staffel im Freiwasser wird erst auf den letzten Metern entschieden. Schlussschwimmer Rob Muffels liefert sich ein Kopf-an-Kopf mit dem Italiener Gregorio Paltrinieri – lässt sich aber nicht abhängen.

          Lob für den Gegner, das ist nach einem Sieg besonders einfach. Und wenn es dann auch noch ein unerwarteter Erfolg ist, wie das WM-Gold mit der gemischten 4 x 1,25-Kilometer-Freiwasserstaffel, dann kommt vor lauter Freude auch schon mal die ein oder andere Anekdote auf den Tisch. An diesem Donnerstag kam auch Team-Weltmeister Rob Muffels ins Plaudern. Er erzählte von diesem Wettkampf 2011 im römischen Foro Italico, bei dem er im Vorlauf über 1500 Metern ausgeschieden war. Im Finale habe er dann diesen 16 Jahre alten Gregorio Paltrinieri siegen sehen, der wenig später Junioren-Weltmeister werden sollte. „Da habe ich nur gedacht: Fuck, der ist mein Jahrgang, ich bleibe lieber beim Freiwasser.“

          Es ist unwahrscheinlich, dass der junge Paltrinieri den Deutschen damals schon wahrgenommen hat. Doch spätestens, seit der 1500-Meter-Olympiasieger sich im vergangenen Jahr entschieden hat, sein Olympia-Glück auch im Freiwasser zu versuchen, weiß er um Muffels Stärken – vor allem im direkten Duell. Daher hieß auch der Plan des deutschen Quartetts: Alles für Schlussschwimmer Muffels und seine Endspurtqualitäten vorbereiten. WM-Debütantin Lea Boy und Beckenschwimmerin Sarah Köhler sollten dranbleiben, wenn die anderen Nationen zunächst ihre Männer ins Rennen schicken. Während sich Boy gerade in der kritischen Startphase stark freigeschwommen hatte, fuhr Köhler auch mal die Ellenbogen aus, als es ihr zu bunt wurde mit den drängelnden Männern. Die Verwarnung dafür, „sich nicht einfach wegschieben zu lassen“, nahm sie gerne in Kauf. Sören Meißner sollte dann den Kontakt zu Italien herstellen, zog dann aber sogar noch an Domenico Acerenza vorbei.

          „Wir machen das in zwei Jahren nochmal“

          Die wenigen Sekunden Vorsprung, die der Würzburger an Muffels übergeben konnte, waren der Schlüssel für eine Schlussrunde, die Erinnerungen an das Silber-Rennen 2018 weckte. Im schottischen Loch Lomond hatte 1500-Meter-Europameister Florian Wellbrock als Schlussschwimmer im Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Freiwasser-Olympiasieger Ferry Weertman den Kürzeren zog. Bei der WM verzichtete Wellbrock auf einen Staffelstart, der 21-Jährige bereitet sich seit dem Titel über zehn Kilometer auf seine Starts im Becken vor.

          Wie damals Wellbrock versuchte nun auch Paltrinieri, seine Geschwindigkeitsvorteile auszuspielen, doch Muffels dachte gar nicht daran, den im Freiwasser noch relativ unerfahrenen Italiener wegziehen zu lassen. „Es war klar, dass ich ihn so ein bisschen auf Freiwasser-Manier behandeln muss, damit ich bei seinem hohen Tempo überhaupt mitkomme“, sagte Muffels. „Ich wollte ihn nicht behindern, ich wollte einfach nur ein bisschen Gewicht auf seine Hüfte packen, was ich mit meiner Körpermasse ganz gut machen kann.“ Allerdings habe er dies „wirklich zart“ getan, schließlich war das Team ja bereits verwarnt worden. „Es ist wirklich schwer, Rob abzuschütteln – ich habe es nicht geschafft“, sagte Paltrinieri später mehr anerkennend als genervt und fügte mit Blick Richtung Muffels grinsend an: „Wir machen das in zwei Jahren noch mal.“

          Ohnehin ist Muffels die Überraschung dieser Freiwasser-WM. 2015 als Weltmeister über fünf Kilometer noch an der Qualifikation für die Spiele in Rio de Janeiro gescheitert, wartete der 24-Jährige seither auf seinen Durchbruch auf den olympischen zehn Kilometern. Zwar errang der anfänglich im Wasser etwas orientierungslose Schwimmer mit den Jahren ein paar Erfolge auf der Weltcup-Tour, doch bei Saisonhöhepunkten wollte es einfach nicht klappen. Bis zum vergangenen Dienstag, als Muffels mit Übersicht und der richtigen Strategie beim Sieg von Wellbrock zu Bronze schwamm. Auch auf die Aussicht, eine Runde Schulter an Schulter gegen „so einen Weltklasseschwimmer“ wie Paltrinieri antreten und noch einmal zeigen zu können, was in einem steckt – „da freut man sich schon mal drauf“, gab Muffels später zu. Einen Becken-Olympiasieger dann mit den eigenen Mitteln wirklich geschlagen zu haben, das fühle sich dann auch sehr gut an. „Das werde ich mir vielleicht auch in meine Biografie schreiben.“

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