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Deutsche Fed-Cup-Mannschaft : Einstand auf der Trauminsel

Kerber und Görges fallen aus: Angeführt wird die deutsche Mannschaft nun von der Weltranglisten-73. Laura Siegemund. Bild: dpa

Gleich bei seinem Debüt als Fed-Cup-Kapitän muss Rainer Schüttler auf Topspielerinnen wie Julia Görges oder Angelique Kerber verzichten. Dennoch stehen die Chancen auf Erfolg gut. Das hat einen Grund.

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          Es gibt zweifellos schlechtere Orte als Florianópolis, um einen neuen Job anzutreten. Schließlich hat die Stadt auf der brasilianischen Trauminsel Santa Catarina trotz derzeit anhaltender Regenfälle noch immer angenehme 25 Grad Celsius Durchschnittstemperatur sowie etliche malerische Sandstrände zu bieten. Rainer Schüttler ist an diesem Freitag (ab 16 Uhr MEZ bei sportdeutschland.tv) und am Samstag erstmals als Kapitän für die deutschen Fed-Cup-Mannschaft verantwortlich. Für den ehemaligen Tennisprofi und seine Spielerinnen geht es gegen Gastgeber Brasilien um die Qualifikation für das neue Finalturnier des Nationenwettbewerbs.

          Dabei fehlen Schüttler und seiner Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bei dem auf einem Sandplatz ausgetragenen Duell die besten Spielerinnen. Nachdem Julia Görges ihren Verzicht bereits frühzeitig angekündigt hatte und Andrea Petkovic aufgrund zu großen Trainingsrückstands fehlt, sagte zuletzt auch noch Angelique Kerber mit Verweis auf eine bei den Australian Open erlittene Oberschenkelverletzung ab. Der neue Teamchef muss stattdessen bei seinem Debüt auf die zweite Garde setzen. Angeführt wird die deutsche Mannschaft nun von der Weltranglisten-73. Laura Siegemund. Daneben gehören Tatjana Maria (91.), Anna-Lena Friedsam (132.) und Antonia Lottner (155.) zum Aufgebot.

          Weil allerdings die Brasilianerinnen im Ranking wiederum nur die Positionen 225, 374, 396 und 398 belegen, sind die Erfolgsaussichten der Deutschen dennoch ausgezeichnet. „Wir sind von der Papierform her Favorit“, sagt auch Schüttler, der natürlich trotzdem pflichtbewusst davor warnt, die Aufgabe auf die leichte Schulter zu nehmen. Zumindest aber soll der Ausfall der drei arrivierten Spielerinnen kein Thema sein. „Wichtiger ist, dass Jule, Angie und auch Andrea signalisiert haben, beim Finalturnier in Ungarn gerne dabei sein zu wollen“, sagt Schüttler.

          „Grenzwertig, was die Fans in Brasilien machen“

          Vom 14. bis 19. April steigt dieser neugeschaffene Wettbewerb in Budapest, der kompakte Modus soll die Attraktivität steigern. Die Reform, analog zum Davis Cup im vergangenen Jahr, war in Tenniskreisen dennoch äußerst umstritten. Zwölf Nationen nehmen teil, wobei Vorjahressieger Frankreich, Finalgegner Australien, Gastgeber Ungarn und Tschechien dank Wildcards bereits qualifiziert sind. Die übrigen acht Starter werden nun in den Play-offs ermittelt.

          Lösen die deutschen Tennis-Damen dort ihre Pflichtaufgabe in Brasilien, käme es für Schüttler bei dem Turnier wohl auch zum Wiedersehen mit Kerber. Der frühere Australian-Open-Finalist hatte die Wimbledonsiegerin von 2018 im Vorjahr als Trainer betreut. Nach nur sieben eher erfolglosen Monaten endete die Zusammenarbeit jedoch relativ abrupt. Im Nachhinein spricht der 43-Jährige trotzdem ausschließlich positiv über die gemeinsame Zeit. Gerade über die Unterschiede zwischen Männer- und Frauentennis, die Unterschiede auch in der Art der Kommunikation und der Ansprache, habe er viel gelernt, betont er immer wieder. Fähigkeiten, die Schüttler nun auch bei seiner Aufgabe als Fed-Cup-Kapitän durchaus zugutekommen dürften.

          „Mich reizt es, eine Mannschaft zu formen, in der jeder an einem Strang zieht“, formuliert er seinen eigenen Anspruch. In Australien habe sich das Team deshalb schon einmal zu einem gemeinsamen Abendessen zusammengefunden. „Sehr harmonisch“ sei das gewesen, berichtet Schüttler. „Ich bin überzeugt davon, dass wir bereit sein werden.“

          Bereit sein sollte seine Mannschaft auch für die zu erwartende hitzige Atmosphäre in Florianópolis. Schüttler selbst erinnert sich noch lebhaft an eine Davis-Cup-Partie im Jahr 2003, als er bei einem Dreisatzsieg über den brasilianischen Nationalhelden Gustavo Kuerten neben dem Gegner auch gegen die Zuschauer zu kämpfen hatte. „Es ist grenzwertig, was die Fans in Brasilien machen“, warnt er. „Darauf müssen wir uns einstellen.“ Sonst ist die vermeintliche Trauminsel ganz schnell doch kein so schöner Ort mehr.

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