https://www.faz.net/-gtl-y6u4

Deutsche Eishockey Liga : Panne führt zu Videobeweis-Eklat

  • Aktualisiert am

„Wo ist der Puck?”: In Köln sahen alle, dass es ein Tor war - nur der Schiedsrichter nicht Bild: dpa

Warum gibt es den Videobeweis, wenn er doch keine sportliche Gerechtigkeit bringt? Der Eklat um ein nicht gegebenes eindeutiges Tor in der Deutschen Eishockey Liga ist Wasser auf die Mühlen derer, die technische Hilfsmittel im Fußball ablehnen.

          Im Fußball herbeigesehnt, beim Eishockey versagt: Auch der von vielen als „Allheilmittel“ im Kampf um sportliche Gerechtigkeit gefeierte Videobeweis ist vor menschlichen Fehlern nicht sicher. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ist wegen einer Kommunikationspanne am Freitag nur knapp an einem handfesten Skandal vorbeigeschrammt.

          Im Derby zwischen Köln gegen Düsseldorf erkannte Schiedsrichter Lars Brüggemann beim 3:2-Sieg nach Penaltyschießen der DEG Metro Stars zum Entsetzen der vielen Fernsehzuschauer ein klares Düsseldorfer Tor nicht an, obwohl er den Videobeweis bemühte. Da sich die Gäste im 189. rheinischen Derby dennoch durchsetzten, wurde noch größeres Aufsehen um die katastrophale Fehlentscheidung verhindert.

          Für Brüggemann hat die Aktion keine Konsequenzen. Die DEL nahm den Unparteiischen in Schutz. „Er konnte es nicht sehen. Die Tücken der Technik haben dazu geführt“, sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke der Nachrichtenagentur dpa über den ersten regelkonform verwandelten Penalty von DEG-Kapitän Daniel Kreutzer im finalen Shoot-Out.

          „Um Gottes Willen. Das ist der Hammer“

          Brüggemann hatte den Videobeweis herangezogen, da die Scheibe extrem schnell und mit bloßem Auge kaum erkennbar im Kölner Gehäuse einschlug. Laut Tripcke habe der Schiedsrichter dabei nicht alle eindeutigen Einstellungen zur Verfügung gehabt, die der Pay-TV-Sender Sky immer wieder einspielte. „Jeder in Deutschland weiß, dass es ein Tor war, nur der Schiedsrichter nicht“, sagte Tripcke.

          Demnach sorgte mangelnde Kommunikation zwischen Sky und den Zeitnehmern dafür, dass Brüggemann nur Zeitlupen zur Verfügung standen, auf denen das Tor nicht eindeutig zu sehen gewesen sein soll. „Da hat ein Techniker zu schnell auf Stopp gedrückt“, so Tripcke. „Torschütze“ Kreutzer konnte es nicht fassen. „Mir hat er gesagt, er hätte den Puck an der Latte gesehen“, erzählte Kreutzer nach der Partie - ein Hohn angesichts der eindeutigen Bilder.

          „Um Gottes Willen. Das ist der Hammer. Eine solche Entscheidung darf es nicht geben“, wetterte auch der ehemalige Düsseldorfer und Kölner Trainer Hans Zach als Ko-Kommentar. „Wir haben doch auch die Bilder. Das muss doch jeder sehen“, ereiferte sich Zach, der hierbei jedoch irrte. Kreutzer nahm es angesichts des Sieges gelassen: „Gott sei Dank haben wir gewonnen. Damit ist es egal.“

          „Dafür haben wir den Videobeweis ja“

          Klubkamerad Tyler Beechey verwandelte den entscheidenden Penalty. Ein fader Beigeschmack blieb dennoch. Im Fall einer Niederlage hätte die DEG wegen der Tatsachenentscheidung noch nicht einmal Einspruch erheben können. Auch wird das Eishockey gern als Paradebeispiel von Fußballern angeführt, die sich bei strittigen Torszenen benachteiligt fühlen.

          Bei der WM in Südafrika sorgte beim 4:1 Deutschlands im Achtelfinale gegen England ein nicht gegebenes eindeutiges Tor von Englands Frank Lampard für Aufsehen. Der Fußball-Weltverband Fifa öffnet sich nur zögerlich technischen Hilfsmitteln, die Europäische Fußball-Union Uefa baut auf Torrichter. Tripcke will nun erörtern, wie sich solche Pannen künftig vermeiden lassen: „Dafür haben wir den Videobeweis ja. Wir sind mit Sky in Gesprächen, wie wir die Kommunikation verbessern können.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einladung angenommen : Putin fährt zu Kim nach Nordkorea

          Kim Jong-un kann in seiner Heimat wohl bald einen neuen Staatsgast begrüßen: Nach ihrem Treffen in Wladiwostok soll Russlands Präsident Wladimir Putin die Einladung zum Gegenbesuch angenommen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.