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Deutsche Eishockey Liga : „Das schlechteste Spiel, das je in Köln ausgetragen wurde“

  • -Aktualisiert am

Er hat derzeit viele Gründe für tiefe Sorgenfalten: Kölns Trainer Doug Mason Bild: picture-alliance/ dpa

Fünf Spiele, fünf Niederlagen: Die Deutsche Eishockey Liga hat kaum begonnen, da stecken die Kölner Haie schon tief in der Krise. Warum, ist ihnen selbst ein Rätsel. Doch zwei Geschichten aus der Vorbereitung dämpften die Stimmung.

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          Krisen kommen und gehen, aber so früh kommen sie selten, schon gar nicht bei den Kölner Haien. Der renommierte Eishockeyklub ist so schlecht in die Meisterschaft gestartet wie seit 35 Jahren nicht. Fünf Runden, fünf Niederlagen, darunter zwei binnen weniger Tage gegen den Erzrivalen Düsseldorfer EG Metrostars, „das ist die Höchststrafe“, wie KEC-Manager Rodion Pauels sagt.

          Ihren vorläufigen Gipfel erreichte die Krise beim 1:5 daheim gegen Kassel. „Das war wohl das schlechteste Spiel, das je in der Kölnarena ausgetragen wurde. Da hätten wir sicher auch gegen jeden Zweitligisten klar verloren. Wir hatten keine Chance, da war überhaupt nichts mehr“, sagt Pauels. Angetreten ist der achtmalige Champion jedoch – wie fast immer – mit dem Ziel, deutscher Meister zu werden.

          „Die erfahrenen Spieler sind völlig außer Form“

          Das Gravierende an der aktuellen Misere ist ihre ganzheitliche Wirkung. Erst verlor die Kölner Mannschaft knapp, weil sie zu wenig Tore schoss, dann bekam sie auch noch eine Fülle von Gegentreffern: sieben gegen Düsseldorf, sechs in Iserlohn und fünf gegen Kassel, einen Aufsteiger. Zeitweise hätten die Haie „ohne Abwehrverhalten“ auf dem Eis gestanden, urteilt Pauels. Alle Mannschaftsteile seien verunsichert. „Die Neuzugänge können keine Impulse geben, die erfahrenen Spieler sind völlig außer Form.“ Trainer Doug Mason, der das Team zuletzt ins Finale führte, steht dennoch nicht zur Disposition – behaupten seine Vorgesetzten.

          So leicht wollen sie es sich (noch) nicht machen. Nach der Niederlage gegen Kassel erschien Geschäftsführer Thomas Eichin im stickigen, fensterlosen Presseraum der Kölnarena, „um allen Spekulationen vorzubeugen“. Mit Mason als Trainer sei „die Chance am größten, da unten rauszukommen“. Statt unter dem Eindruck eines „brutalen medialen Chaos“ voreilig den Trainer zu opfern, wollen die Verantwortlichen den Druck auf die Spieler steigern. „Nicht alle haben verstanden, dass es bereits am ersten Spieltag um alles geht“, sagt Pauels. „Wenn Spieler wie gegen Kassel in einem Drittel viermal über die eigenen Füße stolpern, hat das nichts mit dem Trainer zu tun.“

          „Alles umgebaut - in der Verteidigung wie im Sturm“

          Unbegrenzte Geduld wird aber auch Mason nicht zuteil. „Es gibt kein Ultimatum“, sagt Pauels. Wie Geschäftsführer Eichin traue auch er Mason die Wende zu, „aber wir müssen jetzt auch mal ein Spiel gewinnen“. Die jüngsten Trainingseindrücke stimmten ihn zuversichtlich, dass der erste Saisonsieg an diesem Freitag gegen die Hamburg Freezers gelingen werde. Bei 52 Vorrundenspielen, in denen sechs feste Play-off-Teilnehmer ermittelt werden, mag der Fehlstart eines Titelkandidaten nicht so dramatisch erscheinen wie in anderen Sportarten und Ligen. Doch der Rückstand der Kölner ist auch im Eishockey nicht so leicht aufzuholen.

          Was die aktuelle von anderen Kölner Krisen unterscheidet, ist der Zeitpunkt. Wenn eine Spitzenmannschaft dieser Couleur im Februar oder März Schwächen zeigt, weiß sie aus Erfahrung, wie gut sie ist, und entwickelt zumeist ausreichende Selbstheilungskräfte. Das scheint zu Beginn der Saison schwieriger zu sein. „Die Jungs müssen wissen, wie es ist zu gewinnen, aber sie wissen es derzeit nicht“, sagt Pauels. Warum die Erfahrungen aus früheren Spielzeiten einer so routinierten Mannschaft nicht helfen, vermag der Manager nicht zu ergründen. „Das ist das eigentliche Rätsel.“ Derzeit werde „alles umgebaut, in der Verteidigung wie im Sturm“, um der Abwärtsspirale entgegenzuwirken.

          Noch bleiben den Kölner Haien 47 Hauptrundenspiele

          Schon die Saisonvorbereitung hatte unter keinem guten Stern gestanden. Zwei Vorgeschichten dämpften die Stimmung bei den Haien: Nationaltorwart Robert Müller erkrankte in diesem Sommer abermals schwer; nach einer Operation am Kopf fällt er lange aus. Stürmerstar Ivan Ciernik, der in der vorigen Saison 49 Tore erzielt hatte, wanderte nach einem Disput mit Mason in Richtung Nowosibirsk ab – eine Personalie, die in manchen Medien als mögliche Ursache für den Fehlstart gedeutet wird. Diese Trennung dem Trainer anzulasten sei jedoch falsch, sagt Pauels. Unabhängig vom Streit der beiden sei Ciernik trotz eines bestehenden Vertrages „nicht zu halten gewesen, weil er in Russland das Vierfache verdient“. Der Slowake habe „sich für das Geld entschieden“. Andere Profis, die in Köln lukrative Verträge hätten, müssten „nun zeigen, dass wir sie zu Recht so gut bezahlen“.

          Namen nennt der Manager nicht. Was sie zu leisten haben, taxiert er nur zu genau, bis hinter das Komma. Etwa 1,8 Punkte je Spiel seien erforderlich, um sich für die Play-offs zu qualifizieren. So gesehen liegen die Haie (mindestens) neun Zähler hinter dem eigenen Anspruch zurück. Doch noch bleiben 47 Hauptrundenspiele. Das dürfte die einzige Zahl sein, die den Kölner Haien derzeit Mut macht.

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