https://www.faz.net/-gtl-6jzb5

Deutsche Degendamen : Auch gemeinsam sind sie stark

Mal miteinander... Bild: picture-alliance/ dpa

Imke Duplitzer und Britta Heidemann sind die beiden Antipoden im deutschen Fechtsport. Bei der EM in Leipzig kämpfen sie miteinander um eine Medaille im Degen-Team.

          Piotr Sozanski ist ein erfolgreicher Fechtmeister, aber um seine Aufgabe als Disziplintrainer Damendegen im Deutschen Fechter-Bund ist er auch nicht immer zu beneiden. Der 46 Jahre alte Bundestrainer muss nicht nur seine eigene Tochter Monika Sozanska (Heidenheim) bei Laune halten - die in der starken deutschen Equipe die Nummer drei ist - er muss vor allem seine beiden Spitzenkräfte auf das gemeinsame Ziel einschwören. Denn Imke Duplitzer (Bonn) und Britta Heidemann (Leverkusen) sind mit dem Degen ebenso erfolgreich wie als Persönlichkeiten unterschiedlich.

          Bei den Europameisterschaften in Leipzig steht an diesem Mittwoch der Mannschaftswettbewerb mit dem Degen an, bei dem sich die deutsche Equipe gute Medaillenchancen ausrechnet. Doch Sozanskis beste Kräfte gehen mit frischen Wunden einerseits und überraschenden Glücksgefühlen andererseits in diesen Wettbewerb. Im Einzel hatte das Los Olympiasiegerin Heidemann und die Deutsche Meisterin Duplitzer schon in der Runde der besten 32 gegeneinander geführt. Die fast 35 Jahre alte Duplitzer gewann den Nervenkrieg im Sudden Death mit 8:7 - und feierte am Ende des Tages überschwänglich ihre zweite Europameisterschaft nach 1999 - während die Titelverteidigerin sich schon früh am Morgen aufs Autogramme Geben beschränken musste.

          Zwei „meinungsstarke Menschen“ in einer Mannschaft

          Dass aus dem Frustresultat ein Problem der Miteinander-Motivation erwachsen könne, wiegelt die Jüngere ab: „Das sind zwei völlig unterschiedliche Schuhe. Im Einzel gewinnt mal die eine, mal die andere. Im Team haben wir es immer noch gut gemeinsam hinbekommen.“ Nach zwei Tagen Erholung und Runterkommen sei sie neu motiviert und wolle mit der Mannschaft erfolgreich sein - und das gehe nun mal nur im Duett mit Duplitzer. Dummerweise hatte die Bonnerin aber auch schon bei der Deutschen Meisterschaft gegen Heidemann gewonnen - und diesen Erfolg mit unnötigen Triumphgesten überbetont.

          ...mal gegeneinander: Britta Heidemann (r.) und Imke Duplitzer

          Seitdem hegen die beiden Degendamen noch weniger Sympathie füreinander als zuvor, auch wenn sie in Leipzig „sehr professionell miteinander umgehen“, wie Sportdirektor Manfred Kaspar betont. Er kennt seine Antipoden schon sehr lange, war er doch vor Sozanski Damendegen-Bundestrainer. Kaspar hatte Heidemann zum Olympiasieg und Duplitzer zum Gesamtweltcupsieg geführt und stets betont, wie sehr er sich freue, zwei so „meinungsstarke Menschen“ in seiner Mannschaft zu haben.

          Unterschiede in fast allen Lebensbereichen

          Zwischen denen freilich schon lange ein mal unterschwellig, mal offen ausgetragener Konflikt schwelt. Während Heidemann sich mit ihren 27 Jahren gewöhnlich diplomatisch ausdrückt, und nach ihrem abgeschlossenen BWL-Studium schon als eine Art Einzelunternehmerin agiert, trägt Duplitzer das Herz allzu offen auf der Zunge - ist aber als Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr beruflich abgesichert.

          Konfliktpunkte zwischen beiden gibt es fast in allen Lebensbereichen. Nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen hatte sich die bekennende Homosexuelle Duplitzer über Heidemanns nackte Fotostrecke im Playboy mokiert: Ihre „Haut zu Markte zu tragen“ sei doch so ziemlich das Letzte, was man tun könne. Vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking ging es dann weniger um äußere Werte als um innere Einstellungen: An der Haltung zu China im Allgemeinen und der politischen Führung im Besonderen entbrannte eine heftige Rivalität. Während Heidemann, die schon als Teenager ausgedehnte China-Reisen unternahm, die positiven Effekte von Olympia für das Land betonte, profilierte sich Duplitzer als Menschenrechtlerin und China-Kritikerin. Der „Zickenkrieg“ neben der Planche hatte aber auch den werberelevanten Neben-Effekt , dass die beiden Musketiere plötzlich bekannter waren als Degenfechterinnen normalerweise sind.

          Im Teamwettbewerb an diesem Mittwoch soll das alles vergessen sein. Die Generalprobe beim Weltcup in Montreal Ende Mai war zumindest erfolgreich. Deutschland gewann gegen Weltmeister Italien im Finale 45:37. Drei Siege sind bei der EM nötig, um das erklärte Ziel zu erreichen: eine Medaille zu gewinnen. Sozanski will sein Kleeblatt, zu dem als Ersatzfrau noch Ricarda Multerer (Heidenheim) zählt, je nach zugelostem Gegner ein- und aufstellen, und dabei seine Frauen ins Gespräch einbeziehen: „Wir machen das gemeinsam im Team“, sagt der Bundestrainer: „Alle sind gleichberechtigt.“ Alle.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD-Vorsitz : Scholz will im Duo mit Klara Geywitz antreten

          Vizekanzler Olaf Scholz hat eine Frau für die Kandidatur zum SPD-Vorsitz gefunden: die wenig bekannte Klara Geywitz aus Brandenburg. Generalsekretär Klingbeil und Niedersachsens Ministerpräsident Weil wollen nicht antreten.

          Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

          Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.
          Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender der Großbank JPMorgan Chase, ist auch Vorsitzender des „Business Roundtable“.

          Erklärung : Amerikas Unternehmenslenker rufen zur Nachhaltigkeit auf

          Eine der wichtigsten Interessengruppen amerikanischer Unternehmen trägt in einer Erklärung die Orientierung am „Shareholder Value“ zu Grabe. Nicht nur das Wohl der Anteilseigner, sondern das der ganzen Gesellschaft soll künftig zählen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.