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Der Traum vor einer WM-Medaille : Deutsche Hockeydamen wollen nach Spanien

  • -Aktualisiert am

Anne Schröder am Ball: „Genialität“ und „Extraklasse“ Bild: AP

In der Vorrunde der Hockey-WM spielt das deutsche Team in Amsterdam. Um Medaillen geht es dann in der katalonischen Stadt Terrassa. Dort zieht es Anne Schröder und ihre „Danas“ hin.

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          In dieser Frage steckte viel Lob – aber auch der Hinweis auf besondere Verantwortung. In Berichten über sie fielen oft die Einschätzungen „Genialität“ und „Extraklasse“, wie nehme sie selbst das eigentlich wahr, wurde Anne Schröder wenige Tage vor der Hockey-Weltmeisterschaft in Spanien und den Niederlanden gefragt.

          Sie schien sofort zu wissen, in welche Richtung das gemeint war: „Eigentlich lese ich in Berichten über mich von meinem Temperament.“ Die Bereiche „Genialität“ und „Extraklasse“ ließ sie weitgehend aus – was soll man zu solchen Schmeicheleien als Teamsportlerin auch sagen? Das übernahm an ihrer statt Bundestrainer Valentin Altenburg. Er machte aus der Eingangsfrage ein sehr umfassendes (und diplomatisches) Lob: „An Anne liebe ich die Genialität, die Extraklasse und vor allem das Temperament.“

          Da strahlte die 27-Jährige, die zwar nicht Kapitänin der Damen-Nationalmannschaft ist (das teilen sich Nike Lorenz und Sonja Zimmermann), aber fest zum Kreis der Anführerinnen in Altenburgs Team zählt – was auch daran liegt, dass die Mittelfeldspielerin aus einer ruhigen Mannschaft durch Lautstärke und Emotionalität auf dem Kunstrasen heraussticht. Mit dem Begriff „aggressive leader“ liegt man bei ihr gewiss nicht falsch.

          Mischung aus Vorfreude und Selbstvertrauen

          Valentin Altenburg wird in seinem ersten Turnier als Damen-Chefcoach eine starke Anne Schröder benötigen, um den „Fluch der K.o.-Spiel-Niederlagen“ zu brechen. Zuletzt hatten die deutschen Damen immer geschwächelt, wenn es darauf ankam – das Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen gegen Argentinien wirkte lange nach. Auch Anne Schröder vom Club an der Alster überlegte aufzuhören. Doch sie ist geblieben, gehört zu den ganz Erfahrenen in der deutschen Gruppe und soll zunächst gegen Chile am Samstag, die Niederlande am Sonntag und dann Irland am 6. Juli in Amstelveen mithelfen, das Achtelfinale zu erreichen – besser noch das Viertelfinale, in das die Staffelsiegerinnen einziehen.

          Dafür müssten die deutschen Damen vor 10.000 Fans im längst ausverkauften Stadion am Sonntag die Niederländerinnen besiegen, was bei zwei Tests vor der WM in Hamburg misslang. Da hatte Altenburg seine Führungsspielerin noch ein paar Mal aufbauen müssen, eine Seite, die auch zu Schröder gehört – das Hadern, wenn es mal nicht so läuft. Doch Altenburg hat Lockerheit und mehr Eigenverantwortung in das deutsche Eliteteam gebracht, was intern offenbar sehr gut ankommt.

          Das stimmungslose Turnier in Tokio, ohne Fans und mit enttäuschendem Ende, hatte Anne Schröder zwischenzeitlich die Lust am Hockey genommen. Doch mit Altenburg für Xavier Reckinger kam die Freude zurück: „Ich kenne ihn aus meiner Jugendzeit. Ich hatte auch die Gewissheit, dass viele meiner engen Teamkameradinnen weitermachen. Jetzt will ich bis zu den Olympischen Spielen in Paris noch mal richtig reinhauen.“

          Ein konkretes Ziel verweigern Schröder, Altenburg und die „Danas“. Als Weltranglistensechste gehören sie nicht zu den Medaillen-Anwärterinnen, aber Altenburg sagt: „Unser klares Ziel ist, während der WM die Reise nach Spanien anzutreten.“ In Terrassa finden alle Partien vom Halbfinale an statt. Den deutschen Spielerinnen ist eine Mischung aus Vorfreude und Selbstvertrauen anzumerken. Auch Anne Schröder sagte, dass die Niederlagen gegen Titelverteidiger Holland in der Vorbereitung nicht so bedeutungsvoll seien, weil zu jenem Zeitpunkt die Nominierung noch lief, was in manchen Köpfen herumspukte. „Ich sehe unsere Chancen jetzt bei 50:50“, sagt sie, „wir können sie bestimmt ärgern.“

          Selbstbewusst sein, die eigenen Grenzen ausloten, sich mit Leistungssprüngen überraschen, so etwas fordert Valentin Altenburg, nicht zuletzt von Schröder, die beim Crefelder THC und vor allem in Rüsselsheim das Hockeyspielen lernte, dann beim Club an der Alster unter Trainer Jens George zur Anführerin reifte. Nach Hamburg war sie vor sieben Jahren gekommen, um Psychologie zu studieren. Im Februar hat Anne Schröder ihren Master gemacht. Inzwischen wird sie zur Psychotherapeutin in der Praxis ausgebildet. Darin sind gewiss Fähigkeiten erhalten, die einer Mannschaft in einem Turnier helfen können – und ihr selbst auch, beispielsweise darin, Erwartungen an sie als beflügelnd, nicht als lähmend zu empfinden.

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