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Rainer Seele (rse.)

Kommentar : Stolz schlägt Schmerz bei der Tour

  • -Aktualisiert am

Marcel Kittel gewann eine Etappe nach der anderen – und musste dann aufgeben. Bild: AP

Zwar erfüllten sich in diesem Juli nicht alle Erwartungen bei der Tour de France. Dennoch steht der deutsche Radsport glänzend da nach der 104. Frankreich-Rundfahrt.

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          Der deutsche Radsport steht glänzend da, er hat bei der 104. Tour de France mit Nachdruck auf sich aufmerksam gemacht. Als Gastgeber, bei der Tour-Ouvertüre in Düsseldorf, als eine Nation, deren Rennfahrer mächtig Tempo zu machen verstehen. Eindrucksvoll belegt in diesem Jahr vor allem durch Marcel Kittel, den fünffachen Etappensieger. Die Deutschen hatten sich schon immer bevorzugt dem Geschwindigkeitsrausch hingegeben, früher in Gestalt von Olaf Ludwig oder Erik Zabel, der jedoch, wie sich nach seiner Karriere herausstellte, verbotene Beschleuniger benutzte. Kittel setzt eine deutsche Tradition fort, ohne allerdings müde zu werden zu betonen, dass er der reinen Lehre des Radsports folge.

          Er hat das genauso zum Mantra erhoben wie andere Profis der aktuellen deutschen Radsport-Generation, John Degenkolb zum Beispiel oder André Greipel und Tony Martin. Sie werben, Jahr für Jahr, wortgewaltig um frischen Kredit beim deutschen Sportpublikum, sie glauben, deutliche Fortschritte auf diesem Weg erzielt, die Düsternis nach all den Doping-Affären mehr und mehr vertrieben zu haben. Und wissen dennoch, dass der Kampf um Glaubwürdigkeit in ihrer Branche äußerst mühevoll bleiben wird, selbst wenn bei der Tour 2017 kein einziger Doping-Fall publik geworden ist.

          Immerhin erlebt Radsport-Deutschland eine Renaissance. Hofiert inzwischen nicht zuletzt durch die Tour-Macher, die maßgeblich zu einer Neuauflage der Deutschland-Tour im kommenden Jahr beigetragen haben. Mit dem Hinweis darauf, dass der Radsport in Deutschland wieder zu einem Wachstumsmarkt geworden sei. Das wird gestützt durch den Einstieg neuer Sponsoren, die den Radsport als geeignetes und im Vergleich etwa zum Fußball als nicht allzu teures Vehikel für ihre wirtschaftlichen Interessen betrachten. Das hat zum Beispiel dem Team Bora-hansgrohe das Aufrücken in die World-Tour, in die erste Liga des Radsports, ermöglicht. Und dazu die Verpflichtung des schillernden Slowaken Peter Sagan, der seiner Equipe jetzt zwar – wie der Pole Maciej Bodnar im Zeitfahren von Marseille – einen Etappensieg beschert hat, aber auch gehörige Turbulenzen durch seine Disqualifikation.

          Das Team Sunweb, versehen mit einer starken niederländischen Färbung, tritt ebenfalls mit deutscher Lizenz an. Es hatte jetzt in dem Franzosen Warren Barguil und dem Australier Michael Matthews seine herausragenden Figuren, hält sich jedoch zugute, deutsche Talente, unter anderen Nikias Arndt, intensiv zu fördern. Allerdings wäre es vermessen zu sagen, dass ein deutscher Profi in absehbarer Zeit sich dem Tour-Thron nähern oder ihn gar erklimmen könnte. Deutschland ist ein Land der Sprinter und Klassikerspezialisten, weniger eines der aussichtsreichen Rundfahrer. Ein Terrain, auf dem sich Emanuel Buchmann, Fünfzehnter der Tour, vorläufig als Solist bewegt.

          Zwar erfüllten sich in diesem Juli nicht alle Erwartungen der Deutschen, zu sehen an Degenkolb oder Martin und ein bisschen auch an Kittel, dessen Griff nach Grün jäh gestoppt wurde. Eine schmerzhafte Tour, überlagert dennoch eindeutig vom Gefühl des Stolzes.

          Tour de France

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