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Deutsche Basketball-Liga : Durch die Bank weg stark

  • -Aktualisiert am

Wird möglicherweise Rekordschütze in dieser Saison: Würzburgs Robin Benzing (vorne). Bild: Picture-Alliance

Die Bundesliga kann ihre Ansprüche befriedigen, weil es inzwischen genügend Deutsche mit hohem Niveau gibt. Die Anstrengungen in der Nachwuchsförderung haben Früchte getragen. In diesem Jahr könnte es zudem zu einem besonderen Novum kommen.

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          „Die Spitze ist breiter geworden.“ Berti Vogts’ Bonmot lässt sich bedenkenlos vom Fußball auf den Basketball übertragen, um die Tendenz zu immer tieferen und ausgeglichenen Kadern zu umschreiben. Noch Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends war es möglich, mit acht guten Spielern in einer Rotation deutscher Meister zu werden. Als Bayer Leverkusen 1995/96 den letzten seiner sieben Titel in Serie gewann, spielten in engen Partien nur die Amerikaner Chris Corchiani und Tony Dawson sowie die Nationalspieler Michael Koch, Denis Wucherer, Henning Harnisch, Hansi Gnad, Christian Welp und Sascha Hupmann. Eine komplette „zweite fünf“ stand nur dann auf dem Parkett, wenn die Begegnung entschieden war.

          Solche Konstellationen sind inzwischen wenig erfolgsversprechend. Denn der deutsche Basketball ist in anderen Dimensionen angekommen. Damals waren zwei „Legionäre“ erlaubt, heute sechs. Aber es wäre ein sehr vordergründiger Erklärungsversuch, die tieferen Kader der höheren Zahl von ausländischen Spielern zuzuschreiben. Vielmehr ist offensichtlich, dass es immer mehr deutsche Spieler gibt, die auf höchstem Niveau mithalten können.

          Die Hälfte der Bundesligateams ist in der laufenden Saison auch in europäischen Wettbewerben an den Start gegangen, fünf davon stehen noch im internationalen Wettbewerb. Diese Doppelbelastung, bei den Bambergern mit 30 Euroleague-Spielen muss man von einer Dreifachbelastung sprechen, erfordert eine höhere Zahl an Profis. Allein die Reisestrapazen zehren an den Kräften. Die Müdigkeit erhöht das ohnehin mit den vielen Spielen gestiegene Verletzungsrisiko. Deshalb ist ein tieferer Kader für diese Klubs notwendig.

          Genügend Deutsche spielen auf Bundesliganiveau

          Bamberg und München verfügen mittlerweile über ein spielendes Personal auf der Bank, das sich die anderen Vereine als Starter wünschen würden. Aber nicht nur bei den beiden Klubs mit den größten Etats ist mehr Geld im System, die gesamte Liga verfügt über größere Budgets. Für eine „starke“ Bank muss jeder Verein entsprechende Gehälter anbieten. Und so steht zum Beispiel der Mitteldeutsche BC, der gern damit kokettiert, über das kleinste Budget der Liga zu verfügen, in erster Linie wegen seiner fehlenden Tiefe noch nicht in sicheren Gefilden. Beim Aufsteiger müssen drei Profis im Schnitt mehr als 30 Minuten pro Partie spielen.

          Die Liga kann ihre Ansprüche befriedigen, weil es inzwischen genügend Deutsche gibt, die auf Bundesliganiveau mithalten können. Die Anstrengungen in der Nachwuchsförderung, die Einrichtung der Jugend- und der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga haben offensichtlich Früchte getragen. Das belegen auch die Leistungen der Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation. Auch ohne die fünf in der NBA aktiven Deutschen und die für Bamberg und in Spanien aktiven Euroleague-Spieler schlug die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Rödl Serbien und Georgien mit unterhaltsamen wie überzeugenden Auftritten.

          Die Deutschen sind auf ganzer Breite stark geworden. Gegenwärtig erzielen in der Bundesliga 45 Spieler mit deutschem Pass fünf oder mehr Punkte pro Partie. Zum Vergleich: In den Spielzeiten 2005/06 und 2006/07 waren es jeweils nur 17. Mit dem für Würzburg spielenden Nationalmannschaftskapitän Robin Benzing könnte erstmals in diesem Jahrtausend ein Deutscher Topscorer der Liga werden.

          Unabhängig von der gestiegenen Belastung durch die europäischen Auftritte wird es immer schwerer für einen Profi, mehr als 30 Minuten auf dem Level der Bundesliga konstant eine hohe Leistung zu bringen. Immer mehr Trainer erwarten höchsten Einsatz in der Defensive. Die Zeiten, in denen sich Starspieler in der Verteidigung „verstecken“ konnten, sind vorbei. Gleichzeitig muss auch offensiv mehr Energie gebracht werden, um gegen diese aggressivere Verteidigung bestehen zu können.

          Frische Spieler, die auf fast dem gleichen Niveau wie die Starter agieren können, sind deshalb ein Erfolgsrezept. Das belegt schon die Verteilung der Einsatzzeiten bei den Topteams. Beim Tabellenzweiten Alba Berlin sind 26 Minuten pro Partie der Höchstwert für einen Profi, beim Spitzenreiter Bayern München sind es 25. Am Samstag trafen in den Spielen Berlin gegen Bayreuth (100:68) und Ludwigsburg gegen München (90:73) die ersten vier der Tabelle aufeinander. Die Leistung der Spieler, die von der Bank kommen, wird bei der Frage, wer sich durchsetzen kann in diesen Partien, eine große Rolle spielen.

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