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Derrick Coleman : Tauber Footballer erreicht Super Bowl

  • -Aktualisiert am

„Ich habe einfach nicht hingehört.“: Derrick Coleman hat ein einfaches wie effektives Motto Bild: AFP

Derrick Coleman ist so gut wie taub. Im Umgang mit Menschen, die ihm das Leben schwer machten, half sein Motto: „Ich habe einfach nicht hingehört.“ Nun steht er mit Seattle im Super Bowl.

          Beinahe jedes Mal, wenn die Zuschauer im Football-Stadion von Seattle ihrer Begeisterung freien Lauf lassen, produzieren sie einen Lärm, für den sich die Verantwortlichen des Guinness-Buch der Rekorde interessieren. So wie Anfang Dezember, als Pegelmessungen während des Spiels ergaben, dass die 68.000 Anhänger der Seattle Seahawks in der Begegnung gegen die New Orleans Saints mit 137,6 Dezibel einen neuen Höchstwert für amerikanische Sportarenen aufgestellt hatten.

          Das Spiel produzierte unten auf dem Rasen einen weiteren Meilenstein: den ersten Touchdown des Spielers mit der Nummer 40 in seiner Profi-Karriere. Von dem ohrenbetäubenden Getöse, mit dem die Fans auf den Rängen reagierten, bekam der übrigens nur wenig mit. Derrick Coleman ist seit seinem dritten Lebensjahr so gut wie taub. Was er – mit Hilfe von Hörgeräten – wahrnimmt, kommt bei ihm nur als ein vager Klangteppich an.

          Dass es der 23-Jährige überhaupt so weit geschafft hat, ist bemerkenswert. Doch Colemans Erfolgskette reißt derzeit nicht ab. Am Sonntag qualifizierte er sich im Championship-Match der National Conference – einem bis zum Schluss spannenden 23:17-Sieg über die San Francisco 49ers – mit den Seahawks für den Super Bowl gegen die Denver Broncos. Der findet in zwei Wochen in New York statt.

          Seine Behinderung ist in der arbeitsteiligen Welt des American Football nicht unproblematisch. Colemans Hauptaufgabe als sogenannter Running Back besteht zwar darin, sich mit dem Lederei im Arm und der Kraft einer Dampframme durch die gegnerischen Defensivreihen durchzukämpfen. Aber ohne eine feinabgestimmte Kommunikation funktioniert das nicht. Welcher der Hunderte von einstudierten Spielzüge an der Reihe ist, brüllt der Quarterback erst wenige Sekunden vorher seinen Nebenleuten zu.

          „Er weiß, dass er in meine Richtung schauen muss“

          Ob die geplante Choreographie klappt, hängt unter anderen davon ab, ob die Mitglieder der Angriffsreihe diese mit Codenamen versehenen Anweisungen überhaupt verstehen. „Er weiß, dass er in meine Richtung schauen muss“, sagt Coleman über die Zusammenarbeit mit Seattles Quarterback Russell Wilson. „Ich lese von seinen Lippen ab und bin so immer auf dem Laufenden.“

          Das ist einfacher, als es klingt. Wegen seiner Behinderung hatte Coleman als junger Spieler auch in der Schule und im College in Kalifornien Mühe, das Vertrauen von Trainern und Mannschaftskameraden zu gewinnen. 2012 nach dem Ende des Studiums wurde er abermals enttäuscht. Alle 32 Teams der National Football League ignorierten ihn bei der Nachwuchs-Draft. Erst Anfang der laufenden Saison bekam er seinen ersten Vertrag.



          Um was für einen Hindernislauf es sich handelt, deutete er vor wenigen Tagen in einem Werbespot an, den er für eine Batteriefirma gedreht hatte. Der kurze, emotional aufgeladene Film errang rasch Kultstatus und schnellte vor dem Championship-Spiel der National Conference gegen die San Francisco 49ers auf eine Klickquote von mehr als sieben Millionen YouTube-Nutzern hoch.

          Kein Wunder: Die Geschichte eines talentierten behinderten Footballprofis, der sich nicht von seinem Weg Richtung Super Bowl abbringen lässt, ist erstklassiges Medienfutter. Sein Motto über den Umgang mit Menschen, die ihm das Leben schwer zu machen versuchten, ebenso: „Ich habe einfach nicht hingehört.“

          Trainer Pete Carroll: „Er ist hart. Er ist schnell“

          Tatsächlich ist Coleman nur einer von mehreren Spielern bei den Seahawks auf seiner Stammposition. Die Nummer eins: Marshawn Lynch, der die Seahawks gegen die San Francisco 49ers mit einem unwiderstehlichen Touchdown-Lauf über 40 Yards zum 10:10-Ausgleich zu Beginn der zweiten Halbzeit wieder ins Spiel brachte.

          Aber in der Knochenmühle NFL müssen Ersatzkräfte jederzeit bereit sein, ihren Part auf dem Platz zu spielen. Cheftrainer Pete Carroll lobte Colemans Einstellung neulich: „Er verrichtet seine Arbeit tadellos, egal, was wir von ihm fordern. Er ist hart. Er ist schnell. Und auf eine phantastische Weise ein Teil der Mannschaft.“

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