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Der zweite Tag beim Ryder Cup : Poulter und Mahan: zwei begeisternde Sorgenkinder

  • -Aktualisiert am

Ian Poulter: „Ich habe noch nie so gut gespielt wie in den vergangenen Tagen” Bild: dpa

Nach dem zweiten Tag führen die Vereinigten Staaten im Ryder Cup 9:7 gegen Europa. Die zwölf Einzel werden am Sonntag über den Ausgang entscheiden. Gut möglich, dass auch dann Ian Poulter und Hunter Mahan brillieren - zwei Spieler, deren Nominierung am heftigsten diskutiert wurde.

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          Irgendwie gehört es zum Ryder Cup: Er produziert Helden, die vorher niemand auf der Rechnung hatte. Bei der 37. Auflage im Valhalla Golf Club in Louisville schlüpften sogar Golfprofis in diese Rolle, deren Nominierung umstritten war.

          Als fleißigste Punktesammler für die Teams von Europa und den Vereinigten Staaten erwiesen sich an den ersten beiden Tagen ausgerechnet zwei Profis, die nur mitspielen durften, weil die Kapitäne Nick Faldo und Paul Azinger (siehe: Ryder Cup: Mit dem Rücken zur Wand und Muhammad Ali als Inspiration) sie trotz vieler kritischen Stimmen mit Wildcards nach Kentucky eingeladen hatten. Sowohl dem Engländer Ian Poulter als auch dem Texaner Hunter Mahan wurde am Freitag (siehe: Ryder Cup: Fehlstart für Europa) und Samstag (siehe: Ryder Cup: Europa holt auf) keine Pause gegönnt, was sonst nur noch dem Weltranglistenzweiten Phil Mickelson zugemutet wurde - aus gutem Grund.

          Faldo und Azinger belehren ihre Zweifler

          Der Debütant Mahan blieb in den Vierern ungeschlagen. Mit drei Punkten hatte Mahan großen Anteil daran, dass die Amerikaner erstmals seit 1995 wieder mit einem Vorsprung in die zwölf Schlusseinzel (die Ryder-Cup-Regeln, siehe: Ryder Cup: Im Klassischen Vierer oder im Vierball auf die Runde) gingen. Poulter sorgte mit seinen drei Siegen dafür, dass sich die Europäer trotz eines 7:9-Rückstand noch Chancen ausrechnen, zum vierten Mal in Folge zu gewinnen.

          Nick Faldo (r.) gratuliert Ian Poulter: „Ich bin so stolz auf Dich”

          Denn als die Amerikaner vor dreizehn Jahren zuletzt mit exakt diesem Zwischenstand in die zwölf Schlusseinzel am Sonntag gegangen waren, nahmen die Europäer mit 14 1/2 : 13 1/2 Punkten aus Rochester im Bundesstaat New York den 43 Zentimeter großen Goldpokal mit auf den alten Kontinent. Doch egal, wie das Prestigeduell am Sonntag ausgeht: Der 51-jährige Engländer Faldo und sein drei Jahre jüngerer amerikanischer Rivale Azinger haben alle Zweifler eines Besseren belehrt.

          Poulter gewinnt drei seiner vier Partien

          Faldo wurde heftig kritisiert, nachdem er einen seiner beiden Freiplätze an seinen engen Freund Poulter vergeben hatte. Sogar von Vetternwirtschaft war die Rede. Und viele Kollegen nahmen dem 32 Jahre alten Poulter übel, dass er zum letzten Qualifikationsturnier die Reise nach Schottland gescheut und stattdessen erfolglos auf der amerikanischen PGA Tour gespielt hatte. Am Freitag und Samstag verstummten alle Kritiker.

          Poulter gewann gemeinsam mit seinen Partnern Justin Rose (England) und Graeme McDowell (Nordirland) drei seiner vier Partien. Nach einer unglücklichen Auftaktniederlage mit seinem besten Freund Justin Rose, als die beiden am Freitagmorgen die Partie gegen die Amerikaner Stewart Cink und Chad Campbell durch drei Putts auf dem 18. Grün verloren, riss Poulter seine Partner zu Glanzleistungen mit. Am Nachmittag deklassierte er mit Rose im Bestball Steve Stricker und Ben Curtis.

          „Ich bin so stolz auf Dich“

          Am Samstag revanchierten sich die beiden Freunde im „Klassischen Vierer“ gegen Cink und Campbell. Am Samstagnachmittag besiegte Poulter mit dem Nordiren Graeme McDowell mit einem Feuerwerk von Birdies Kenny Perry (siehe: Ryder Cup: Ganz Kentucky wartet auf den Vierer) und Jim Furyk mit 1 auf. Im Bestball kamen die beiden bei Par 71 auf 62 Schläge, sechs der neun Birdies und den entscheidenden letzten zum Sieg steuerte Poulter bei.

          Danach stürzte er auf Faldo zu und fragte ihn, ob das der Grund gewesen sei, warum er sich für ihn entschieden habe. Der Kapitän antwortete nur: „Ich bin so stolz auf dich.“ Auch Poulter hatte dazu allen Grund. „Ich habe noch nie so gut gespielt, wie in den letzten beiden Tagen“, sagte er, „ich habe mich noch nie bei einem Turnier so ins Zeug gelegt wie hier.“ Dass er seine Motivation aus der herben Kritik an seiner Wahl zog, wollte er nicht bestätigen. Das erledigte sein Partner McDowell für ihn: „Ian hat der Welt gezeigt, warum er in diesem Team steht.“

          Mahan und Mickelson behaupten sich gegen Karlssons Birdies

          Auch Mahan sorgte am 18. Loch am Samstagnachmittag mit Birdie für ein wichtiges Remis gegen die Schweden Robert Karlsson und Henrik Stenson. „Hunter war immer da, wenn ich ihn brauchte. Er hat großartig gespielt“, lobt Seniorpartner Mickelson den 26 Jahre alten Debütanten aus McKinney, nachdem sich beide vor allem gegen Karlsson, dem an den letzten zehn Löchern sieben Birdies gelangen, behauptet hatten.

          Mahan rechtfertigt seine Nominierung

          Mahan hatte im Vorfeld des Ryder Cups mit einem Interview in einer amerikanischen Golfzeitung für viel Wirbel gesorgt. Er hatte die Veranstaltung heftig kritisiert, sich sogar zu der Behauptung verstiegen, die Spieler würden während der Woche wie Sklaven gehalten. Besonders die vielen offiziellen Termine, die Galadiners, bei denen die Herren im Smoking erscheinen mussten, erzürnten Mahan.

          Viele glaubten, dass ein Mann, der so über den Ryder Cup herzieht, sich für einen der vier Freiplätze - seit diesem Jahr darf der amerikanischen Kapitän, statt wie in Europa zwei, gleich vier Spieler nach eigenem Gutdünken auswählen - disqualifiziert habe, auch wenn er sich hinterher in aller Form entschuldigte. Aber Azinger ließ sich wie Faldo von Kritikern nicht beirren. Er hielt an Mahan fest - und behielt wie sein alter Widersacher aus England recht.

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