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Münchens Eishockey-Star Wolf : Von der Eishalle ins Schuhgeschäft

  • -Aktualisiert am

Michael Wolf: Schafft er mit dem Münchenern noch das Comeback im DEL-Finale? Bild: dpa

DEL-Rekordtorschütze Michael Wolf ist auf Abschiedstournee. Aber der Traum des Münchners vom vierten Titel ist nicht sehr realistisch, zu gut spielt Finalgegner Mannheim derzeit. Einen Zukunftsplan hat er deshalb schon.

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          Still glitten die Münchner Spieler vom Eis der Halle am Oberwiesenfeld, und womöglich war es für Michael Wolf das letzte Heimspiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Natürlich wird er, der 38 Jahre alte Kapitän des EHC Red Bull München, sich dagegen wehren, dass die Best-of-Seven-Finalserie an diesem Freitag (19.30 Uhr) in Mannheim mit dem vierten Sieg der Adler beschlossen wird. Schon aus persönlichen Motiven: „Ich will nicht, dass meine Karriere auswärts zu Ende geht.“

          Das aber droht. Wolf und die Münchner sind ins Hintertreffen geraten in den Endspielen um die deutsche Meisterschaft. Ihrem Auftaktsieg (2:1 nach Verlängerung) folgten deutliche Niederlagen: die beiden zu Hause sogar ohne einen Treffer (0:3, 0:4), dazwischen lag ein 1:4 in Mannheim. „Wir schießen in den Play-offs allgemein wenige Tore“, sagt Wolf und ist selbst das Beispiel dafür: Er hat eines im Viertelfinale gegen die Eisbären Berlin erzielt. Eines in nunmehr siebzehn Play-off-Partien, das ist nicht der Anspruch des mit 337 Treffern besten Torschützen in der Geschichte der DEL.

          Wolf hat schon im Februar, nach dem verlorenen Endspiel in der Champions Hockey League, angekündigt, dass er mit Eishockey Schluss machen würde am Ende der Saison. Die letzte Stufe seines Rückzugsplans. 2015 hatte er in der Nationalmannschaft aufgehört, um sich auf den Verein, den EHC München, zu konzentrieren, mit dem er dann dreimal in Serie Meister wurde. Die Titel hatten ihm gefehlt. Er war erst mit Mitte zwanzig in die höchste Liga eingestiegen. Ein Jahrzehnt hatte er in Iserlohn festgehangen, einem kleinen Standort, für den das Erreichen der Play-offs schon Ausnahmezustand war.

          Mitten im Getümmel: Michael Wolf (Zweiter von rechts) spielt mit München in der DEL-Finalserie.

          Der Wechsel 2014 nach München war eine Vernunftentscheidung: wirtschaftlich und auch sportlich. Er ließ von vielem los, was ihm lieb war. Die Sommer hatte Wolf bis dahin mit der Trockenvariante Inline-Hockey überbrückt. Wenn er jeweils Mitte Mai von der Eishockey-Weltmeisterschaft zurückgekommen war, bereitete er sich auf das WM-Turnier auf Rollschuhen und die Inline-Liga mit den Germering Wanderers vor, einem Münchner Vorort-Team. Sogar in der Skaterhockey-Bundesliga, einer weiteren Variante des Rollhockeys, lief er ein paarmal auf. In Lünen in Nordrhein-Westfalen. Eine Gefälligkeit für einen Freund.

          In den vergangenen vier Jahren beschränkte Wolf sich auf die Schlittschuhe, aufs Eis, auf München. In dieser Saison verpasste er wegen einer Beinverletzung erstmals eine Serie von Spielen: 19. Er stand mit Vakuumschuh, auf Krücken gestützt, hinter der Bande. „Das war meine schwerste Verletzung“, sagt er. Und ja, sie habe den Entschluss forciert, mit 38 Jahren Abschied zu nehmen. Er hat zwei Kinder, und in Füssen wartet das Schuhgeschäft, das sein Vater und die Tante betreiben, auf Übernahme durch die nächste Generation. In den Sommermonaten hat Wolf immer schon ausgeholfen: Der DEL-Rekordspieler, der den Fuß des Kunden abtastet, um die richtige Größe zu finden.

          Eishockey will er nicht mehr spielen, obwohl sein Heimatverein, der EV Füssen, in die Oberliga, die dritthöchste Klasse, aufgestiegen ist und bereits zart angefragt hat. Aber für den Moment will Wolf auch noch nicht loslassen vom Eishockey. Daran, dass es kaum Beispiele gibt in der DEL-Geschichte, in denen eine Play-off-Serie nach 1:3-Rückstand noch gedreht wurde, denkt er einfach nicht. „Wir machen alles wie immer“, kündigt der Münchner Trainer Don Jackson an, „wir bereiten uns die ganze Saison über stets nur auf ein Spiel vor, das nächste.“

          Der Mannheimer Coach Pavel Gross lässt trotz komfortabler Ausgangsposition keine Gedanken daran zu, wie sich eine Meisterfeier am Freitagabend in der heimischen Arena anfühlen könnte. Kühl fordert er von seinen Spielern nach dem souveränen 4:0 in München Verbesserungen in allen Bereichen ein. Lediglich der 18 Jahre alte Verteidiger Moritz Seider räumt ein, „dass es schon im Kopf herumschwirrt, dass wir Meister werden können“.

          Michael Wolf, zwanzig Jahre älter, hat den Traum, dass er am Sonntag noch einmal in seinem Stadion auflaufen kann: Spiel sechs. Doch dann hält er inne, er weiß, dass er und der EHC auch bei idealem Verlauf zu Hause keine Meisterfeier erleben können. „Ich korrigiere“, sagt er, „ich möchte meine Karriere auswärts beenden. Aber nicht am Freitag, sondern am Dienstag.“ In einem siebten Spiel.

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