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Masters in Augusta : Brooks Koepka ist der verkannte Golfstar

  • -Aktualisiert am

Offensives Marketing: Brooks Koepka mit Freundin Jena Sims nach seinem Sieg bei den U.S. Open Bild: AFP

Seine Kollegen wählten ihn zum „Spieler des Jahres“ – und doch fühlt sich Brooks Koepka von Fans und Medien nicht richtig anerkannt. Nun beginnt der Golfer eine Image-Offensive.

          Brooks Koepka hat 2018 nicht nur als erster Golfer seit seinem amerikanischen Landsmann Curtis Strange 1989 seinen Titel bei den US Open erfolgreich verteidigt, er hat auch noch mit dem Sieg bei der PGA Championship im Bellerive Country Club nahe St. Louis seinen dritten Major-Titel geholt. Die Weltrangliste führte den 28 Jahre alten Amerikaner für insgesamt neun Wochen im Oktober und November 2018 nach seinem Sieg beim CJ Cup in Korea als den Besten seiner Zunft.

          Seine Kollegen auf der PGA Tour wählten ihn zum „Spieler des Jahres“ – und doch fühlt sich der Athlet aus West Palm Beach (Florida) von Fans und Medien nicht als das anerkannt, was er zweifelsfrei ist: einer der herausragenden Golfer der Welt. Dass er bei der Tour Championship, dem Abschlussturnier der PGA Tour, nicht zu den Spielern gehörte, die sich vor Turnierbeginn in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten stellen durften, traf ihn besonders hart: „Es war frustrierend. Wenn andere Spieler das geschafft hätten, was ich in den letzten 18 Monaten geleistet habe, wäre das absolut unglaublich. Die hätten ihr Gesicht vielleicht auf Dollarnoten wiedergesehen“, sagte Koepka verärgert.

          Seitdem versucht Koepka, sich der Öffentlichkeit als ein Mann zu präsentieren, der nicht nur mit seinen gewaltigen Schlaglängen und seiner unerschütterlichen Ruhe in Drucksituationen beeindruckt. Die Golffans, so sagte er vor dem 83. Masters im Augusta National Golf Club, sollen ihn als einen Profi wahrnehmen, der nicht mit Platitüden antwortet, sondern pointiert Stellung bezieht. „Früher habe ich immer versucht, politisch korrekt zu sein, wollte nie irgendwelche Wellen schlagen. Aber wer wie ich zu den Besten der Welt gehört, sollte auch dafür sorgen, dass seine Stimme gehört wird. Jetzt wird die Welt den wahren Brooks Koepka kennenlernen“, hatte er im Frühjahr angekündigt.

          Er hielt sein Versprechen: Vor dem ersten Major des Jahres scheute er sich nicht, Kollegen zu kritisieren. Der Spanier Sergio Garcia, der Masters-Champion von 2017, hatte bei einem Turnier der European Tour in Saudi-Arabien aus Ärger fünf Grüns mutwillig mit seinem Putter beschädigt und wurde deshalb disqualifiziert. „Das ist respektlos gegenüber allen Mitspielern. Sich wie ein Kind zu benehmen ist nicht cool“, bewertete Koepka den Zwischenfall. Auch eines der größten Probleme im Profigolf ging Koepka schonungslos an, das langsame Spiel, Runden, die zum Teil weit über fünf Stunden dauern. Kollegen wie sein Landsmann Bryson DeChambeau, der vor jedem Schlag minutenlang kalkuliert, ehe er sich entschließt zu schwingen, gerieten in seinen Fokus: „Ich kann es nicht verstehen, warum es 1:20 Minuten dauert, um einen Golfschlag auszuführen. So schwer ist das doch nicht.“

          Koepka fühlt sich unterrepräsentiert: „Andere hätten ihr Gesicht vielleicht auf Dollarnoten wiedergesehen.“

          Als einer der jungen Stars der Branche zeigt er zwar Respekt vor der Leistung von Tiger Woods, der in seiner Laufbahn bisher 14 Majors gewonnen hat. Aber vor allem geht es ihm darum, den langjährigen Primus zu besiegen und ihn daran zu hindern, den Rekord von Jack Nicklaus mit 18 Siegen bei den vier wichtigsten Turnieren zu brechen. „Ich habe ja schon einmal viele Träume zerstört“, sagt Koepka. Bei der PGA Championship hielt er Woods auf Distanz, der am Ende Zweiter wurde. Und mit Phil Mickelson hat Koepka noch eine Rechnung offen.

          Ob es 1998 oder 1999 war, weiß er nicht mehr so genau, aber die Tatsache, dass Mickelson ihm ein Autogramm verweigerte, hat er nicht vergessen. Mit seinem Vater war er erstmals zum Masters gekommen, und bis auf Woods gelang es ihm, die Unterschriften von mehr als 50 Spielern zu ergattern. Nur Mickelson, der dafür bekannt ist, dass er für Kinder stets alle möglichen Gegenstände signiert, verjagte den Knirps, weil er ihn auf dem Parkplatz ansprach. „Wahrscheinlich bin ich das einzige Kind, dem Phil das je antat“, sagt Koepka. Er hat daraus gelernt und nimmt sich für diesen Teil seines Jobs besonders viel Zeit.

          2018 fehlte Koepka wegen einer Handgelenksverletzung beim Masters. Vier Monate lang musste er pausieren, aber in der Rückschau war das ein Segen: „Da ist meine Liebe zum Spiel wieder neu erwacht.“ In den vergangenen Wochen hat Koepka auf Krafttraining verzichtet und versucht, mit einer Diät von nur 1800 Kilokalorien etwas an Muskeln abzubauen. Das wirkte sich auf sein Spiel aus. In der Weltrangliste rutschte er auf Rang vier ab. „Aber der Trend geht in die richtige Richtung“, behauptet Koepka.

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