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Neue Rolle bei den Mavericks : Der sanfte Riese Nowitzki

  • -Aktualisiert am

Gut gelaunt in die letzte Saison: Dirk Nowitzki hat kein Problem mit der Reservistenrolle. Bild: AFP

Dirk Nowitzki geht nach zwanzig Jahren in der NBA in seine letzte Saison. Der Deutsche, der das Auftaktspiel seiner Dallas Mavericks in der Nacht zum Donnerstag verletzt verpasst, hat das Spiel verändert.

          5 Min.

          Auf seinen Reisen zu den Spielen der National Basketball Association (NBA) hat Dirk Nowitzki fast den ganzen nordamerikanischen Kontinent abgegrast. Und das nicht nur in der regulären Saison, einem Pensum von mehr als 700 Auswärtsspielen, für die er Millionen von Flugkilometern abgesessen hat. Dazu kamen Unmengen von Play-off-Auseinandersetzungen mit den Mavericks und ein Dutzend Ausflüge zu All-Star-Begegnungen.

          Kein Wunder, dass er froh war, wenn er zwischendurch wieder in Dallas war. In jener Stadt, in die er 1998 als junges Talent gezogen war, um sich auf das Abenteuer NBA, das nach dieser Saison zu Ende ist, einzulassen. Und die er auch nach dem Ende seiner ungewöhnlich langen und bemerkenswert erfolgreichen Karriere nicht verlassen will. „Das ist mein Zuhause“, sagte er vor ein paar Monaten und verriet, dass er nach zwanzig Jahren als Gastarbeiter mit Spezialvisum neulich bei der zuständigen Behörde den Antrag auf die sogenannte „Green Card“ eingereicht hat. Früher gab es dafür keinen Grund. „Ich wusste nie, ob ich nicht eines Tages einfach meine Sachen packen und zurückgehen würde.“

          Das kommt offensichtlich nicht mehr in Frage. Der 40-jährige Ausnahmebasketballer ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Söhne und ist gut beraten, sich die unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung zu besorgen. Besonders in Trumps Amerika, in dem sich eine Ausländerfeindlichkeit breitmacht, vor der niemand ernsthaft gefeit ist.

          Kleinere amerikanische Städte gehörten allerdings nicht zu seinem Reiseprogramm. Nicht mal ein Ort wie Springfield, den Anhänger der Sportart als einen der markantesten Punkte auf der Basketball-Landkarte betrachten. Und das nicht nur, weil dort in einer Schulturnhalle einst das Korbball-Spiel erfunden wurde. Sondern vor allem, weil hier in den fünfziger Jahren den Protagonisten der Sportart eine Ruhmeshalle errichtet wurde.

          Die Hall of Fame muss noch warten

          Anfang September konnte sich die Nummer 41 der Mavericks schon mal ein Bild davon machen, wie das ist, hochoffiziell und feierlich in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Er flog in die kleine Stadt in Massachusetts, um dort seinen alten Kumpels Steve Nash und Jason Kidd bei deren feierlichen Aufnahme das Geleit zu geben. Die Ankündigung schickte er über Twitter in die Welt: „Es ist eine Ehre, dass ich sagen kann, zusammen mit zwei Hall-of-Famern gespielt zu haben. Leider war das für keinen der beiden die beste Zeit.“

          Dass auch er eines Tages auf der Bühne stehen und sich feiern lassen wird, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Er hat schließlich mehr getan, als sich fit zu halten und sich zielsicher mit erstaunlichen 31.187 Punkten auf den sechsten Platz der ewigen Bestenliste der NBA-Korbschützen vorzuarbeiten. Seine Verdienste reichen weiter, weiß Dwyane Wade, der fast so alt ist wie Nowitzki und sich manche Schlacht mit ihm geliefert hat. „Es gibt eine Liste von Profis, die das Spiel verändert haben. Ich weiß nicht, ob auch Dirk daraufsteht. Aber er sollte.“

          Erst einmal Zuschauer: Dirk Nowitzki muss noch eine Verletzung auskurieren.

          Denn Nowitzki wurde so etwas wie der Modelltyp für einen Job, der in der arbeitsteiligen Vorstellung der Trainer nicht vorgesehen war. Nur wenige erkannten sein Potential. Darunter: sein erster NBA-Trainer Don Nelson, ein kreativer Basketball-Alchemist und Erfinder zahlreicher taktischer Konzepte: „Er war ein unglaubliches Musterexemplar. So etwas hatte ich noch nie vorher gesehen. Er konnte dribbeln, rebounden, werfen, passen. Er konnte alles.“ Anders als die meistens eher staksigen Typen von seiner Länge von 2,13 Metern. Nowitzki gilt deshalb ohne Frage als Europas bestes Basketball-Produkt. Ein Mann, der sogar ein Markenzeichen entwickelte: einen ungewöhnlichen Distanzwurf, bei dem man auf einem Bein abspringt, während das andere irgendwie in der Luft hängt. Der Körper fällt zurück und wirkt so, als ob der Spieler auf dem Hosenboden landen würde. Die Verblüffung, dass das Manöver gelingt, ist fast jedes Mal groß.

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