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Ryder Cup : Ein Sieg für das geeinte Europa

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild mit Ryder Cup: Das europäische Team präsentiert sich als Einheit Bild: dpa

Souveräne Titelverteidigung: Europa sichert sich bereits nach acht Einzeln am Schlusstag den abermaligen Gewinn des Ryder Cups. Die Amerikaner sind wegen der Hypothek aus den Vierern chancenlos.

          Die Feier begann diesmal bevor der letzte Putt im Loch verschwunden war. Als Jamie Donaldson seinen zweiten Schlag auf dem 15. Loch einen Meter an die Fahne legte, feierten der irische Kapitän Paul McGinley und die Teamkameraden schon überschwänglich. Denn spätestens da war gewiss: Der Ryder Cup bleibt in Europa - mindestens bis zur 41. Auflage 2016 im Hazeltine Golf Club in Minnesota.

          Als der Waliser Donaldson und sein Gegner Keegan Bradley das Grün erreichten, „schenkte“ der Amerikaner den Putt zum Birdie und den 4:3-Sieg (vier mehr gewonnene Löcher, bei drei noch zu spielenden). Der Einzelerfolg des 38 Jahre alten Team-Neulings gegen den PGA-Champion von 2011 brachte die Europa-Auswahl über die magische Grenze von 14,5 Punkten, die den Gesamtsieg garantiert, den achten Erfolg in den letzten zehn Auflagen dieses Golf-Wettstreits zwischen Europa und den Vereinigten Staaten, den dritten in Serie. Was danach passierte, hatte nur noch statistischen Wert. Am Ende der drei Tage auf dem Centenary Course des Gleneagles Hotels & Golf Resort in Auchterarder stand ein deutlicher 16,5:11,5-Sieg des Pokalverteidigers

          Brillante Europäer

          „Es war der Wedge-Schlag meines Leben“, sagte der überglückliche Donaldson, „ich kann das Gefühl einfach nicht in Worte fassen. Es ist unglaublich.“ Donaldson, der bereits mit zwei Siegen in seinen drei Vierern mit dem Engländer Lee Westwood überzeugt hatte, setzte mit seiner glanzvollen Runde (nach 15 Löchern lag er fünf unter Par, ohne ein einziges Bogey) den Schlusspunkt.

          Wichtiger Beitrag: Martin Kaymer gewinnt sein Einzel am Sonntag Bilderstrecke

          Doch der Waliser, der mittlerweile in England lebt, war nicht der einzige in der Europa-Auswahl, der am Schlusstag brillierte. Rory McIlroy, der in der dritten Partie gegen Rickie Fowler angetreten war, sorgte im Schnelldurchgang für den ersten Einzelpunkt der Europäer. Schon nach 14 Löchern war die Partie beendet - nach einem Feuerwerk an glanzvollen Schlägen des Weltranglistenersten: Sieben Birdies, ein Eagle und ein Bogey auf 14 Löchern. „Ich habe heute das beste Golf der ganzen Woche gespielt“, sagte der neue Superstar der Branche, „ich wusste, was von mir erwartet wurde, vor allem aber was ich von mir erwartete.“

          Dieser grandiose erste Einzelsieg der „Euros“ dämpfte alle Hoffnungen der Amerikaner wie der Gegner vor zwei Jahren im Medinah Country Club einen 6:10-Rückstand nach den Vierern wettzumachen. Gut eine halbe Stunde später drehte sein nordirischer Landsmann und Freund Graeme McDowell sein Match gegen Jordan Spieth noch um. Als dann auch Martin Kaymer souverän Masters-Sieger Bubba Watson 4:22 bezwungen hatte und für Europa den 13. Punkt geholte hatte, zweifelte keiner der 45.000 Zuschauer mehr an einem Erfolg der Gastgeber. „Ich habe heute sehr gut gespielt“, sagte der 29 Jahre alte Rheinländer. Ein Blick auf Kaymers Score-Karte belegt dies: Nach 16 Löchern lag er vier unter Par, aber noch eindrucksvoller war, wie er sein Match beendete: Er versenkte den Ball mit einem Chip (flacher Annäherungsschlag) zum Eagle im Loch.

          Kaymer feierte diesen Abschluss fast genauso enthusiastisch wie den Putt vor zwei Jahren, mit dem er in Medina den Ryder-Cup-Sieg für Europa sicherte. Vielleicht auch deshalb, weil er endlich einmal auch in diesem Prestige-Wettkampf groß auftrumpfte. Denn wie schon bei seinen beiden ersten Einsätzen im Ryder Cup hatte er auch am Freitag und Samstag in den Vierern nicht seine Form gefunden. In seinen drei Vierern hatte er einmal verloren und zweimal „geteilt“.

          Europäischer Teamgeist

          Im Ryder Cup geht es freilich nicht um Einzel-Ergebnisse oder um Bilanzen, auch wenn der Engländer Ian Poulter nach seinem Remis (im Golf Teilen genannt) gegen Webb Simpson froh war, weiterhin in Einzeln des Ryder Cups ungeschlagen zu sein. Es geht darum, aus zwölf Spielern - bei der Europa-Auswahl kamen sie aus neun Ländern - ein Team zu formen. Das gelang dem 47 Jahre alten Iren Paul McGinley besser als seinem Widerpart Tom Watson.

          Der 65 Jahre alte Amerikaner, der 1993 das „Team USA“ zum letzten Auswärtssieg geführt hatte, wird sich wie alle seine Vorgänger nach Niederlagen heftige Kritik gefallen lassen müssen. Vor allem seine Entscheidung, Phil Mickelson am Samstag weder im Vierball noch im „Klassischen Vierer“ einzusetzen, verwunderte nicht nur den 44 Jahre alten Routinier. Der Linkshänder hatte Watson sogar noch per SMS aufgefordert ihn einzusetzen - ohne Erfolg. Mickelson zeigte am Sonntag seine Klasse mit einer makellosen Runde ohne Bogey und sechs Birdies mit der er den sehr gut spielenden Schotten Stephen Gallacher in einer hochklassigen Partie 3:1 bezwang.

          „Ich bin unheimlich stolz“, sagte McGinley, der 2002 gegen den Amerikaner Jim Furyk den Putt zum Sieg der Europäer verwandelte hatte, „das Team, meine fünf Vize-Kapitäne, alle waren phantastisch.“ Wie sehr das Team zusammenstand, zeigte das Schlussbild. Das gesamte Team begleitete den Franzosen Viktor Dubuisson in der bedeutungslosen Schlusspartie gegen Zach Johnson bis auf das letzte Grün. Dass der Franzose die Partie „teilte“ und damit als Neuling in seinen drei Matches ungeschlagen blieb, belegte wie sehr es McGinley gelungen war, auch die Rookies zu integrieren. Dagegen hörte man von keinem der Amerikaner lobende Worte über Kapitän Watson - vielleicht der entscheidende Unterschied.

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