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Trauer um „Rocky“ : Früherer Box-Weltmeister Graciano Rocchigiani ist tot

  • Aktualisiert am

Graciano Rocchigiani (1963-2018) Bild: Picture-Alliance

Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers war einer der spektakulärsten Boxer Deutschlands. Nun ist der frühere Weltmeister Graciano Rocchigiani bei einem Unfall in Italien ums Leben gekommen.

          Der frühere Box-Weltmeister Graciano Rocchigiani ist in Italien bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ein Sprecher der italienischen Polizei teilte mit, Rocchigini sei am Montagabend in dem Ort Belpasso bei Catania auf Sizilien zu Fuß auf der Straße unterwegs gewesen und von einem Auto erfasst worden. Der genaue Hergang müsse noch ermittelt werden, unter anderem ob auch Alkohol im Spiel war. Weitere Details wollte der Sprecher nicht nennen. Am Steuer saß laut Polizeibericht ein 29-Jähriger. Laut italienischer Medien war ein deutscher Staatsbürger kurz vor Mitternacht auf der größeren Staatsstraße SS121 unterwegs, bevor er überfahren wurde. Er sei sofort tot gewesen.

          Graciano „Rocky„ Rocchigiani war Weltmeister im Supermittelgewicht (1988/89) und im Halbschwergewicht (1998 bis 2000). „Er war der talentierteste Boxer in den letzten 30 bis 40 Jahren in Deutschland, vom Talent höher einzuschätzen als Henry Maske“, hatte Box-Promoter Wilfried Sauerland zu Rocchigianis 50. Geburtstag im Jahr 2013 gesagt. Rocchigiani bestritt in seiner 20-jährigen Profikarriere 49 Kämpfe, 41 davon gewann der Rechtsausleger mit dem harten linken Schlag.

          „Man glaubt es nicht, mir ist ganz schaurig", sagte der ehemalige Box-Weltmeister Henry Maske im ARD-Magazin Brisant zu der traurigen Nachricht. Zweimal hatte er sich im Ring mit Rocchigiani duelliert, „es waren harte Kämpfe, aber mit ihnen ist der gegenseitige Respekt gewachsen. Deshalb ist es umso erschütternder und bewegender, dass er so gehen muss.“ Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich betroffen. Die Hauptstadt trauere um einen „Boxer mit großem Herz“. „'Rocky', wie er von aller Welt genannt wurde, war nicht nur nach Max Schmeling und Eckhard Dagge der erst dritte deutsche Weltmeister im Profiboxsport. Er war auch eine Urberliner Type, der Schnauze mit Herz verband“, teilte Müller mit. 

          „Rocky“ kämpfte auch gegen Henry Maske in den Neunziger Jahren.

          Boxchampion Rocchigiani, Sohn eines sardischen Eisenbiegers und einer Berlinerin, der sowohl die Schule als auch seine Lehre als Glas- und Gebäudereiniger abgebrochen hatte, war auch deshalb regelmäßig in den Medien, weil er ein Leben in Saus und Braus führte. „Rocky“ wurde zweimal Weltmeister, scheffelte Millionen, verprasste alles, stürzte ab und lebte lange von Hartz IV. „In der Vergangenheit habe ich mich oft wie auf einer Achterbahn gefühlt. Für kurze Zeit ganz oben, als strahlender Sieger, und dann plötzlich wieder ganz unten, am Boden zerstört. Einmal fand ich mich im Straßengraben wieder und dreimal auch im Knast“, sagte der „Bad Boy“ des deutschen Boxsports einmal. Legendär war die Berliner Schnauze des gebürtigen Duisburgers. Verlor er umstritten, polterte er los – ohne Rücksicht auf Verluste: „Allet Beschiss, allet Schweine.“

          Das ganze Drama seines Lebens wurde deutlich, als seine ehemalige Ehefrau Christine ihre Autobiografie („K.o. nach zwölf Runden") vor einigen Jahren veröffentlicht hatte. Drogen, Prostituierte, häusliche Gewalt, Knast, Scheidung – Rocchigiani ließ keinen Skandal aus. Mehrmals musste der Mann aus Berlin-Schöneberg hinter Gitter – wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

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