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Das berühmteste Eishockey-Tor : Der fliegende Bobby

  • -Aktualisiert am

Das Foto seines Lebens: Ray Lussier hielt den Jubel von Bobby Orr im Bild fest. Bild: Picture-Alliance

Vor fünfzig Jahren erzielte Robert Orr beim Stanley-Cup-Triumph der Bruins das bekannteste Tor der Eishockey-Geschichte. Der Treffer verdankt seine Berühmtheit einem Foto, das den Moment des Jubels für die Ewigkeit festhielt.

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          Das Tor an sich? Gar nicht so außergewöhnlich. Ein abgefangener Puck, ein schneller Doppelpass, ein Schuss durch die Beine des Torhüters. Doch die wahre Bedeutung eines Tores bemisst sich bekanntlich anders. Ist es entscheidend? Hat es ein Großer geschossen? Gibt es ikonische Aufnahmen davon? Im vorliegenden Fall: ja, ja und oh ja. Entscheidender, als zum größten Titel einer Sportart beizutragen, kann ein Tor nicht sein. Erzielt hat es einer, den viele für den besten Eishockeyspieler der Geschichte halten. Und es gibt ein Foto davon, das selbst zur Legende wurde. Das vom fliegenden Robert „Bobby“ Orr, wie Superman liegt der damals 22-Jährige in der Luft.

          Am 10. Mai 1970, an diesem Sonntag vor 50 Jahren, fiel es, das wohl bekannteste Tor der Eishockey-Geschichte. Stanley-Cup-Finale, Spiel vier, Verlängerung, Boston gegen St. Louis. Die Bruins brauchen noch ein Tor für ihre erste NHL-Meisterschaft seit 1941. Nach 40 Sekunden geschieht das, was fortan als „Flying Bobby“ bezeichnet wird. Oder „Flying Goal“. Oder schlicht: „The Goal“.

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          „Wahrscheinlich hat jeder Eishockeyfan aus Boston das Foto in seinem Haus“, sagte der aus der Gegend stammende Bruins-Verteidiger Matt Grzelcyk mal, „ich hatte es.“ Dasselbe gilt für die unzähligen Sportbars im Nordosten der Vereinigten Staaten. Natürlich hängt es im örtlichen Stadion, vor dem eine Bronzestatue vom fliegenden Bobby steht. Es gibt eigene Filmchen über das Tor, ein Buch, Hunderte Artikel. Jetzt, zum 50-Jährigen, gibt es einen Wettbewerb, das Tor nachzustellen. Besser: das Foto des Tors, das Kanadas Volksheld Wayne Gretzky einst als „einen dieser ikonischen Momente, die wir niemals neu erschaffen können“, bezeichnete.

          Das Foto seines Lebens

          Geschossen hat das Foto Ray Lussier. Und natürlich hat auch das eine Geschichte. Eigentlich saß der Fotograf des „Boston Record-American“ hinter dem anderen Tor, ehe er sich kurz vor der Verlängerung dachte, er gehe besser rüber, da könnte Historisches passieren. Zwar waren die Fotografenplätze fest zugewiesen, doch einer direkt am Eis war frei, der Legende nach war der Kollege am Bierstand. 40 Sekunden später flog der Puck ins Netz und Bobby Orr durch die Luft, Lussier schoss das Foto seines Lebens.

          Der „Record-American“ druckte es für den nächsten Tag auf einer Doppelseite. Da sah es auch Bobby Orr zum ersten Mal und dachte sich: „Oh, da ist mal ein anderes Foto.“ Das ist es in der Tat. Weil es so viele Geschichten erzählt: Die Leichtigkeit, mit der Orr spielte, die Freude des Publikums, den Frust der Gegner. Und natürlich die Tatsache, dass er wieder gefoult worden war. Während des Jubels zog ihm ein Gegner die Beine weg, deswegen lag er quer in der Luft.

          In Bronze gegossen: Eine Staute vor dem Bruins-Stadion erinnert an den Moment.
          In Bronze gegossen: Eine Staute vor dem Bruins-Stadion erinnert an den Moment. : Bild: Picture-Alliance

          Fouls und Verletzungen, sie waren ständige Begleiter in Bobby Orrs kurzer Karriere. Vor allem die an seinem linken Knie. Läuft alles glatt, kann ein Eishockeyprofi 20 Saisons spielen, Orr erlebte 13, wobei man die letzten vier Jahre kaum zählen darf, da schleppte er seinen geschundenen Körper in gerade mal 36 Spielen übers Eis. 1979, Orr war 31 Jahre alt, machte er Schluss. Was Gordie Howe, selbst eine Ikone seiner Sportart, einst „den größten Schicksalsschlag, den die NHL jemals hinzunehmen hatte“, nannte. Nicht wenige Beobachter halten Bobby Orr, heute 72 und ein erfolgreicher Spielerberater, dennoch für den besten Eishockeyspieler der Geschichte. Er hat nicht nur beeindruckende Zahlen – 915 Scorerpunkte in 657 Einsätzen. Er hat seine Position revolutioniert. Obwohl „das nie meine Absicht war“, wie er einmal sagte, „ich wollte einfach mein Spiel spielen“.

          Hinten die Scheibe und einfach durch

          Das tat er so wie kein Defensivspieler vor ihm. Orr schnappte sich hinten die Scheibe und ging einfach durch. Und niemand wusste, wie man mit einem Verteidiger mit einer solchen Offensivkraft umgehen sollte. „Wenn er sich in Bewegung setzte, war das einzigartig, eine Sensation“, schrieb einst Ken Dryden, Torhüter-Ikone in Montreal, später Autor und Politiker. Seine Vorderleute seien vor Orr „in leichter Panik zurückgerudert wie Strandspaziergänger beim Anblick einer Monsterwelle“.

          Orr pulverisierte Rekorde. Wie selbstverständlich schoss er 20, 30, 40 Tore pro Saison, bereitete auch mal 100 Treffer in einem Jahr vor. Er wurde als erster Verteidiger Topscorer der NHL, später noch mal, dreimal wurde er zum wertvollsten Spieler (MVP) ausgezeichnet, achtmal in Folge als bester Verteidiger. Und das Wichtigste: Er gewann zwei Stanley Cups. Schon mit dem ersten sorgte er für eine neue Eishockey-Begeisterung in Boston, die bis heute anhält. Seitdem tragen Generationen von Fans sein Trikot mit der Nummer vier. Seit diesem Tag vor 50 Jahren, als der fliegende Bobby das berühmteste Tor der Eishockey-Geschichte erzielte.

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