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Der Fall Ingo Steuer : „Sie wollen zu dritt starten“

  • Aktualisiert am

Ein unzertrennliches Trio Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nach dem Bekenntnis der Eiskunstläufer Sawtschenko und Szolkowy zu ihrem Stasi-belasteten Trainer Steuer sind weitere juristische Auseinandersetzungen zu erwarten. Das Paar will nächste Woche in Oberstdorf antreten - mit Steuer an der Bande.

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          Im Fall Ingo Steuer ist keine Lösung in Sicht. Nach dem Bekenntnis der Chemnitzer Eiskunstläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy zu ihrem Stasi-belasteten Trainer stellen sich sowohl die Sportler als auch die Deutsche Eislauf-Union (DEU) auf weitere juristische Auseinandersetzungen ein. Für die deutschen Meister geht es angesichts der DEU-Forderung, sich von Steuer zu trennen, auch um die Fortsetzung ihrer Karriere.

          Schon für die „Nebelhorn-Trophy“ in der kommenden Woche in Oberstdorf wollen Sawtschenko/Szolkowy zur Not gerichtlich erreichen, daß Steuer sie an der Bande betreuen kann. „Sie wollen zu dritt in Oberstdorf starten“, sagte die Anwältin des Teams, Karla Vogt-Röller. Die einladende DEU lehnt das jedoch strikt ab. „Da fällt mir nur ein einstweiliges Rechtsschutzverfahren ein“, sagte Vogt-Röller.

          „Eine hochinteressante juristische Fragestellung“

          Dahinter steht jedoch eine grundsätzlichere Frage: Kann die DEU ihre Drohung wahrmachen und das Paar künftig nicht mehr fördern und für internationale Wettbewerbe nominieren, wenn es weiter mit Steuer zusammenarbeitet? „Wie weit das durchsetzbar ist, ist eine hochinteressante juristische Fragestellung“, sagte DEU-Vizepräsident Uwe Harnos am Freitag. Es müsse noch geprüft werden, ob man die beiden überhaupt aus den Kadern des Verbandes ausschließen kann. Am Mittwoch hatte die DEU noch das „Ende der sportlichen Zusammenarbeit“ mit dem Paar angedroht, sollte es auf Steuer als Trainer bestehen.

          Die DEU will auch keine private Finanzierung zulassen

          Die Sportler und Steuer sind bereit, es auf einen weiteren juristischen Konflikt ankommen zu lassen. „Sie sind entschlossen, nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen“, sagte Vogt-Röller. Steuer hat bereits erklärt, weiter als Trainer zur Verfügung zu stehen, „so lange die beiden das wollen“. Zuvor hatten Steuer und seine Schützlinge eine einstweilige Verfügung gegen das Ende der DEU-Förderung beim Münchner Landgericht beantragt und waren abgewiesen worden. Ein weiterer Einspruch ist beim Oberlandesgericht anhängig.

          DEU will Spitzentrainer finanzieren

          Auswege wie der Start für einen anderen Verband oder die Wahl eines anderen Trainers kommen offenbar nicht in Frage. Die DEU hält ihr Angebot, internationale Spitzentrainer wie Oleg Wasiljew oder Tamara Moskwina zu finanzieren, zwar aufrecht, doch die Sportler lehnen weiterhin ab. „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um bei einem russischen Trainer in Chicago zu laufen“, sagte die gebürtige Ukrainerin Sawtschenko, die im Dezember 2005 eingebürgert wurde.

          Der Verband gerät durch das Beharren der Athleten auf Steuer in eine schwierige Situation. Die lebensnotwendige Förderung durch das Bundesinnenministerium (BMI) ist an eine endgültige Trennung von Steuer gekoppelt, der kurz vor den Olympischen Winterspielen in Turin als Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes enttarnt worden war. Erst in dieser Woche gab das BMI die Mittel wieder frei.

          Gegenseitiges Verständnis?

          Auch deshalb hofft die DEU trotz der immer verworreneren Lage noch auf eine Einigung. „Ich habe schon das Gefühl, wir haben Verständnis für ihre Situation und sie auch für uns“, sagte Harnos, dessen Präsidium erst seit neun Wochen im Amt ist und den Konflikt von den Vorgängern um Reinhard Mirmseker geerbt hat. Eine „persönliche Konfrontation“ zwischen der neuen Führung und dem Paar gebe es nicht, betonte er.

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